Ratgeber

Digitalbonus Bayern: KI- und Digitalisierungsprojekte im Handwerk fördern

Der Digitalbonus Bayern bezuschusst Digitalisierungsvorhaben bayerischer KMU. Voraussetzungen, Varianten, Antragsweg und was Handwerks- und Bauunternehmen damit konkret finanzieren können.

Digitalbonus Bayern: KI- und Digitalisierungsprojekte im Handwerk fördern
Auf den Punkt

Der Digitalbonus Bayern fördert Digitalisierungsvorhaben kleiner und mittlerer Unternehmen mit Betriebsstätte in Bayern – von Hardware und Software über digitale Prozesse bis zur IT-Sicherheit. Es gibt eine Standard- und eine Plus-Variante für umfangreichere Vorhaben. Der Antrag läuft online und muss vor Vorhabensbeginn gestellt werden. Die Mittel werden über monatliche Kontingente vergeben, das Programm ist derzeit bis Ende 2027 terminiert. Für Handwerksbetriebe außerhalb Bayerns gibt es vergleichbare Landesprogramme mit anderen Namen.

Bayerische Handwerks- und Bauunternehmen haben bei der Digitalisierungsförderung einen Vorteil, den viele nicht nutzen: Der Digitalbonus Bayern läuft, während der Bund sein Pendant go-digital Ende 2024 ersatzlos eingestellt hat.

Was gefördert wird

Der Digitalbonus zielt auf die Digitalisierung von Produkten, Dienstleistungen und Prozessen sowie auf die Verbesserung der IT-Sicherheit. Für Handwerk und Bau bedeutet das in der Praxis:

VorhabenTypisches Beispiel im Betrieb
Branchensoftware einführenAblösung von Excel-Kalkulation und Papierakte
Mobile Erfassung auf der BaustelleTablets mit Anbindung an die Bürosoftware
Dokumentenmanagementdigitale Ablage statt Ordnerwand, Volltextsuche
Digitale ZeiterfassungAblösung des Papier-Stundenzettels
Schnittstellen und AnbindungenKalkulation, Buchhaltung und Lohn verbinden
IT-SicherheitBackup-Konzept, Zwei-Faktor-Authentifizierung, Firewall

Der gemeinsame Nenner: Es geht um Investitionen mit Substanz, nicht um laufende Betriebskosten. Ein monatliches Abo ohne Investitionscharakter ist ein Grenzfall, den man vorher klären sollte.

Die zwei Varianten

Das Programm kennt eine Standardvariante für kleinere Vorhaben und eine Plus-Variante für umfangreichere Digitalisierungsprojekte mit höherem Investitionsvolumen. Fördersätze, Höchstbeträge und Mindestinvestitionen unterscheiden sich und wurden über die Programmlaufzeit mehrfach angepasst.

Für die konkreten Zahlen gilt dasselbe wie bei allen Förderprogrammen: Nehmen Sie die aktuelle Richtlinie. Übersichten in Ratgeberbeiträgen – auch in diesem – geben den Stand einer Recherche wieder, nicht den Stand der Rechtslage am Tag Ihrer Antragstellung.

Der Antragsweg

Vorbereitung. Vorhaben beschreiben, Angebote einholen, Investitionsvolumen ermitteln. Die Vorhabensbeschreibung ist der Kern des Antrags: Sie muss erkennen lassen, welcher betriebliche Prozess sich wie verändert. Ein Antrag, der nur eine Einkaufsliste enthält, ist schwach.

Antragstellung. Online über das Portal des Programms, vor Vorhabensbeginn. Als Beginn gilt bereits der Abschluss eines Liefer- oder Leistungsvertrags – nicht erst die Lieferung oder Zahlung.

Kontingente beachten. Die Mittel werden in Zeitfenstern freigegeben. In der Vergangenheit waren Kontingente in einzelnen Phasen zügig erschöpft. Praktische Konsequenz: Unterlagen vorher fertigstellen, damit der Antrag am ersten Tag der Antragsphase abgeschickt werden kann.

Bewilligung abwarten. Erst danach bestellen.

Umsetzung und Verwendungsnachweis. Nach Abschluss werden Rechnungen und Zahlungsnachweise eingereicht.

Die drei häufigsten Ablehnungsgründe

Vorzeitiger Vorhabensbeginn. Der Klassiker. Wer die Software schon bestellt hat, weil der Anbieter ein Quartalsende-Angebot gemacht hat, verliert den Zuschuss vollständig.

Unklare Vorhabensbeschreibung. Ein Antrag, der Produkte auflistet, aber keinen Prozess beschreibt, wirkt wie eine Anschaffung ohne Digitalisierungszweck. Beschreiben Sie den Ist-Zustand, den Soll-Zustand und was sich für die Beschäftigten ändert.

