Glossar

Modellkoordination

Modellkoordination bezeichnet das regelmäßige Zusammenführen und Abgleichen der Fachmodelle unterschiedlicher Gewerke innerhalb eines BIM-Projekts.

Modellkoordination bezeichnet den Prozess, die einzelnen Fachmodelle eines Bauprojekts, etwa von Architektur, Tragwerksplanung und Haustechnik, regelmäßig zusammenzuführen und gegeneinander abzugleichen. Ziel ist, Widersprüche und Konflikte zwischen den Gewerken frühzeitig zu erkennen, bevor sie auf der Baustelle zu Verzögerungen oder Nacharbeit führen. Die Modellkoordination ist damit ein zentraler organisatorischer Bestandteil dessen, was im Projekt oft als Big BIM bezeichnet wird, also die gewerkeübergreifende Zusammenarbeit an einem Gesamtmodell.

Für Handwerksbetriebe, die Fachmodelle für ihr Gewerk liefern, bedeutet Modellkoordination meist die Teilnahme an regelmäßigen Koordinationsbesprechungen, in denen das zusammengeführte Modell gemeinsam durchgesehen wird. Ein Heizungsbauer erfährt dort beispielsweise, ob seine geplante Leitungsführung mit anderen Gewerken kollidiert und angepasst werden muss.

Bei größeren Projekten mit vielen beteiligten Gewerken finden Koordinationstermine häufig in festen Abständen statt, etwa wöchentlich oder alle zwei Wochen. Für die beteiligten Handwerksbetriebe bedeutet das einen wiederkehrenden organisatorischen Aufwand, der sich mit klar zugewiesenen Zuständigkeiten im eigenen Betrieb deutlich reduzieren lässt.

Zu klären ist vorab, wer die Koordination führt und welche Modellanforderungen gelten. Dazu gehören der Lieferrhythmus, das auszutauschende Format, das gemeinsame Koordinatensystem und die Benennung der Bauteile. Werden diese Punkte nicht vor Projektbeginn festgelegt, entstehen bei jeder Zusammenführung Abweichungen, die als Kollisionen erscheinen, tatsächlich aber nur unterschiedliche Modellierungskonventionen sind.

Bezug zur Digitalisierung

Kern der Modellkoordination ist häufig die Kollisionsprüfung, bei der das zusammengeführte Modell automatisiert auf räumliche Überschneidungen untersucht wird. Gefundene Konflikte werden meist über das Format der BCF-Kommunikation dokumentiert und an die zuständige Fachdisziplin weitergegeben, damit diese gezielt reagieren kann, statt das gesamte Modell erneut durchsuchen zu müssen.

Damit die Modellkoordination funktioniert, benötigen alle Beteiligten Zugriff auf aktuelle Modellstände, was üblicherweise über eine Common Data Environment organisiert wird. Wird ein Modell nicht regelmäßig aktualisiert oder bereitgestellt, verliert die Koordination schnell an Wert, weil Entscheidungen dann auf veralteten Daten beruhen.

Für die Qualität der Koordination ist zudem wichtig, dass alle gelieferten Fachmodelle einen vergleichbaren Detailgrad aufweisen. Ein sehr grob modelliertes Gewerk neben einem hochdetaillierten Modell erschwert die Beurteilung, ob eine gefundene Überschneidung tatsächlich relevant ist oder nur auf ungenauer Modellierung beruht.

Handwerksbetriebe, die an der Modellkoordination beteiligt sind, sollten ihre Fachmodelle in dem vereinbarten Rhythmus liefern und Änderungen zeitnah kommunizieren. Verspätete oder unvollständige Modellabgaben verzögern nicht nur die eigene Abstimmung, sondern erschweren die Koordination für das gesamte Projektteam.

Für den ausführenden Betrieb ist außerdem wichtig, dass die Teilnahme an der Koordination Aufwand bedeutet, der kalkuliert sein sollte. Modellpflege, Teilnahme an Terminen und die Bearbeitung von Konfliktmeldungen sind Leistungen, die in einem klassischen Angebot nicht enthalten sind. Werden sie vertraglich nicht benannt, entsteht ein unvergüteter Zusatzaufwand über die gesamte Projektlaufzeit.

Wer regelmäßig an Koordinationsterminen teilnimmt, sollte offene Punkte aus vorherigen Sitzungen konsequent nachverfolgen, statt sie bis zum nächsten Termin unbearbeitet liegen zu lassen. So bleibt die Zahl ungelöster Konflikte über den Projektverlauf hinweg überschaubar.

FAQ

Häufige Fragen zu Modellkoordination

Was ist der Unterschied zur Kollisionsprüfung?
Die Kollisionsprüfung ist der maschinelle Schritt, der räumliche Überschneidungen im zusammengeführten Modell findet. Die Modellkoordination ist der organisatorische Rahmen darum: Wer liefert wann in welchem Format, wer bewertet die Funde, wer entscheidet über die Lösung und wie wird die Erledigung nachgehalten. Eine Kollisionsprüfung ohne diesen Rahmen erzeugt Listen, die niemand abarbeitet.
Welche Software brauche ich als ausführender Betrieb?
Zum Mitwirken genügt meist ein Betrachter für das vereinbarte Austauschformat und ein Werkzeug zum Lesen und Beantworten der Konfliktmeldungen. Eine eigene Koordinationssoftware braucht nur, wer selbst zusammenführt. Wichtiger als das Programm ist, dass Ihr Fachmodell im vereinbarten Format, im gemeinsamen Koordinatensystem und mit den abgestimmten Bauteilbenennungen abgegeben wird.
Was mache ich, wenn eine gemeldete Kollision gar keine ist?
Solche Meldungen entstehen regelmäßig durch unterschiedliche Detailgrade oder Modellierungskonventionen, etwa bei Dämmschichten, Toleranzen oder Montageräumen. Antworten Sie im vorgesehenen Meldeformat mit einer kurzen Begründung statt den Punkt zu ignorieren, sonst taucht er in jeder Folgeprüfung erneut auf. Häufen sich solche Fälle, gehört die zugrunde liegende Konvention im Koordinationstermin geklärt.
Wie bereite ich mich auf einen Koordinationstermin vor?
Sichten Sie vorab die offenen Punkte zu Ihrem Gewerk und klären Sie, welche davon Sie selbst lösen können und welche eine Entscheidung anderer brauchen. Benennen Sie im Betrieb eine feste Person mit Vertretung, damit der Kenntnisstand nicht bei jedem Termin neu aufgebaut wird. Der Aufwand für Teilnahme und Modellpflege sollte im Angebot benannt sein.

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