Ratgeber

Stellenanzeige für Handwerksbetriebe: Vorlage mit konkreten Angaben

Wie eine Stellenanzeige im Handwerk aufgebaut sein muss, damit sie Bewerbungen bringt: Struktur, konkrete Angaben statt Floskeln, rechtliche Anforderungen und eine anpassbare Vorlage.

Stellenanzeige für Handwerksbetriebe: Vorlage mit konkreten Angaben
Auf den Punkt

Eine wirksame Stellenanzeige im Handwerk nennt sechs konkrete Dinge: Verdienst oder Verdienstspanne, Einsatzgebiet mit Radius, Arbeitszeiten, Teamgröße und -zusammensetzung, welche Arbeiten tatsächlich anfallen und einen namentlichen Ansprechpartner mit Telefonnummer. Floskeln wie dynamisches Team oder abwechslungsreiche Tätigkeiten stehen in jeder zweiten Anzeige und ermöglichen keine Entscheidung. Rechtlich ist auf geschlechtsneutrale Formulierung und die Vorgaben des AGG zu achten.

Die meisten Stellenanzeigen im Handwerk enthalten keine Information, auf deren Grundlage sich jemand entscheiden könnte. Das ist der Hauptgrund, warum sie wirkungslos bleiben – nicht der Fachkräftemangel.

Die sechs konkreten Angaben

AngabeStatt FloskelKonkret
Verdienst„leistungsgerechte Vergütung”„22–26 €/Std. je nach Erfahrung, plus Zuschläge”
Einsatzgebiet„Einsatz in der Region”„Umkreis 40 km, keine Montage mit Übernachtung”
Arbeitszeiten„geregelte Arbeitszeiten”„Mo–Do 7:00–16:30, Fr bis 13:00”
Team„dynamisches Team”„vier Kollegen, Altersschnitt 38, zwei Azubis”
Aufgaben„abwechslungsreiche Tätigkeiten”„70 % Bäder im Bestand, 30 % Neubau”
Kontakt„Bewerbung an info@…”„Ruf einfach Marco an: 0…, auch abends”

Die letzte Zeile ist der größte Hebel. Ein Anruf ist für viele Handwerker der natürlichere Weg als eine schriftliche Bewerbung – und die Hürde ist erheblich niedriger.

Die Vorlage

[Berufsbezeichnung] (m/w/d) gesucht – [Ort und Umkreis]

Wir sind [Betriebsname], ein [Gewerk]-Betrieb mit [Anzahl] Mitarbeitenden in [Ort]. Wir arbeiten überwiegend für [Kundengruppe] im Umkreis von etwa [X] Kilometern.

Das machst du bei uns:

  • [konkrete Tätigkeit 1 mit Anteil]
  • [konkrete Tätigkeit 2]
  • [konkrete Tätigkeit 3]

Das bringst du mit:

  • abgeschlossene Ausbildung als [Beruf] oder vergleichbare Erfahrung
  • Führerschein Klasse B
  • [weitere konkrete Anforderung mit Tätigkeitsbezug]

Das bieten wir:

  • Stundenlohn [Spanne] je nach Erfahrung, plus Zuschläge
  • Arbeitszeiten [konkret], freitags bis [Uhrzeit]
  • Einsatzgebiet [Radius], keine Montage mit Übernachtung
  • [weitere konkrete Leistung: Fahrzeug, Werkzeug, Weiterbildung, Altersvorsorge]
  • Team aus [Anzahl] Kollegen, [Zusammensetzung]

So geht’s weiter: Ruf einfach [Name] an: [Telefonnummer], auch abends. Oder schreib eine kurze Nachricht an [Kontakt] – Anschreiben brauchen wir nicht.

[Betriebsname], [Adresse], [Website]

Der letzte Satz vor den Kontaktdaten senkt die Hürde spürbar: Wer kein Anschreiben verlangt, bekommt Bewerbungen von Leuten, die keines schreiben würden.

Die rechtliche Prüfung

Vier Punkte vor der Veröffentlichung:

Geschlechtsneutralität. Berufsbezeichnung mit (m/w/d) oder neutrale Form – und der Fließtext ebenso.