Falsche Kostenarten. Laufende Kosten, Wartungsverträge, Verbrauchsmaterial und Schulungen sind je nach Richtlinie nicht oder nur eingeschränkt förderfähig. Trennen Sie das im Angebot sauber – ein Angebot mit einer Sammelposition gefährdet den ganzen Antrag.

Wie sich das mit anderen Programmen verzahnt

Der Digitalbonus fördert die Anschaffung. Die Arbeit davor und danach fördern andere Töpfe:

PhaseProgramm
Analyse: Was brauchen wir überhaupt?BAFA-Beratungsförderung
Prozess: Wie ändern sich Abläufe?INQA-Coaching
Anschaffung: Software und HardwareDigitalbonus Bayern
Qualifizierung: Wer kann das bedienen?Weiterbildungsförderung

Diese Abfolge ist nicht nur förderrechtlich sauber getrennt, sie ist auch fachlich die richtige Reihenfolge. Betriebe, die mit der Anschaffung beginnen, kaufen erfahrungsgemäß am Bedarf vorbei.

Für Betriebe außerhalb Bayerns

Vergleichbare Landesprogramme existieren in mehreren Bundesländern, unterscheiden sich aber erheblich in Fördersatz, Mindestinvestition, förderfähigen Kosten und Antragsverfahren. Eine bundesweit gültige Aussage lässt sich nicht treffen.

Der verlässliche Weg führt über die Förderdatenbank des Bundes und die Wirtschaftsförderung des jeweiligen Landes. Die Handwerkskammern führen zudem regionale Übersichten und beraten kostenlos – für einen Handwerksbetrieb meist der schnellste Einstieg.

Ein Rechenbeispiel aus der Praxis

Ein Sanitärbetrieb mit achtzehn Mitarbeitern will von Papierakte und Excel auf eine durchgängige Branchensoftware umstellen. Das Vorhaben umfasst:

PositionBetrag
Branchensoftware, Lizenzen für 8 Arbeitsplätze9.400 €
Server-Umstellung und Einrichtung3.200 €
6 Tablets für die Montagekolonnen2.900 €
Datenmigration durch den Anbieter2.400 €
Schulung durch den Softwareanbieter1.800 €
Wartungsvertrag, 12 Monate2.160 €
Summe21.860 €

Entscheidend für den Antrag ist die Trennung der Positionen. Investive Kosten – Software, Hardware, Einrichtung, Migration – gehören in den Antrag. Der Wartungsvertrag als laufende Kosten und die Anbieterschulung sind je nach Richtlinienfassung nicht oder nur eingeschränkt förderfähig.

Wer alles in eine Sammelposition „Digitalisierungspaket” schreiben lässt, riskiert, dass der gesamte Antrag zurückkommt. Die Bitte an den Anbieter, das Angebot nach Kostenarten zu gliedern, kostet einen Anruf und entscheidet über die Bewilligung.

Checkliste vor der Antragstellung

  • Vorhabensbeschreibung liegt vor, beschreibt Ist-Zustand, Soll-Zustand und Prozessveränderung
  • Angebote eingeholt, nach Kostenarten gegliedert, noch nichts unterschrieben
  • Aktuelle Richtlinie gelesen, nicht nur eine Zusammenfassung
  • KMU-Kriterien geprüft, Betriebsstätte in Bayern nachweisbar
  • Antragsphase und Kontingentstart im Kalender
  • Zugangsdaten zum Antragsportal vorhanden und getestet
  • Ansprechpartner im Betrieb benannt, der Rückfragen beantwortet

Der letzte Punkt wird unterschätzt: Rückfragen der Bewilligungsstelle haben Fristen. Wenn der einzige Ansprechpartner drei Wochen auf einer Großbaustelle ist, läuft der Antrag ins Leere.

Was eine gute Vorhabensbeschreibung leistet

Die Vorhabensbeschreibung ist das einzige Feld im Antrag, in dem Sie tatsächlich etwas gestalten können. Sie entscheidet häufiger über die Bewilligung als die Höhe der Investition.

Ein schwacher Text listet auf, was gekauft werden soll. Ein tragfähiger Text beschreibt eine Veränderung. Der Unterschied im Vergleich:

Schwach:

Anschaffung einer Branchensoftware mit acht Lizenzen, Server, sechs Tablets und Datenmigration zur Digitalisierung des Betriebs.

