Ratgeber

INQA-Coaching: KI-Einführung im Handwerksbetrieb zu 80 Prozent gefördert

INQA-Coaching fördert die begleitete Einführung digitaler Prozesse in KMU mit 80 Prozent. Ablauf, Voraussetzungen, Coachingtage und wie Handwerksbetriebe den INQA-Coaching-Schein bekommen.

INQA-Coaching: KI-Einführung im Handwerksbetrieb zu 80 Prozent gefördert
Auf den Punkt

INQA-Coaching ist ein Programm des Bundesarbeitsministeriums, das kleine und mittlere Unternehmen bei der Gestaltung digitaler Veränderungsprozesse unterstützt. Gefördert werden 80 Prozent der Coachingkosten für bis zu zwölf Coachingtage. Der Weg führt über eine kostenlose Erstberatung bei einer INQA-Beratungsstelle, die den INQA-Coaching-Schein ausstellt. Anschließend wählt der Betrieb einen autorisierten Coach. Wichtig: Gefördert wird der begleitete Veränderungsprozess mit den Beschäftigten, nicht der Kauf von Software.

Von allen Förderwegen, die einem Handwerksbetrieb für die Einführung von KI offenstehen, ist INQA-Coaching der am wenigsten bekannte – und für viele Betriebe der passendste. Weil er genau das fördert, woran KI-Projekte im Handwerk üblicherweise scheitern: nicht die Technik, sondern die Veränderung der Abläufe drumherum.

Was INQA-Coaching ist

INQA steht für Initiative Neue Qualität der Arbeit, ein Programm des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Das Coaching-Angebot richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen, die ihre Arbeits- und Geschäftsprozesse im Zuge der Digitalisierung verändern wollen.

Gefördert werden 80 Prozent der Coachingkosten. Der Betrieb trägt einen Eigenanteil von 20 Prozent. Die Zahl der förderfähigen Coachingtage und der maximal anrechenbare Tagessatz stehen in der jeweils gültigen Richtlinie; verbreitet sind bis zu zwölf Coachingtage.

Der entscheidende Unterschied zu anderen Programmen liegt im Gegenstand der Förderung. Eine Digitalisierungsprämie zahlt Software. INQA-Coaching zahlt den Prozess, in dem der Betrieb herausfindet, welche Software er überhaupt braucht und wie die Arbeit danach organisiert ist.

Warum das für KI-Projekte besonders passt

Die häufigste Ursache dafür, dass KI-Einführungen in Handwerksbetrieben versanden, ist nicht schlechte Technik. Es ist die fehlende Antwort auf drei Fragen:

  • Wer macht künftig was, wenn die Angebotserstellung nur noch ein Drittel der Zeit braucht?
  • Wer prüft die Ergebnisse, und woran erkennt die Person einen Fehler?
  • Was passiert mit den Abläufen, die auf dem alten Verfahren aufgebaut haben?

Diese Fragen beantwortet keine Software. Sie werden im Betrieb beantwortet, mit den Leuten, die die Arbeit machen – und genau dafür ist der partizipative Ansatz von INQA-Coaching gebaut.

Der Ablauf in fünf Schritten

Schritt 1: Förderfähigkeit prüfen. Der Betrieb muss die KMU-Kriterien erfüllen, seit mindestens zwei Jahren bestehen und sozialversicherungspflichtig Beschäftigte haben. Für den typischen Handwerksbetrieb mit acht bis achtzig Mitarbeitern ist das unproblematisch.

Schritt 2: Erstberatungsstelle kontaktieren. INQA-Beratungsstellen sitzen regional, oft bei Kammern, Verbänden oder Wirtschaftsförderungen. Die Erstberatung ist kostenlos und dauert typischerweise ein bis zwei Stunden. Dabei wird geklärt, ob das Vorhaben ins Programm passt.

Schritt 3: INQA-Coaching-Schein. Passt es, stellt die Beratungsstelle den Schein aus. Er ist die Grundlage der geförderten Beauftragung – ohne ihn läuft nichts.

Schritt 4: Coach auswählen. Aus der Liste autorisierter INQA-Coaches wählt der Betrieb selbst. Achten Sie auf Branchenerfahrung: Ein Coach, der Handwerksbetriebe kennt, spart zwei Coachingtage Erklärungsarbeit.

Schritt 5: Durchführen und abrechnen. Der Prozess läuft über mehrere Monate. Zwischen den Coachingtagen wird im Betrieb umgesetzt und ausprobiert.

Was ein typisches Vorhaben umfasst

Ein realistisches KI-Coaching in einem Betrieb mit zwanzig Mitarbeitern könnte so aussehen:

PhaseInhaltCoachingtage
BestandsaufnahmeWelche Abläufe kosten Zeit? Wo entstehen Fehler? Wer macht was?2
Zielbild mit dem TeamWas soll sich ändern, und was ausdrücklich nicht?2
Auswahl und TestWerkzeuge prüfen, Pilot in einem Bereich3
RolloutAblauf umstellen, Regeln festlegen, unterweisen3
StabilisierungNachjustieren, Kennzahlen prüfen, Dokumentation2

Am Ende steht kein Softwarekauf, sondern ein veränderter Ablauf – und die Erkenntnis, welche Werkzeuge dafür nötig sind. Die Anschaffung läuft dann über ein anderes Programm.

Die drei häufigsten Fehler

Das Vorhaben als Softwarekauf beschreiben. Wer im Erstgespräch sagt, er wolle eine KI-Software einführen, bekommt keinen Schein. Wer sagt, er wolle die Angebotserstellung im Betrieb neu organisieren und dabei prüfen, wo digitale Werkzeuge helfen, bekommt ihn.