Kein Altersbezug. „Junges Team” und „Berufseinsteiger” sind riskant. Wenn die Altersstruktur genannt werden soll, dann als Tatsache über das Team, nicht als Anforderung.

Sprachanforderungen konkret. Nicht „Muttersprache Deutsch”, sondern „Deutschkenntnisse für die Verständigung auf der Baustelle und mit Kunden”.

Gesundheitsanforderungen mit Tätigkeitsbezug. Nicht „körperlich belastbar”, sondern die konkrete Anforderung, wenn sie für die Tätigkeit wesentlich ist.

Wo die Anzeige hingehört

Eigene Website. Vollständige Fassung auf einer Karriereseite. Viele Interessierte suchen den Betrieb, nachdem sie eine Anzeige gesehen haben.

Portale. Je nach Region und Gewerk unterschiedlich wirksam.

Lokale Gruppen und Netzwerke. Dort, wo die Zielgruppe tatsächlich ist.

Fahrzeug und Baustellenschild. Ein Aufkleber „Wir suchen Verstärkung – 0…” wirkt langsam und stetig.

Berufsschule und Innung. Besonders für Auszubildende und junge Gesellen.

Nach der Veröffentlichung

Der beste Text nützt nichts, wenn niemand reagiert. Drei Regeln:

  • Erreichbarkeit sicherstellen. Wenn die Anzeige zum Anruf auffordert, muss jemand rangehen – auch abends.
  • Am selben Tag antworten. Notfalls nur mit einer Eingangsbestätigung.
  • Absagen ebenso schnell und freundlich. In einer Region spricht sich beides herum.

Die ausgefüllte Anzeige: Beispiel Dachdeckerbetrieb

Eine Vorlage mit Platzhaltern zeigt die Struktur, nicht den Ton. Deshalb hier dieselbe Vorlage einmal vollständig ausgefüllt. Betrieb und Zahlen sind erfunden, die Machart ist übertragbar.

Dachdeckergeselle (m/w/d) gesucht – Balingen und 35 km Umkreis

Wir sind die Dachdeckerei Berger mit neun Mitarbeitenden in Balingen. Wir arbeiten überwiegend für Privatkunden und kleinere Wohnungsbaugesellschaften, fast alles im Umkreis von 35 Kilometern.

Das machst du bei uns:

  • rund 60 Prozent Steildach: Umdeckungen, Reparaturen, Dachfenster
  • rund 30 Prozent Flachdach mit Bitumen und Kunststoffbahnen
  • rund 10 Prozent Bauklempnerei, Rinnen und Anschlüsse

Das bringst du mit:

  • abgeschlossene Ausbildung als Dachdecker oder mindestens drei Jahre auf dem Dach
  • Führerschein Klasse B
  • du kannst ein Aufmaß schreiben, das im Büro lesbar ist

Das bieten wir:

  • 23 bis 27 Euro pro Stunde je nach Erfahrung, plus Zuschläge
  • Montag bis Donnerstag 7:00 bis 16:30 Uhr, Freitag bis 13:00 Uhr
  • keine Montage mit Übernachtung, du bist jeden Abend zu Hause
  • Werkzeug und Arbeitskleidung stellen wir, Wäsche läuft über den Betrieb
  • Team aus vier Gesellen, einem Vorarbeiter und zwei Azubis, Altersschnitt 36
  • zwei bezahlte Weiterbildungstage im Jahr, Thema suchst du dir aus

So geht’s weiter: Ruf einfach Thomas Berger an: 07433 000000, auch abends bis 20 Uhr. Oder schreib eine WhatsApp – Anschreiben brauchen wir nicht. Wenn es passt, arbeitest du einen Tag mit, bezahlt.

Dachdeckerei Berger, Musterstraße 1, 72336 Balingen

Der letzte Halbsatz ist der Teil, der am häufigsten fehlt: ein bezahlter Probetag. Er dreht die Bewerbungssituation um. Wer nichts riskiert außer einem Tag, meldet sich auch dann, wenn er noch in einem Arbeitsverhältnis steht.

