Glossar

Schweißnahtdokumentation

Die Schweißnahtdokumentation weist nach, welche Naht von welchem Schweißer nach welcher Anweisung ausgeführt und mit welchem Ergebnis geprüft wurde.

Die Schweißnahtdokumentation ordnet jeder relevanten Naht eines Bauteils die Angaben zu, die ihre Ausführung belegen: die Nahtnummer und ihre Lage im Bauteil, die angewandte Schweißanweisung, den ausführenden Schweißer mit seiner gültigen Qualifikation, den verwendeten Zusatzwerkstoff mit Charge, gegebenenfalls Vorwärm- und Zwischenlagentemperaturen sowie das Ergebnis der Prüfungen – Sichtprüfung und je nach Anforderung zerstörungsfreie Verfahren.

Grundlage ist üblicherweise ein Nahtplan, in dem die Nähte eines Bauteils nummeriert sind. Welche Nachweise in welchem Umfang zu führen sind, welche Prüfumfänge gelten und welche Qualifikationen erforderlich sind, richtet sich nach der Ausführungsklasse und den einschlägigen Regelwerken und ist im Einzelfall zu prüfen.

Betroffen sind Metallbau, Stahlbau und Anlagenbau. Die Dokumentation ist Teil der CE-Dokumentation und im Schadensfall die Grundlage, um Ausführung und Verantwortlichkeit nachzuvollziehen. Nachträglich lässt sich an einer verschliffenen und beschichteten Naht nicht mehr feststellen, wer sie unter welchen Bedingungen geschweißt hat.

Bezug zur Digitalisierung

Auf Papier bedeutet das Formblätter in der Werkstatt, die von Schweißern zwischen zwei Arbeitsgängen ausgefüllt werden – unter Bedingungen, die dafür denkbar ungeeignet sind. Häufig wird gesammelt und am Ende der Woche nachgetragen, was die Zuordnung unsicher macht. Zusätzlich muss laufend geprüft werden, ob die Qualifikation jedes Schweißers noch gültig ist; auf Papier fällt eine abgelaufene Bescheinigung oft erst bei der Überwachung auf.

Digital wird je Auftrag der Nahtplan hinterlegt, und die Zuordnung erfolgt durch Scannen: Der Schweißer identifiziert sich über einen Ausweis, das Bauteil über ein Etikett, die Naht über die Nummer. Der Zusatzwerkstoff wird per Barcode vom Gebinde erfasst. Die Prüfung der Qualifikation läuft dabei automatisch – ist sie abgelaufen, wird die Zuordnung abgelehnt, statt später beanstandet zu werden.

Prüfergebnisse aus Sicht- und zerstörungsfreier Prüfung hängen am selben Datensatz, ebenso Fotos. Aus dem Bestand lässt sich jederzeit ablesen, welche Nähte eines Auftrags noch offen sind – auf Papier ist das eine Rechercheaufgabe.

KI setzt bei Erfassung und Auswertung an. OCR übernimmt Chargenangaben und Zeugnisdaten. Bildauswertung kann bei der Sichtprüfung auffällige Nahtbilder markieren, als Hinweis für den Prüfer. Und über den Bestand hinweg zeigt eine Auswertung, bei welchen Nahtarten, Werkstoffen oder Bedingungen Beanstandungen gehäuft auftreten – eine Grundlage für Schulung und Anpassung der Verfahren.

Der Einstieg gelingt am ehesten über die eindeutige Bauteil- und Nahtkennzeichnung. Ohne sie bleibt jede Digitalisierung eine Sammlung von Formularen ohne belastbaren Bezug.

FAQ

Häufige Fragen zu Schweißnahtdokumentation

Warum lässt sich das nicht nachträglich erstellen?
Weil an einer verschliffenen und beschichteten Naht nicht mehr feststellbar ist, wer sie unter welchen Bedingungen geschweißt hat. Die Dokumentation muss deshalb während der Fertigung entstehen. Nachträglich erstellte Aufzeichnungen sind im Schadensfall angreifbar, weil ihre Entstehung sich nicht mehr belegen lässt.
Welcher Umfang ist gefordert?
Welche Nachweise in welchem Umfang zu führen sind, welche Prüfumfänge gelten und welche Qualifikationen erforderlich sind, richtet sich nach der Ausführungsklasse und den einschlägigen Regelwerken und ist im Einzelfall zu prüfen. Der Umfang unterscheidet sich zwischen einfachen Konstruktionen und sicherheitsrelevanten Tragwerken erheblich.
Wozu dient die Dokumentation außer der Prüfung?
Sie ist Teil der CE-Dokumentation und im Schadensfall die Grundlage, um Ausführung und Verantwortlichkeit nachzuvollziehen. Zusätzlich hilft sie im Betrieb bei der Rückverfolgung, wenn ein Zusatzwerkstoff einer bestimmten Charge auffällig wird und geprüft werden muss, welche Bauteile davon betroffen sind. Diese Rückverfolgbarkeit ist im Schadensfall häufig entscheidend.
Was ändert die digitale Erfassung?
Auf Papier bedeutet die Dokumentation Formblätter in der Werkstatt, die zwischen zwei Arbeitsgängen ausgefüllt und später abgetippt werden. Digital lassen sich Nahtplan, Schweißerqualifikation und Chargen hinterlegen und je Naht mit wenigen Eingaben abrufen, wodurch Übertragungsfehler und unvollständige Formblätter weitgehend entfallen. Die Nachweise sind damit unmittelbar nach der Fertigung vollständig.

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