Glossar

Leistungsverzeichnis (LV)

Ein Leistungsverzeichnis ist eine strukturierte Auflistung aller für ein Bauvorhaben zu erbringenden Leistungen mit Mengen und Einheiten und bildet die Grundlage für Ausschreibung, Angebot und Abrechnung.

Ein Leistungsverzeichnis (LV) listet alle Leistungen eines Bauvorhabens als einzelne Positionen mit Beschreibung, Menge und Einheit auf. Es ist die zentrale Grundlage, auf der Auftraggeber ausschreiben, Betriebe ihre Angebote kalkulieren und später die erbrachten Leistungen abgerechnet werden.

Jede LV-Position beschreibt eine abgegrenzte Teilleistung, etwa das Verlegen einer bestimmten Leitungslänge oder das Verputzen einer Wandfläche. Die Position enthält in der Regel keinen Preis vom Ausschreibenden; diesen ergänzt der Betrieb in der Kalkulation. Ein sauber strukturiertes LV sorgt dafür, dass alle Bieter dieselben Leistungen kalkulieren und die Angebote vergleichbar bleiben.

Leistungsverzeichnisse werden häufig im GAEB-Format ausgetauscht, sodass sie direkt in die Kalkulationssoftware eingelesen werden können. Bei öffentlichen Aufträgen ist das LV oft Teil der Vergabeunterlagen und muss exakt bearbeitet werden, da Abweichungen zum Ausschluss führen können.

Zu unterscheiden sind zwei Formen der Ausschreibung. Beim Leistungsverzeichnis gibt der Auftraggeber die Positionen vor und trägt das Risiko der Vollständigkeit; der Bieter setzt nur Preise ein. Bei einer funktionalen Beschreibung wird dagegen das gewünschte Ergebnis geschildert, und der Betrieb legt selbst fest, welche Leistungen dafür nötig sind. Dieser Unterschied entscheidet darüber, wer eine vergessene Teilleistung später bezahlt.

Im Betrieb ist der Umgang mit Bedarfs-, Alternativ- und Eventualpositionen eine wiederkehrende Fehlerquelle. Sie fließen unterschiedlich in die Angebotssumme ein, werden aber im Kalkulationsalltag oft wie normale Positionen behandelt. Ebenso wichtig sind die Vorbemerkungen: Dort stehen regelmäßig Anforderungen zu Bauzeit, Baustelleneinrichtung oder Entsorgung, die den Aufwand erhöhen, ohne in einer eigenen Position aufzutauchen.

Wo KI ansetzt

KI kann aus einer freien Projektbeschreibung oder einem Aufmaß automatisch LV-Positionen erzeugen. Aus einem Satz wie “Badezimmer komplett fliesen, 12 Quadratmeter” leitet sie die nötigen Positionen für Untergrund, Abdichtung, Verlegung und Verfugung ab und schlägt Mengen vor. Das beschleunigt die Erstellung deutlich und verringert vergessene Positionen.

Ebenso kann KI bestehende Leistungsverzeichnisse auf Vollständigkeit prüfen und unklare Positionstexte verständlicher formulieren. Wie sich Angebote daraus ableiten lassen, zeigt unser Ratgeber zur KI-Angebotserstellung im Handwerk. Den größeren Zusammenhang von Aufmaß und Kalkulation behandelt der Beitrag KI-Aufmaß und Kalkulation.

Sinnvoll ist außerdem, unklare oder widersprüchliche Positionen vor Angebotsabgabe schriftlich als Bieterfrage zu klären, statt sie mit einem Zuschlag abzudecken. Eine dokumentierte Antwort des Auftraggebers wird Vertragsbestandteil und ist bei einer späteren Auseinandersetzung über den geschuldeten Leistungsumfang deutlich belastbarer als eine eigene Auslegung.

Für Gewerke wie Maler oder SHK-Betriebe bedeutet das, dass aus wenigen Angaben schnell ein vollständiges, prüfbares Leistungsverzeichnis entsteht, das als Basis für ein wettbewerbsfähiges Angebot dient.

FAQ

Häufige Fragen zu Leistungsverzeichnis (LV)

Was mache ich, wenn eine angegebene Menge offensichtlich nicht stimmt?
Die Mengen im Leistungsverzeichnis sind Vordersätze des Auftraggebers, keine zugesicherte Wahrheit. Abgerechnet wird nach dem tatsächlichen Aufmaß. Trotzdem sollte eine erkennbar falsche Menge vor Angebotsabgabe angesprochen werden, weil sie den Einheitspreis beeinflusst: Kleine Mengen tragen Rüst- und Anfahrtsanteile schlechter. Wer die Abweichung erst bei der Abrechnung bemerkt, verhandelt aus schlechterer Position.
Lohnt sich ein Leistungsverzeichnis auch bei privaten Auftraggebern?
Ja, und zwar deutlich. Auch ohne Vergaberecht schafft eine Positionsliste mit Menge, Einheit und Beschreibung Klarheit darüber, was im Preis enthalten ist und was nicht. Bei privaten Bauherren beugt das der häufigsten Streitfrage vor, ob eine Nebenleistung mitbezahlt war. Der Umfang darf dabei deutlich schlanker ausfallen als bei einer öffentlichen Ausschreibung.
Wie zuverlässig sind KI-erzeugte LV-Positionen?
Als Entwurf brauchbar, als Grundlage für ein verbindliches Angebot nicht ohne Prüfung. Typische Schwächen sind unpassende Mengeneinheiten, vergessene Nebenleistungen wie Abdeckung und Entsorgung sowie Positionstexte, die zwei Leistungen vermischen. Sinnvoll ist, den Entwurf gegen eine eigene Prüfliste des Gewerks zu halten, bevor er in die Kalkulation übernommen wird.
Warum sollte ich ein LV lieber als GAEB-Datei annehmen als per PDF?
Weil die Positionen dann eingelesen statt abgetippt werden. Das spart nicht nur Zeit, sondern verhindert Übertragungsfehler bei Mengen und Ordnungszahlen, die sich später durch die gesamte Abrechnung ziehen. Zudem lässt sich das Angebot im selben Format zurückgeben, sodass die Zuordnung beim Auftraggeber eindeutig bleibt. Ein PDF sollte nur die Notlösung sein.

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