Glossar

Volumenermittlung per Drohne

Die Volumenermittlung per Drohne berechnet Massen wie Erdaushub oder Schüttgut aus Luftbildern, die eine Drohne beim Überflug einer Fläche aufnimmt.

Bei der Volumenermittlung per Drohne wird eine Fläche, etwa eine Baugrube, eine Erdmiete oder ein Schüttguthaufen, systematisch mit einer Drohne überflogen und fotografiert. Aus den überlappenden Luftbildern wird per photogrammetrischer Auswertung eine dreidimensionale Geländeoberfläche berechnet, aus der sich das Volumen zwischen zwei Aufnahmezeitpunkten oder gegenüber einer Referenzfläche ableiten lässt, ohne dass die Fläche dafür begangen werden muss. Je nach Größe der Fläche und gewünschter Genauigkeit dauert ein solcher Überflug meist deutlich kürzer als eine vollständige terrestrische Vermessung.

In der Praxis nutzen Erd- und Tiefbaubetriebe dieses Verfahren, um Aushub- oder Anfuhrmengen zu ermitteln, ohne die Fläche händisch mit Messlatten oder Tachymeter abzuschreiten, was bei großflächigen oder unwegsamen Baustellen erheblichen Aufwand sparen kann. Auch für die Abrechnung nach tatsächlich bewegten Mengen oder zur Dokumentation eines Baufortschritts bei Erdarbeiten ist die Methode geeignet, da sich mit wiederholten Befliegungen der Verlauf über die Bauzeit nachvollziehen lässt. Bei größeren Baustellen mit mehreren Erdmieten lässt sich so auch der Materialbestand über einen längeren Zeitraum verfolgen.

Zu klären sind vor dem Einsatz die rechtlichen Rahmenbedingungen des Flugbetriebs. Je nach Gewicht der Drohne, Flughöhe, Umgebung und Betriebsart gelten unterschiedliche Anforderungen an Nachweise des Steuerers, Registrierung und Versicherung; in der Nähe von Wohnbebauung, Verkehrswegen oder Schutzgebieten kommen weitere Einschränkungen hinzu. Diese Punkte sind vor der Befliegung projektbezogen zu prüfen.

Wo KI ansetzt

KI übernimmt bei diesem Verfahren die automatisierte Auswertung der Luftbilder: Sie berechnet aus den Einzelaufnahmen die Geländeoberfläche, erkennt Referenzpunkte zur exakten Einordnung und grenzt die zu vermessende Fläche automatisch ab. Zusätzlich kann sie Störfaktoren wie Fahrzeuge, Geräte oder Personen auf den Aufnahmen erkennen und aus der Berechnung herausrechnen, damit diese das Ergebnis nicht verfälschen. Ohne eine solche automatisierte Bereinigung müssten Störobjekte einzeln von Hand aus der Berechnung ausgeschlossen werden, was den Zeitvorteil der Methode zunichtemachen würde.

Ergänzend zur Drohnenbefliegung selbst, die die eigentliche Bildaufnahme beschreibt, und zur allgemeinen Luftbildvermessung liefert die KI-gestützte Volumenberechnung den konkreten Zahlenwert, mit dem ein Betrieb weiterarbeiten kann. Für sehr komplexe oder verdeckte Geländeformen, etwa unter Vegetation, stößt die Methode allerdings an Grenzen, hier liefert eine Punktwolke aus Laserscan am Boden mitunter zuverlässigere Werte. Welches Verfahren im Einzelfall geeigneter ist, hängt von der Geländebeschaffenheit und der geforderten Genauigkeit ab.

Zu bedenken ist außerdem die Abstimmung mit dem Auftraggeber über die Abrechnungsgrundlage. Wird nach Volumen abgerechnet, sollte vor der ersten Befliegung vereinbart sein, welches Verfahren gilt, welche Referenzfläche zugrunde liegt und wie mit Abweichungen zu einer Kontrollmessung umgegangen wird. Ohne diese Vereinbarung wird die Methode im Streitfall infrage gestellt, obwohl die Messung selbst belastbar ist.

Betriebe im Erdbau sollten die per Drohne ermittelten Volumina stichprobenartig mit klassischen Messungen abgleichen, bevor sie ausschließlich auf dieser Grundlage abrechnen, insbesondere bei den ersten Einsätzen mit einem neuen System. Auch Witterung, Bewuchs und Lichtverhältnisse beim Überflug beeinflussen die Bildqualität und damit die Genauigkeit der berechneten Volumina.

FAQ

Häufige Fragen zu Volumenermittlung per Drohne

Ab welcher Baustellengröße lohnt sich das Verfahren?
Der Zeitvorteil entsteht mit der Fläche und mit der Unzugänglichkeit des Geländes. Bei kleinen, gut begehbaren Baugruben ist die klassische Aufnahme schneller, weil Rüstzeit, Befliegung und Auswertung zusammengerechnet werden müssen. Deutlich wird der Nutzen bei weitläufigen Erdbaustellen, bei Halden auf Lagerplätzen und überall dort, wo dieselbe Fläche mehrfach im Bauablauf aufgenommen wird.
Was ist der Unterschied zur Aufnahme mit Tachymeter oder GNSS-Rover?
Die klassische Vermessung liefert wenige, sehr genaue Einzelpunkte, aus denen die Fläche interpoliert wird. Die Befliegung liefert sehr viele Punkte mit etwas größerer Einzelunsicherheit und bildet unregelmäßige Formen dadurch besser ab. Unter Bewuchs oder bei verdeckten Bereichen bleibt die bodengestützte Messung überlegen. Für die Abrechnung zählt weniger das Verfahren als die vorab vereinbarte Grundlage.
Wie viele Befliegungen brauche ich je Bauvorhaben?
Mindestens zwei: eine Aufnahme des Urgeländes vor Beginn der Erdarbeiten und eine nach Erreichen des Zielzustands. Jede Zwischenaufnahme erlaubt zusätzlich eine Zwischenabrechnung und dokumentiert den Baufortschritt. Wird die erste Aufnahme versäumt, fehlt die Bezugsfläche, und das bewegte Volumen lässt sich nachträglich nur noch über Planannahmen rekonstruieren, was im Streitfall angreifbar ist.
Wer darf die Drohne auf der Baustelle steuern?
Die Anforderungen an Nachweise des Steuerers, an Registrierung, Versicherung und Betriebsart hängen von Gewicht der Drohne, Flughöhe und Umgebung ab. In der Nähe von Wohnbebauung, Verkehrswegen oder Schutzgebieten kommen weitere Einschränkungen hinzu. Die konkret geltenden Vorgaben stehen in der jeweils einschlägigen Regelung und sind vor jeder Befliegung projektbezogen zu prüfen.

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