Glossar

Claim Management

Claim Management bezeichnet das systematische Erfassen, Bewerten und Durchsetzen von Ansprüchen aus Störungen der Bauausführung.

Claim Management bezeichnet das systematische Erfassen, Bewerten und Durchsetzen oder Abwehren von Ansprüchen, die aus Störungen, Behinderungen und Änderungen während der Bauausführung entstehen. Es umfasst sowohl die eigene Anspruchssicherung als auch die Prüfung von Ansprüchen, die andere am Bau Beteiligte geltend machen, etwa ein Nachunternehmer gegenüber dem beauftragenden Bauunternehmen. Anders als eine einzelne Mehrkostenanzeige oder ein einzelner Nachtrag betrachtet Claim Management den gesamten Projektverlauf und alle darin entstehenden Ansprüche im Zusammenhang.

Für einen Handwerksbetrieb wird Claim Management relevant, wenn er als Nachunternehmer durch Verzögerungen anderer Gewerke betroffen ist. Entstehende Mehrkosten oder ein möglicher Anspruch auf Bauzeitverlängerung müssen systematisch dokumentiert und rechtzeitig geltend gemacht werden, sonst gehen berechtigte Ansprüche im Tagesgeschäft schlicht unter, weil niemand mehr nachvollziehen kann, wann und warum eine Verzögerung entstanden ist. Umgekehrt muss ein Bauunternehmen, das selbst Nachunternehmer beauftragt, deren Ansprüche systematisch prüfen, statt jede eingehende Forderung ungeprüft zu akzeptieren oder pauschal abzulehnen. Ein strukturiertes Claim Management schützt in beide Richtungen: Es sichert eigene berechtigte Ansprüche und verhindert gleichzeitig, dass unberechtigte Forderungen anderer unwidersprochen durchgehen, nur weil eine sachliche Prüfung im Tagesgeschäft unterblieben ist.

Bezug zur Digitalisierung

Digitale Systeme für die Nachtragsdokumentation und ein laufend geführtes digitales Bautagebuch liefern die Grundlage für ein wirksames Claim Management, da Ereignisse zeitnah und nachvollziehbar festgehalten werden, statt erst im Nachhinein aus dem Gedächtnis rekonstruiert zu werden. KI kann aus gesammelten Dokumenten, Notizen und Fotos eine chronologische Übersicht erstellen, die die spätere Begründung eines Anspruchs erleichtert, etwa im Zusammenhang mit einem Bauzeitnachtrag oder einer Mehrkostenanzeige, ohne dass jemand die relevanten Stellen mühsam aus umfangreichen Unterlagen heraussuchen muss.

Professionelles Claim Management beginnt mit der Dokumentation, nicht erst, wenn ein Streit entsteht. Wird ein Anspruch später von der Gegenseite geprüft, siehe Nachtragsprüfung, entscheidet vor allem die Qualität der zugrunde liegenden Aufzeichnungen darüber, ob er sich durchsetzen lässt. Betriebe, die diese Disziplin über mehrere Projekte hinweg konsequent pflegen, verbessern damit ihre Position in praktisch jeder Auseinandersetzung um Mehrkosten oder Bauzeitverlängerung, ohne dass zusätzlicher juristischer Aufwand nötig wäre. Schon ein einfaches, aber konsequent geführtes Protokoll relevanter Ereignisse reicht in vielen Fällen aus, um im Streitfall eine deutlich stärkere Verhandlungsposition zu haben als ein Betrieb, der auf sein Gedächtnis oder verstreute Notizen angewiesen ist.

FAQ

Häufige Fragen zu Claim Management

Ab welcher Projektgröße lohnt sich das?
Weniger die Auftragssumme entscheidet als die Zahl der Schnittstellen. Ein Betrieb, der als Nachunternehmer von Vorleistungen abhängt, braucht die Systematik früher als einer, der allein auf der Baustelle arbeitet. Schon ein einfaches, konsequent geführtes Ereignisprotokoll verbessert die Verhandlungsposition deutlich gegenüber verstreuten Notizen. Sinnvoll ist der Einstieg mit einem Projekt, bei dem viele Gewerke beteiligt sind, weil dort der Nutzen am schnellsten sichtbar wird.
Was ist der Unterschied zum Nachtragsmanagement?
Nachtragsmanagement befasst sich mit geänderten oder zusätzlichen Leistungen und deren Vergütung. Claim Management ist weiter gefasst und schließt Ansprüche aus Behinderung, Bauzeitverlängerung und Störungen des Ablaufs ein, die sich nicht in einer Leistungsposition abbilden lassen. In der Praxis überschneiden sich beide, die Anspruchsgrundlagen unterscheiden sich aber.
Wann muss ich einen Anspruch anmelden?
Grundsätzlich so früh wie möglich und in der im Vertrag vorgesehenen Form, häufig schriftlich und vor Ausführung der betroffenen Leistung. Verspätete Anzeigen sind die häufigste Ursache dafür, dass sachlich berechtigte Ansprüche scheitern. Welche Anzeige- und Formerfordernisse konkret gelten, ergibt sich aus dem Vertrag und der jeweils geltenden Regelung.
Was ist der häufigste Fehler dabei?
Die Rekonstruktion aus dem Gedächtnis nach Projektende. Wer erst bei der Schlussrechnung merkt, dass Mehrkosten entstanden sind, muss Ursache, Zeitpunkt und Umfang nachträglich belegen und scheitert regelmäßig daran. Der zweite häufige Fehler ist die pauschale Anmeldung ohne Bezug zu konkreten Ereignissen, die von der Gegenseite leicht zurückgewiesen wird.

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