Glossar

Anwendungsfall

Ein Anwendungsfall beschreibt eine konkrete, abgegrenzte Aufgabe im Betrieb, für die ein digitales Werkzeug oder eine KI-Funktion eingesetzt wird, samt Auslöser, Ablauf und erwartetem Ergebnis.

Ein Anwendungsfall, oft auch Use Case genannt, ist die Beschreibung einer einzelnen Aufgabe, die mit einem Werkzeug gelöst werden soll. Er benennt den Auslöser, die beteiligten Personen, den Ablauf und das Ergebnis. Anwendungsfälle sind bewusst eng geschnitten: nicht “Digitalisierung der Verwaltung”, sondern “eingehende Lieferscheine erfassen und der richtigen Baustelle zuordnen”.

Diese Schärfe ist der eigentliche Nutzen. Betriebe, die ein Werkzeug einführen, ohne den Anwendungsfall festzulegen, können hinterher nicht beurteilen, ob es sich gelohnt hat. Ein sauber beschriebener Anwendungsfall enthält dagegen eine überprüfbare Aussage: Wie lange dauert die Aufgabe heute, wie oft fällt sie an, wer erledigt sie, und woran erkennt man, dass das Ergebnis gut genug ist. Im Handwerk lassen sich die meisten Anwendungsfälle einem von wenigen Bereichen zuordnen: Angebot und Kalkulation, Baustellendokumentation, Rechnungswesen, Kundenkommunikation, Personal.

Hilfreich ist, jeden Anwendungsfall mit einem Abbruchkriterium zu versehen. Bleibt die erwartete Wirkung nach einer festgelegten Erprobungszeit aus, wird das Vorhaben beendet statt stillschweigend weitergeführt. Ohne diese Festlegung sammeln sich im Betrieb Werkzeuge an, die niemand mehr benutzt, für die aber weiterhin Gebühren anfallen. Ebenso lohnt es, den Anwendungsfall aus Sicht der Person zu beschreiben, die ihn später ausführt, also aus Sicht der Bauleitung oder des Büros, nicht aus Sicht der Technik.

Wo KI ansetzt

Für KI-Werkzeuge eignen sich Anwendungsfälle mit drei Eigenschaften: Die Aufgabe wiederholt sich, sie besteht überwiegend aus Text-, Sprach- oder Bildverarbeitung, und ein Mensch kann das Ergebnis in kurzer Zeit prüfen. Das Diktat eines Bautagebuchs erfüllt alle drei Punkte, die Entscheidung über einen Nachtrag keinen davon. Welche Aufgaben sich eignen und welche nicht, ist unter Aufgaben mit hohem KI-Nutzen und Aufgaben ohne KI-Eignung näher beschrieben.

Sinnvoll ist es, Anwendungsfälle zunächst zu sammeln und erst danach zu bewerten. Eine Liste mit fünfzehn Punkten aus dem Betriebsalltag ist eine bessere Grundlage als ein einzelner Vorschlag aus einer Softwarepräsentation. Die Bewertung erfolgt dann über Häufigkeit, Zeitaufwand und Fehleranfälligkeit, siehe Use-Case-Priorisierung.

Ein Anwendungsfall sollte schriftlich festgehalten werden, auch wenn es nur eine halbe Seite ist. Diese halbe Seite ist später die Grundlage dafür, ein KI-Pilotprojekt zu bewerten und gegenüber Mitarbeitenden und Geschäftsführung zu begründen, warum ein Werkzeug bleibt oder wieder abgeschafft wird. Wichtig ist, die Beschreibung knapp zu halten, damit sie im Betrieb tatsächlich gelesen und nicht als weiteres Dokument abgelegt und vergessen wird.

FAQ

Häufige Fragen zu Anwendungsfall

Was ist der Unterschied zwischen Anwendungsfall und Prozess?
Ein Prozess beschreibt einen durchgehenden Ablauf über mehrere Stationen, etwa von der Anfrage bis zur Schlussrechnung. Ein Anwendungsfall greift daraus einen einzelnen Schritt heraus, der sich eigenständig verbessern und messen lässt. Wer ganze Prozesse auf einmal umstellen will, verliert die Möglichkeit, Wirkung einer Änderung eindeutig zuzuordnen.
Wie viele Anwendungsfälle sollte ein Betrieb gleichzeitig verfolgen?
Entscheidend ist nicht die Zahl, sondern die verfügbare Aufmerksamkeit. Jeder laufende Anwendungsfall braucht eine zuständige Person, die Rückfragen beantwortet und das Ergebnis bewertet. In kleinen Betrieben ist das meist dieselbe Person. Werden mehrere Vorhaben parallel gestartet, endet keines mit einer belastbaren Bewertung. Sinnvoller ist, ein Vorhaben abzuschließen und zu bewerten, bevor das nächste beginnt, auch wenn das langsamer wirkt.
Wer im Betrieb sollte Anwendungsfälle sammeln?
Am ergiebigsten sind die Personen, die die Aufgabe täglich ausführen: Büro, Bauleitung, Vorarbeiter. Sie kennen die Stellen, an denen doppelt erfasst oder nachtelefoniert wird. Die Geschäftsführung entscheidet anschließend über Reihenfolge und Budget. Wird die Sammlung allein von außen vorgegeben, entstehen Vorhaben, die im Alltag niemand vermisst.
Was mache ich, wenn ein Anwendungsfall im Test scheitert?
Ein abgebrochener Versuch ist kein Fehlschlag, sondern ein Ergebnis, sofern der Grund festgehalten wird. Häufige Gründe sind unpassende Datenlage, zu hoher Prüfaufwand oder fehlende Zuständigkeit. Diese Notiz verhindert, dass dasselbe Vorhaben zwei Jahre später erneut ohne veränderte Voraussetzungen gestartet wird. Sinnvoll ist außerdem festzuhalten, unter welchen veränderten Bedingungen ein erneuter Versuch überhaupt aussichtsreich wäre.

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