Glossar

Aufmaß Küche digital

Beim digitalen Küchenaufmaß werden Raummaße, Anschlusspunkte und Bestandsdetails elektronisch erfasst und direkt in die Küchenplanung und Möbelbestellung übernommen.

Das Küchenaufmaß erfasst alles, was für die Planung und Montage einer Einbauküche maßgeblich ist: Raumlängen und -höhen, Fenster- und Türöffnungen, Nischen, Vorsprünge, Heizkörper sowie die Lage von Wasser-, Abwasser-, Gas-, Strom- und Lüftungsanschlüssen. Hinzu kommen Angaben zur Beschaffenheit von Wand und Boden, etwa ob Wände lotrecht und Böden eben sind, und ob eine Wand für Hängeschränke tragfähig ist.

Zuständig sind Tischler und Küchenstudios, häufig in Abstimmung mit SHK und Elektro, da Anschlusspositionen gemeinsam festgelegt werden. Ein Küchenaufmaß hat wenig Toleranz: Arbeitsplatten, Nischenrückwände und Passstücke werden auf Maß gefertigt, und ein nicht rechtwinkliger Raum zeigt sich erst bei der Montage, wenn er nicht vorher aufgenommen wurde.

Üblich ist ein zweistufiges Vorgehen – ein Grobaufmaß für Planung und Angebot, ein Feinaufmaß nach Abschluss der Rohinstallation als Fertigungsgrundlage.

Zu klären ist, wer für welche Maße verantwortlich ist. Werden Anschlusspositionen vom Küchenplaner vorgegeben und von SHK- und Elektrobetrieb ausgeführt, muss die Abstimmung schriftlich dokumentiert sein. Weicht die tatsächliche Lage später ab, entscheidet die Frage, wer welchen Wert vorgegeben hat, über die Kosten der Anpassung.

Bezug zur Digitalisierung

Der digitale Ablauf ersetzt Skizze und Handnotiz durch eine App, in der ein Raumgrundriss angelegt und mit Messwerten gefüllt wird. Ein gekoppeltes Lasermessgerät überträgt Werte direkt, sodass Ablesefehler entfallen. Anschlusspunkte werden verortet und fotografiert, offene Wände vor dem Verschließen dokumentiert – das erspart später das Suchen von Leitungen.

Zunehmend werden Räume über die Tiefensensorik moderner Smartphones und Tablets gescannt. Das Ergebnis ist ein grobes Raummodell, das als Ausgangspunkt dient und an den maßkritischen Stellen mit dem Laser nachgemessen wird. Für die Angebotsphase reicht diese Genauigkeit meist aus, für die Fertigung nicht.

KI setzt bei der Auswertung an. Aus Fotos lassen sich Bestandselemente wie Fensterbrüstung, Steckdose oder Absperrventil erkennen und in den Grundriss übernehmen. Sprachnotizen zur Einbausituation werden automatisch in strukturierte Hinweise für die Arbeitsvorbereitung überführt. Und ein Abgleich mit dem Planungsprogramm meldet Konflikte früh, etwa wenn ein geplanter Hochschrank vor einem Fenstergriff endet.

Ein Beispiel aus einer Tischlerei: In einem Altbau sind Wände weder lotrecht noch rechtwinklig, und die Decke fällt zur Außenwand ab. Werden diese Abweichungen im Feinaufmaß erfasst und in der Fertigung berücksichtigt, passen Passstücke und Arbeitsplatte. Ohne Aufnahme entsteht die Anpassung auf der Baustelle, mit entsprechendem Zeitaufwand.

Praktisch bewährt sich eine feste Aufmaßcheckliste in der App, die alle Anschlussarten abfragt. Fast jede Nachbesserung bei Küchenmontagen geht auf eine Angabe zurück, die niemand vergessen wollte, sondern die schlicht nicht abgefragt wurde.

FAQ

Häufige Fragen zu Aufmaß Küche digital

Warum genügt ein Aufmaß nicht?
Weil das erste eine andere Frage beantwortet als das zweite. Beim Grobaufmaß geht es darum, ob die Planung passt und was sie kostet; das Feinaufmaß nach der Rohinstallation ist die Grundlage für die Fertigung. Arbeitsplatte, Rückwand und Passstücke entstehen auf Maß, und ein Raum, der nicht rechtwinklig ist, verzeiht keinen Schätzwert.
Reicht ein Raumscan mit dem Tablet?
Fürs Angebot in aller Regel ja, für die Fertigung nicht. Der Scan liefert ein grobes Raummodell, das an den maßkritischen Stellen mit dem Laser nachgemessen wird; danach steht ein belastbares Bild. Koppeln Sie das Messgerät mit der App, dann wandern die Werte ohne Ablesen und Abtippen in die Aufstellung.
Wer haftet, wenn Anschlüsse nicht passen?
An der Frage, wessen Maß gegolten hat. Gibt der Küchenplaner die Anschlusspositionen vor und führen SHK und Elektro sie aus, muss diese Abstimmung schriftlich vorliegen, sonst steht später Aussage gegen Aussage. Fotografieren Sie die offene Wand mit Zollstock im Bild, bevor verschlossen wird; das klärt die Frage in Sekunden statt in Wochen.
Was verhindert die meisten Nachbesserungen?
Eine feste Abfrageliste im Gerät, die keine Anschlussart auslässt. Nachbesserungen bei Küchen gehen fast nie auf Nachlässigkeit zurück, sondern auf eine Angabe, nach der niemand gefragt hat. Nehmen Sie Abweichungen von Lot und Winkel gleich mit auf, damit die Fertigung Passstücke und Arbeitsplatte darauf auslegen kann statt vor Ort nachzuarbeiten.

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