Gerüstfreigabe digital
Die digitale Gerüstfreigabe dokumentiert die Übergabe eines geprüften Gerüsts an den Nutzer per App und ersetzt Freigabescheine und Kennzeichnungen auf Papier.
Ein Gerüst darf erst genutzt werden, wenn es aufgebaut, geprüft und für die Nutzung freigegeben ist. Die Freigabe ist die dokumentierte Übergabe vom errichtenden Betrieb an den Nutzer. Sie hält fest, welches Gerüst an welchem Objekt in welchem Umfang und für welche Nutzungsart freigegeben wird, wer geprüft hat und wann. Am Gerüst selbst wird das üblicherweise durch eine Kennzeichnung sichtbar gemacht.
Die Freigabe ist ein Haftungsübergang. Ab diesem Zeitpunkt nutzt ein anderes Gewerk das Gerüst, und Veränderungen daran – ein entfernter Seitenschutz, ein versetzter Belag, eine abgebaute Verankerung – sind unzulässig, ohne dass der Gerüstbauer sie freigibt. Welche Prüfungen in welchem Umfang durch wen zu erfolgen haben und welche Anforderungen an die Kennzeichnung bestehen, ergibt sich aus den einschlägigen Regelwerken und ist im Einzelfall zu prüfen.
Betroffen sind alle Gewerke, die auf dem Gerüst arbeiten, insbesondere Dachdecker, Maler, Stuckateure und Klempner, die vor Nutzungsbeginn ihrerseits eine Inaugenscheinnahme vorzunehmen haben.
Bezug zur Digitalisierung
Auf Papier ist die Freigabe schwach dokumentiert. Ein Schein wird ausgefüllt, jemand unterschreibt, das Blatt verschwindet. Wenn Wochen später eine Verankerung fehlt und niemand weiß, wer sie entfernt hat, gibt es keine Historie – nur den Freigabeschein vom ersten Tag.
Digital entsteht eine nachvollziehbare Kette. Die Freigabe wird in einer App erzeugt, mit Fotos des Aufbaus belegt und vom Nutzer digital gegengezeichnet, häufig durch Scannen eines Codes am Gerüst. Jede spätere Änderung, Zwischenprüfung oder Nutzungsunterbrechung wird demselben Objekt zugeordnet, sodass der Zustandsverlauf dokumentiert ist. Der Code am Gerüst ersetzt dabei die Kennzeichnung durch etwas, das jeder Nutzer mit dem eigenen Telefon abrufen kann – inklusive der zulässigen Lastklasse und der Einschränkungen.
Automatisierung setzt bei den Folgeprozessen an. Aus der Freigabe entstehen ohne Zusatzaufwand der Fristenplan für wiederkehrende Prüfungen, der Anstoß für die Mietabrechnung nach Standzeit und die Benachrichtigung der nachfolgenden Gewerke, dass die Fläche verfügbar ist. Sprachmodelle können aus Fotos und einer kurzen Notiz die Einschränkungen formuliert in den Freigabetext übernehmen.
Ein praktischer Hinweis: Der Nutzen hängt davon ab, ob die anderen Gewerke mitmachen. Eine digitale Freigabe, die nur der Gerüstbauer führt, dokumentiert die Übergabe – aber nicht das, was danach am Gerüst passiert. Genau dort entstehen die Streitfälle.
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Häufige Fragen zu Gerüstfreigabe digital
Was ändert sich mit der Freigabe für die anderen Gewerke?
Was bringt der Code am Gerüst?
Was ist der Nachteil des Freigabescheins auf Papier?
Welche Folgeprozesse lassen sich daran hängen?
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