Was nach dem Anruf passiert

Ein guter Text erzeugt Anrufe. Was danach folgt, entscheidet, ob daraus eine Einstellung wird. Ein Ablauf, der sich im Handwerk bewährt hat, mit realistischen Zeiten:

  1. Anruf, 5 bis 10 Minuten. Nicht ausfragen, sondern erzählen: Was macht der Betrieb, wie sieht die Woche aus, was verdient man. Am Ende eine Frage: Wann kannst du einen Tag mitfahren?
  2. Probetag innerhalb von zehn Tagen, bezahlt. Der Bewerber fährt mit einer Kolonne mit. Der Vorarbeiter, nicht der Chef, gibt am Abend eine Einschätzung ab.
  3. Rückmeldung am selben Abend oder am Folgetag. Länger warten kostet Kandidaten. Wer sich zwei Wochen Zeit lässt, verhandelt gegen einen Betrieb, der am nächsten Tag angerufen hat.
  4. Vertragsgespräch, 30 Minuten. Stundenlohn, Zuschläge, Urlaub, Probezeit, Startdatum. Alles schriftlich mitgeben, auch wenn der Vertrag noch nicht fertig ist.
  5. Kontakt bis zum ersten Tag halten. Zwischen Zusage und Arbeitsbeginn liegen oft acht Wochen Kündigungsfrist. In dieser Zeit ein bis zwei kurze Nachrichten – Werkzeuggrößen abfragen, zum Sommerfest einladen. Absprünge passieren fast ausschließlich in diesem Fenster.

Schritt 3 und Schritt 5 sind die beiden, an denen Betriebe Kandidaten verlieren, die sie bereits überzeugt hatten.

Fazit

Eine wirksame Stellenanzeige im Handwerk nennt sechs konkrete Dinge und verzichtet auf Floskeln. Der wichtigste einzelne Punkt ist ein namentlicher Ansprechpartner mit Telefonnummer – weil ein Anruf die niedrigste Hürde ist.

KI kann den Text formulieren, wenn die Anweisung verbietet, Leistungen zu erfinden. Die Prüfung auf AGG-Konformität bleibt Handarbeit, und die Auswahl der Bewerber ebenfalls.

Ausgedruckte Stellenanzeige mit Notizen auf einem Schreibtisch
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FAQ

Häufige Fragen

Muss ich den Verdienst angeben?
Rechtlich nicht zwingend, praktisch fast immer sinnvoll. Eine Verdienstspanne filtert vor und signalisiert Transparenz. Anzeigen ohne jede Angabe erzeugen Rückfragen und schrecken Bewerber ab, die nicht in ein Gespräch gehen wollen, ohne die Größenordnung zu kennen.
Wie formuliere ich geschlechtsneutral?
Entweder durch neutrale Berufsbezeichnungen oder durch den Zusatz (m/w/d) hinter der Bezeichnung. Wichtig ist zusätzlich der Fließtext – auch dort dürfen keine geschlechtsbezogenen Zuschreibungen stehen. Das AGG betrifft die gesamte Anzeige, nicht nur die Überschrift.
Welche Formulierungen sind rechtlich riskant?
Alles, was an geschützte Merkmale anknüpft: Altersbezug wie junges Team oder Berufseinsteiger, Herkunftsbezug wie Muttersprache Deutsch statt konkreter Sprachanforderungen, sowie pauschale Gesundheitsanforderungen ohne Tätigkeitsbezug.
Wo sollte die Anzeige veröffentlicht werden?
Auf der eigenen Website als vollständige Fassung, dazu je nach Region und Gewerk in Portalen und lokalen Gruppen. Wichtig ist die eigene Karriereseite: Viele Interessierte suchen den Betrieb, nachdem sie eine Anzeige gesehen haben – und was sie dann finden, entscheidet.
Wie lang sollte eine Anzeige sein?
So lang wie nötig für die sechs konkreten Angaben, so kurz wie möglich beim Rest. Eine Bildschirmseite reicht in den meisten Fällen. Was darüber hinausgeht, wird nicht gelesen.
Darf KI die Anzeige schreiben?
Ja, mit zwei Auflagen: Die Anweisung muss verbieten, Leistungen oder Konditionen zu erfinden, und das Ergebnis gehört auf AGG-Konformität geprüft. Die Bewertung eingehender Bewerbungen durch KI ist dagegen als Hochrisiko-Anwendung nach Anhang III EU AI Act einzustufen und sollte unterbleiben.

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