Tragfähig:

Aufträge werden derzeit auf Papier erfasst, in Excel kalkuliert und nach Rückkehr der Monteure ins Büro manuell nacherfasst. Zwischen Aufmaß auf der Baustelle und Rechnungsstellung liegen im Schnitt elf Tage, in denen Angaben dreimal abgetippt werden. Mit dem Vorhaben wird die Erfassung an den Ort der Leistung verlagert: Die Monteure erfassen Aufmaß und Leistungsnachweis mobil, die Daten laufen ohne Zwischenschritt in Kalkulation und Rechnungsstellung. Erwartete Wirkung: Wegfall der Doppelerfassung, Verkürzung der Zeit bis zur Rechnungsstellung, Reduzierung von Übertragungsfehlern.

Der zweite Text nennt dieselben Anschaffungen – aber er zeigt, dass ein Prozess digitalisiert wird und nicht nur Hardware ersetzt. Genau das ist der Förderzweck.

Nach der Bewilligung

Mit dem Bescheid ist die Arbeit nicht vorbei. Drei Punkte führen im Verwendungsnachweis regelmäßig zu Nachfragen:

Abweichungen vom Antrag. Wenn statt sechs Tablets acht angeschafft werden oder der Anbieter wechselt, ist das nicht automatisch schädlich – es muss aber gemeldet und meist vorab genehmigt werden. Eine stillschweigende Änderung fällt beim Nachweis auf.

Zahlungsnachweise. Gefordert sind in der Regel Rechnung und Zahlungsbeleg. Barzahlungen und Verrechnungen sind problematisch. Zahlen Sie per Überweisung vom Geschäftskonto.

Fristen. Der Bewilligungszeitraum ist verbindlich. Wer die Umsetzung verzögert, muss rechtzeitig eine Verlängerung beantragen – nachträglich ist das nicht heilbar.

Rechnen Sie für den Verwendungsnachweis mit zwei bis drei Stunden. Wer die Belege während der Umsetzung in einem eigenen Ordner sammelt, statt sie am Ende zusammenzusuchen, halbiert diesen Aufwand.

Fazit

Der Digitalbonus Bayern ist für bayerische Handwerks- und Bauunternehmen ein zugänglicher Weg, Digitalisierungsinvestitionen zu bezuschussen – und derzeit einer der wenigen, die Anschaffungen und nicht nur Beratung fördern.

Die zwei Regeln, an denen alles hängt: Antrag vor der Bestellung, und eine Vorhabensbeschreibung, die einen Prozess beschreibt statt eine Einkaufsliste. Wer beides beachtet und die Kontingentphasen im Blick behält, hat gute Chancen.

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FAQ

Häufige Fragen

Wer kann den Digitalbonus Bayern beantragen?
Kleine und mittlere Unternehmen mit Betriebsstätte oder Niederlassung in Bayern. Die Beschäftigtenobergrenze und weitere Voraussetzungen stehen in der aktuellen Richtlinie. Handwerks- und Bauunternehmen sind ausdrücklich antragsberechtigt, sofern sie die KMU-Kriterien erfüllen.
Was kann konkret gefördert werden?
Hardware und Software zur Digitalisierung von Prozessen, die Einführung oder Verbesserung von IT-Sicherheit sowie damit verbundene Dienstleistungen. Für Handwerksbetriebe typisch: Branchensoftware, mobile Endgeräte für die Baustelle, Dokumentenmanagement, digitale Zeiterfassung oder die Anbindung von Systemen untereinander.
Muss der Antrag vor dem Kauf gestellt werden?
Ja. Ein vorzeitiger Vorhabensbeginn führt zur Ablehnung. Als Beginn gilt in der Regel bereits der Abschluss eines Liefer- oder Leistungsvertrags. Angebote einholen ist unschädlich, bestellen nicht.
Wie läuft die Mittelvergabe?
Die Mittel werden über Kontingente vergeben, die in festgelegten Zeitfenstern freigeschaltet werden. In der Vergangenheit waren Kontingente teilweise schnell erschöpft. Wer das Programm nutzen will, sollte die Antragsphasen im Blick behalten und die Unterlagen vorher fertig haben.
Gibt es das auch in anderen Bundesländern?
Ja, unter anderen Namen und mit anderen Bedingungen – etwa die Digitalisierungsprämie Plus in Baden-Württemberg oder vergleichbare Programme weiterer Länder. Die Ausgestaltung unterscheidet sich erheblich bei Fördersatz, Mindestinvestition und förderfähigen Kosten. Ein Blick in die jeweilige Landesrichtlinie ist unerlässlich.
Kann ich damit auch KI-Software finanzieren?
Software zur Digitalisierung von Geschäftsprozessen ist grundsätzlich förderfähig, und KI-gestützte Anwendungen fallen darunter, wenn sie einen betrieblichen Prozess digitalisieren oder verbessern. Reine Abonnements ohne Investitionscharakter können problematisch sein – klären Sie das vor Antragstellung anhand der Richtlinie.

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