Die Beschäftigten außen vor lassen. Ein Coaching, bei dem nur der Chef am Tisch sitzt, verfehlt den Programmzweck. Planen Sie die Zeit der Mitarbeiter ein – das ist der eigentliche Aufwand, größer als der Eigenanteil.

Zu spät anfangen. Programme haben Kontingente und Förderperioden. Die Autorisierungs- und Antragszeiträume ändern sich, und Beratungsstellen sind in manchen Regionen ausgebucht. Das Erstgespräch kostet nichts – es lohnt sich, es früh zu führen.

Kombination mit anderen Programmen

Eine Doppelförderung derselben Kosten ist ausgeschlossen. Unterschiedliche Kostenarten lassen sich aber kombinieren:

KostenartPassendes Programm
Prozessbegleitung, Veränderung der ArbeitsorganisationINQA-Coaching
Betriebswirtschaftliche BeratungBAFA-Beratungsförderung
Software, Hardware, LizenzenDigitalisierungsprämie des Landes
Qualifizierung der BeschäftigtenWeiterbildungsförderung, Landesprogramme

Wichtig ist die saubere Trennung in Angeboten und Rechnungen. Wer alles in eine Position schreibt, riskiert die Förderung insgesamt.

Stand und Prüfung

Förderbedingungen ändern sich mit den Förderperioden – Autorisierungszeiträume, Kontingente und Tagessätze werden regelmäßig angepasst. Die hier genannten Eckpunkte entsprechen dem Stand der Recherche zum angegebenen Datum.

Verlassen Sie sich vor einer Antragstellung nicht auf Übersichten wie diese, sondern auf die aktuelle Richtlinie und das Erstgespräch bei der Beratungsstelle. Das Gespräch ist kostenlos und klärt in einer Stunde mehr als jede Recherche.

Fazit

INQA-Coaching ist für Handwerks- und Bauunternehmen der passendste Förderweg, wenn es um die Einführung von KI als Veränderung von Arbeitsabläufen geht – 80 Prozent Förderung, ein strukturierter Prozess über mehrere Monate und die Beteiligung der Belegschaft, die über den Erfolg entscheidet.

Nicht gefördert wird, was viele zuerst suchen: die Software. Genau darin liegt aber die Stärke des Programms, denn die Software ist selten das Problem.

Mitarbeitende eines Handwerksbetriebs sortieren Karten mit Arbeitsschritten auf einem Tisch
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FAQ

Häufige Fragen

Wer kann INQA-Coaching beantragen?
Kleine und mittlere Unternehmen, die die KMU-Kriterien der EU erfüllen, seit mindestens zwei Jahren am Markt sind und sozialversicherungspflichtig Beschäftigte haben. Für Handwerks- und Bauunternehmen dieser Größe ist das Programm damit gut zugänglich. Die genauen Schwellen und Voraussetzungen stehen in der jeweils aktuellen Förderrichtlinie und sollten vor dem Erstgespräch geprüft werden.
Wie hoch ist die Förderung genau?
Gefördert werden 80 Prozent der Coachingkosten, der Betrieb trägt 20 Prozent Eigenanteil. Die Zahl der förderfähigen Coachingtage und der maximal anrechenbare Tagessatz sind in der Richtlinie festgelegt – üblich sind bis zu zwölf Tage. Da sich diese Werte mit den Förderperioden ändern können, ist der Stand im Erstgespräch zu klären.
Was wird gefördert – Software oder Beratung?
Der begleitete Veränderungsprozess, nicht die Anschaffung. INQA-Coaching zahlt keine Lizenzen, keine Hardware und keine Software. Gefördert wird die Arbeit des Coaches mit dem Betrieb und den Beschäftigten. Für die Anschaffung selbst braucht es ein anderes Programm, etwa eine Digitalisierungsprämie des Landes.
Passt KI-Einführung überhaupt ins Programm?
Ja, wenn sie als Veränderung von Arbeitsprozessen gedacht wird. Das Programm zielt auf die Gestaltung der digitalen Transformation der Arbeitswelt. Ein Vorhaben wie die Einführung KI-gestützter Angebotserstellung samt neuer Abläufe im Büro passt gut. Ein Vorhaben, das im Kern aus dem Kauf einer Software besteht, passt nicht.
Warum müssen die Mitarbeiter beteiligt werden?
Weil es die Programmlogik ist. INQA-Coaching setzt auf einen partizipativen Ansatz: Die Beschäftigten arbeiten aktiv an der Lösung mit. Für Handwerksbetriebe ist das ein Vorteil und keine Hürde – Veränderungen, die die Kolonne mitentwickelt hat, halten deutlich länger als angeordnete.
Wie lange dauert das Ganze?
Der Coachingprozess erstreckt sich typischerweise über mehrere Monate, weil zwischen den Coachingtagen im Betrieb umgesetzt wird. Rechnen Sie ab Erstgespräch mit einem halben Jahr für den vollständigen Durchlauf. Das ist kein Nachteil: Prozessveränderungen, die in einer Woche durchgezogen werden, überleben den Alltag selten.
Kann ich INQA-Coaching mit anderen Förderungen kombinieren?
Eine Doppelförderung derselben Kosten ist ausgeschlossen. Eine Kombination unterschiedlicher Kostenarten ist dagegen üblich: Coaching über INQA, Anschaffung über eine Landesprämie, Qualifizierung über die Weiterbildungsförderung. Wichtig ist eine saubere Trennung in Angeboten und Rechnungen.

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