Glossar

3D-Aufmaß

Beim 3D-Aufmaß wird ein Raum oder Bauteil räumlich erfasst, etwa per Laserscan oder Fotogrammetrie, und liefert Maße, Flächen und Volumen aus einem Datensatz.

Beim 3D-Aufmaß wird die Geometrie eines Raums, einer Fassade oder eines Bauteils vollständig räumlich erfasst statt über Einzelmaße. Verbreitete Verfahren sind der Laserscan mit stationärem oder mobilem Scanner, die Erfassung mit Tiefensensoren in Tablets und Smartphones sowie die Fotogrammetrie, die aus Bildserien ein räumliches Modell rechnet. Ergebnis ist zunächst eine Punktwolke, aus der sich Maße, Flächen und Volumen ableiten lassen.

Der praktische Vorteil liegt in der Nachträglichkeit. Beim klassischen Aufmaß muss vor Ort feststehen, welche Maße gebraucht werden; fehlt eines, ist eine zweite Anfahrt nötig. Ein Scan enthält dagegen die gesamte Geometrie, und weitere Maße lassen sich am Bildschirm entnehmen. Für Betriebe mit weiten Anfahrten oder schwer zugänglichen Objekten ist das der eigentliche Nutzen.

Besonders geeignet ist das Verfahren im Bestand: verzogene Wände, schiefe Decken, historische Gebäude. Dort weichen die tatsächlichen Maße regelmäßig von den Plänen ab, und genau diese Abweichungen erzeugen bei Fertigteilen, Treppen, Fenstern oder Möbeleinbauten teure Nacharbeit.

Wo KI ansetzt

Die Rohdaten sind ohne Aufbereitung wenig nutzbar. KI-gestützte Auswertung erkennt in der Punktwolke Ebenen, Wände, Öffnungen und Bauteile und erzeugt daraus ein bearbeitbares Modell oder Grundrisse. Was früher tagelange manuelle Modellierung war, läuft damit weitgehend automatisch.

Anschließend lassen sich Mengen direkt ableiten: Wandflächen abzüglich Öffnungen, Bodenflächen, Volumen. Für die Abrechnung ist dabei zu beachten, dass die geometrisch gemessene Fläche nicht der abrechenbaren Fläche entspricht. Welche Öffnungen abgezogen und welche Flächen übermessen werden, regelt die VOB/C gewerkeweise unterschiedlich; das Aufmaß nach VOB folgt deshalb eigenen Regeln, die im Modell hinterlegt werden müssen.

Praktischer Hinweis: Prüfen Sie vor der Anschaffung, ob die erzeugten Daten in Ihre Kalkulationssoftware übernommen werden können. Ein Scan, dessen Ergebnis am Ende doch von Hand in das Leistungsverzeichnis übertragen wird, spart keine Zeit.

Ein Beispiel aus dem Zimmererhandwerk zeigt, wo sich der Aufwand rechnet. Für einen Dachgeschossausbau im Bestand werden Sparrenlagen, Kehlbalken und Wandanschlüsse eingescannt. Die vorhandene Konstruktion weicht an mehreren Stellen von den Bestandsplänen ab. Weil die Geometrie vollständig vorliegt, lassen sich die Abbundmaße daraus ableiten, ohne zum Nachmessen erneut anzureisen. Im Metallbau gilt dasselbe für Geländer und Vordächer an unregelmäßigen Fassaden, im Trockenbau für abgehängte Decken unter schiefen Rohdecken.

Abzugrenzen ist das 3D-Aufmaß vom digitalen Aufmaß im engeren Sinn: Dieses erfasst weiterhin Einzelmaße, nur eben elektronisch statt auf Papier, und ist an die vor Ort getroffene Entscheidung gebunden, welche Maße gebraucht werden. Das 3D-Aufmaß nimmt die gesamte Geometrie auf und verlagert die Auswahl in die Auswertung. Der Unterschied liegt weniger im Messgerät als darin, wann festgelegt wird, was gemessen wurde.

Eine typische Fehlerquelle ist eine unvollständige Aufnahme. Verdeckte Bereiche hinter Einbauten, Möbeln oder Installationen erzeugen Lücken in der Punktwolke, die am Bildschirm zunächst nicht auffallen. Wird daraus ein Fertigteil abgeleitet, passt es an genau dieser Stelle nicht. Deshalb gehört eine Sichtprüfung der Aufnahme noch vor Ort zum Ablauf, ebenso eine Kontrollstrecke mit dem Zollstock, die später mit dem Modellmaß verglichen wird.

Vorausgesetzt sind neben dem Erfassungsgerät ausreichende Rechenleistung für die Auswertung, ein festgelegter Ablageort für die großen Datenmengen und die Klärung, in welchem Format die Ergebnisse an Kalkulation oder Fertigung übergeben werden.

FAQ

Häufige Fragen zu 3D-Aufmaß

Ab welcher Betriebsgröße lohnt sich ein 3D-Aufmaß?
Die Größe des Betriebs ist weniger entscheidend als die Art der Aufträge. Wer regelmäßig im Bestand arbeitet, weite Anfahrten hat oder Fertigteile nach Maß vorbereitet, holt den Aufwand über eingesparte Zweitanfahrten und vermiedene Nacharbeit herein. Bei überwiegend gleichförmigen Neubauaufträgen mit sauberen Plänen bleibt der Zusatznutzen dagegen gering. Sinnvoll ist, die letzten Aufträge durchzugehen und zu zählen, wie oft nachgemessen werden musste.
Reicht ein Tablet, oder braucht es einen Laserscanner?
Für kleinere Räume und moderate Genauigkeitsanforderungen liefern Tiefensensoren in Tablets brauchbare Ergebnisse, etwa für eine Bestandsaufnahme oder eine erste Massenermittlung. Sobald daraus Bauteile gefertigt werden, die passgenau sitzen müssen, stößt diese Technik an Grenzen; dann ist ein Scanner die sichere Wahl. Welche Genauigkeit ein Gerät im eigenen Einsatz erreicht, sollte vor der Anschaffung an einem realen Objekt geprüft werden.
Wer wertet die Daten aus, wenn im Betrieb niemand mit CAD arbeitet?
Die Arbeit lässt sich trennen. Das Erfassen vor Ort übernimmt der eigene Monteur nach kurzer Einweisung, die Modellierung ein Planungsbüro oder ein Dienstleister, der aus dem Scan Grundrisse oder ein Modell erzeugt. Für den Einstieg ist das oft der pragmatischere Weg, weil kein CAD-Arbeitsplatz aufgebaut werden muss. Wichtig ist, vorab zu klären, in welchem Format das Ergebnis zurückkommt.
Kann ich die gescannten Flächen direkt abrechnen?
Nein, nicht ohne Zwischenschritt. Der Scan liefert die tatsächliche Geometrie, die Abrechnung folgt aber den Aufmaßregeln des jeweiligen Gewerks. Übermessungsregeln und Öffnungsabzüge sind in der VOB/C gewerkeweise unterschiedlich geregelt; die maßgeblichen Werte stehen in der jeweils geltenden Regelung und sind im Einzelfall zu prüfen. Gemessene und abrechenbare Fläche fallen deshalb regelmäßig auseinander.

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