Glossar

As-built-Dokumentation

Die As-built-Dokumentation bildet den tatsächlich gebauten Zustand ab, nicht den geplanten, und ist Grundlage für Betrieb, Wartung und spätere Umbauten eines Gebäudes.

As-built bedeutet wörtlich “wie gebaut”. Die As-built-Dokumentation hält fest, wie ein Bauwerk am Ende der Ausführung tatsächlich aussieht: mit allen Planänderungen, abweichenden Leitungsführungen, ausgetauschten Fabrikaten und Ergänzungen, die während der Bauzeit entstanden sind. Sie unterscheidet sich damit vom Planstand, der bei Baubeginn galt.

Für ausführende Betriebe ist sie der Abschluss der eigenen Leistung. Der Elektriker vermerkt, wo die Leitungen wirklich liegen, der Heizungsbauer, welches Fabrikat mit welcher Leistung eingebaut wurde, der Trockenbauer, wo Revisionsöffnungen sitzen. Fehlt diese Dokumentation, wird jede spätere Sanierung zur Suche: Wände werden aufgestemmt, um Leitungen zu finden, die in einem sauberen Bestandsplan dokumentiert wären. Für den Betreiber ist die As-built-Dokumentation Grundlage von Wartung, Prüffristen und Gewährleistungsverfolgung, für den Betrieb ein Argument bei Folgeaufträgen.

Typische Bestandteile sind korrigierte Pläne, Datenblätter der eingebauten Produkte, Prüf- und Inbetriebnahmeprotokolle, Bedienungsanleitungen und Fotos von Installationen vor dem Verschließen. Vertraglich wird der Umfang meist im Leistungsverzeichnis geregelt.

Zu klären ist der Umfang, weil er den Aufwand erheblich bestimmt. Eine handschriftlich in Papierpläne eingetragene Änderung ist etwas anderes als ein nachgeführtes Modell mit Bauteileigenschaften. Wird im Leistungsverzeichnis nur allgemein eine Bestandsdokumentation gefordert, sollte der Betrieb vor Angebotsabgabe klären, welches Ergebnis erwartet wird, und die Leistung entsprechend kalkulieren.

Eine typische Fehlerquelle ist die verspätete Erfassung von Änderungen. Wird eine Leitungsführung während der Ausführung geändert und die Änderung erst am Bauende erinnert, entstehen Pläne, die den gebauten Zustand nur ungefähr abbilden. Solche Unterlagen sind schlechter als keine, weil sich der Betreiber auf sie verlässt und im Schadensfall auf sie beruft.

Bezug zur Digitalisierung

Digital erstellte As-built-Unterlagen entstehen laufend, nicht erst am Bauende. Fotos vor der Verdeckung, gescannte Datenblätter und markierte Planänderungen werden während der Ausführung in einer digitalen Bauakte abgelegt und am Schluss zu einem Paket zusammengestellt. Bei modellbasiertem Arbeiten wird das Planungsmodell nachgeführt, sodass am Ende ein Bestandsmodell steht.

Laserscans und Fotogrammetrie liefern den gebauten Zustand als Punktwolke. Aus dieser lassen sich Bauteile ableiten und mit dem Planungsmodell vergleichen; Abweichungen werden sichtbar, ohne dass jemand nachmessen muss. KI-gestützte Verfahren erkennen dabei Bauteiltypen in der Punktwolke und ordnen Fotos automatisch dem betroffenen Raum zu.

Ein Beispiel aus dem SHK-Bereich: Bei einer Heizungsanlage gehören zur Dokumentation Anlagenschema, hydraulischer Abgleich, Reglereinstellungen, Fabrikate mit Seriennummern und die Lage der Absperrarmaturen. Fehlt die Lage der Armaturen, sucht der Wartungsmonteur beim ersten Einsatz die halbe Anlage ab.

Praktischer Hinweis: Klären Sie zu Baubeginn, in welchem Format und Umfang die As-built-Dokumentation geschuldet ist. Nachträglich lässt sich verdeckte Bausubstanz nicht mehr dokumentieren, und die Zusammenstellung am Bauende kostet ein Vielfaches der laufenden Erfassung.

FAQ

Häufige Fragen zu As-built-Dokumentation

Bin ich als ausführender Betrieb dazu verpflichtet?
Die Pflicht folgt aus dem Vertrag, meist aus einer Position im Leistungsverzeichnis oder aus den Besonderen Vertragsbedingungen. Ist dort nur allgemein eine Bestandsdokumentation genannt, sollte der geschuldete Umfang vor Angebotsabgabe schriftlich geklärt werden. Welche darüber hinausgehenden Nachweispflichten gelten, ergibt sich aus der jeweils geltenden Regelung und ist projektbezogen zu prüfen.
Wie kalkuliere ich den Aufwand dafür?
Der Aufwand hängt fast vollständig am geforderten Ergebnis. Handschriftlich korrigierte Papierpläne sind eine Größenordnung, ein nachgeführtes Modell mit Bauteileigenschaften eine andere. Sinnvoll ist, die Dokumentation als eigene Position mit benanntem Format und Lieferzeitpunkt anzubieten, statt sie in den Einheitspreisen der Ausführung verschwinden zu lassen. Hilfreich ist zudem, den Aufwand aus einem vergleichbaren abgeschlossenen Projekt abzuleiten, statt ihn frei zu schätzen.
Was ist der Unterschied zu Revisionsunterlagen?
Revisionsunterlagen sind die Zusammenstellung, die der Betreiber für Betrieb, Wartung und Prüfung benötigt: Schemata, Datenblätter, Protokolle, Anleitungen. Die As-built-Dokumentation ist der Nachweis des tatsächlich gebauten Zustands und bildet den planerischen Kern dieser Zusammenstellung. In der Praxis werden beide oft im selben Übergabepaket geliefert, sind vertraglich aber getrennt zu betrachten.
Wie lange muss die Dokumentation aufbewahrt werden?
Für den Betrieb ist die Aufbewahrung vor allem im Hinblick auf Gewährleistung und spätere Nachweise sinnvoll, für den Betreiber dauerhaft. Welche gesetzlichen Aufbewahrungsfristen gelten, ergibt sich aus der jeweils geltenden Regelung und ist im Einzelfall zu prüfen. Eine eigene digitale Ablage je Objekt ist einfacher als die Suche in Projektordnern.

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