Glossar

RAG (Retrieval-Augmented Generation)

RAG ist ein Verfahren, bei dem eine KI vor der Antwort gezielt in vorgegebenen Dokumenten nachschlägt und nur auf dieser Grundlage antwortet, statt sich allein auf ihr Trainingswissen zu verlassen.

RAG steht für Retrieval-Augmented Generation, sinngemäß übersetzt eine Texterzeugung, die durch Nachschlagen ergänzt wird. Das Verfahren verbindet ein Sprachmodell mit einer eigenen Wissensquelle. Bevor die KI antwortet, sucht sie zuerst in vorgegebenen Dokumenten nach passenden Stellen und nutzt nur diese als Grundlage für ihre Antwort.

Entscheidend für die Qualität ist die Aufbereitung der hinterlegten Unterlagen. Ein Bestand aus gescannten PDF-Dateien ohne erkannten Text liefert keine brauchbaren Fundstellen, weil das System darin nicht suchen kann. Ebenso problematisch sind mehrere Fassungen desselben Dokuments: Findet das System eine veraltete Preisliste, formuliert es eine überzeugend klingende Antwort auf falscher Grundlage. Vor dem Einsatz steht deshalb das Aufräumen des Dokumentenbestands, nicht die Auswahl des Modells.

Ebenso wichtig ist die Angabe der Quelle. Eine Antwort ohne Verweis auf das zugrunde liegende Dokument lässt sich nicht überprüfen. Nützlich wird das Verfahren erst, wenn zu jeder Aussage die Fundstelle mitgeliefert wird und der Nutzer sie im Zweifel selbst nachlesen kann.

Warum Nachschlagen die Antworten verbessert

Ein reines Large Language Model antwortet aus dem, was es beim Training gelernt hat. Es kennt weder Ihre Preise noch Ihre Bauakten und neigt bei Wissenslücken zur Halluzination. RAG schließt diese Lücke. Sie hinterlegen eigene Unterlagen, etwa Leistungsverzeichnisse, technische Datenblätter oder häufige Kundenfragen. Bei einer Anfrage holt sich das System die passenden Abschnitte heraus und formuliert die Antwort streng auf dieser Basis.

Der Vorteil: Die Antworten sind aktueller, betriebsspezifisch und deutlich weniger anfällig für Erfindungen, weil sie sich auf echte Dokumente stützen.

Was das fürs Handwerk bedeutet

Für Handwerks- und Baubetriebe macht RAG KI erst richtig brauchbar, weil sie damit auf das eigene Wissen zugreift. Ein Chatbot auf Ihrer Website kann mit RAG verlässlich Auskunft über Ihre konkreten Leistungen, Liefergebiete und typischen Abläufe geben, statt allgemeine Floskeln zu liefern. Auch intern ist das nützlich: Mitarbeiter fragen in normaler Sprache nach einer Angabe aus einem technischen Datenblatt und bekommen die passende Stelle, ohne lange zu blättern.

Ein Beispiel: Ein SHK-Betrieb hinterlegt seine Wartungsanleitungen und Herstellerunterlagen. Ein Monteur fragt von der Baustelle aus nach einem bestimmten Einstellwert und erhält die Antwort direkt aus dem eigenen Dokumentenbestand.

Zu klären ist außerdem die Zugriffsberechtigung. Ein System, das den gesamten Dokumentenbestand durchsucht, kann Inhalte sichtbar machen, die nur für bestimmte Personen bestimmt sind, etwa Kalkulationen, Personalunterlagen oder Konditionen einzelner Kunden. Die Rechte des Dokumentenmanagements müssen deshalb auch für die Suche gelten, sonst entsteht über die Antwortfunktion ein Zugang, den es zuvor nicht gab.

Damit wird ein KI-Chatbot im Handwerk von einem netten Spielzeug zu einem echten Werkzeug. Wie sich solche Lösungen sauber aufsetzen lassen, klären wir im Rahmen einer KI-Automatisierung für das Handwerk.

FAQ

Häufige Fragen zu RAG (Retrieval-Augmented Generation)

Muss ich dafür ein eigenes Modell trainieren?
Nein, und genau das ist der Vorteil des Verfahrens. Die Unterlagen bleiben außerhalb des Modells und werden zur Laufzeit durchsucht. Neue oder geänderte Dokumente wirken dadurch sofort, ohne dass etwas neu trainiert werden muss. Ein Feintuning verändert dagegen das Modell selbst, ist aufwendig und für sich ändernde Betriebsdaten wie Preise und Leistungsverzeichnisse ungeeignet.
Ab welchem Dokumentenbestand lohnt sich das?
Die Menge ist weniger entscheidend als die Häufigkeit der Fragen und der Aufwand, sie heute zu beantworten. Wenn Monteure regelmäßig im Büro anrufen, um eine Angabe aus einem Datenblatt zu erfragen, lohnt es sich schon bei wenigen hundert Dokumenten. Bei selten genutzten Unterlagen bringt auch ein großer Bestand wenig, weil der eingesparte Aufwand fehlt.
Was tue ich, wenn die Antworten falsch sind?
Zuerst prüfen, an welcher Stelle der Fehler entsteht. Wurde die richtige Fundstelle gefunden, aber falsch wiedergegeben, liegt es an der Formulierungsstufe. Wurde die falsche Stelle geliefert, liegt es an der Suche oder am Dokumentenbestand, etwa an mehreren Fassungen desselben Dokuments. Deshalb ist die Quellenangabe unverzichtbar: Ohne sie lässt sich diese Unterscheidung gar nicht treffen.
Bleiben meine Unterlagen dabei vertraulich?
Das hängt vom Anbieter ab. Zu klären sind vor der Einführung: wo die Dokumente und die daraus erzeugten Suchdaten gespeichert werden, wer darauf Zugriff hat und ob Inhalte für das Training verwendet werden. Da bei der Aufbereitung der gesamte Bestand einmal durch den Dienst läuft, ist die Datenmenge größer als bei einer einzelnen Anfrage und die Klärung entsprechend wichtiger.

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