Glossar

Auftragsreichweite

Die Auftragsreichweite gibt an, für wie viele Wochen oder Monate der vorhandene Auftragsbestand die verfügbare Kapazität eines Betriebs auslastet.

Die Auftragsreichweite setzt den Auftragsbestand ins Verhältnis zur Kapazität. Rechnerisch teilt man die im Bestand noch enthaltenen Leistungsstunden durch die pro Woche oder Monat verfügbaren produktiven Stunden. Alternativ arbeitet man mit Werten statt Stunden und teilt den offenen Auftragswert durch den durchschnittlichen Monatsumsatz. Die Stundenvariante ist genauer, weil sie berücksichtigt, dass ein hoher Materialanteil den Auftragswert erhöht, ohne Kapazität zu binden. Ergebnis ist eine Angabe in Wochen oder Monaten.

Im Betrieb dient die Reichweite als Frühwarnsystem. Ein Fliesenleger mit vier Monteuren erkennt daran, ob er einen zusätzlichen Auftrag noch im laufenden Quartal unterbringen kann oder einen Termin im übernächsten Monat anbieten muss. Ein SHK-Betrieb, dessen Reichweite im Sommer sinkt, kann die Zeit für Wartungsverträge und Sanierungen nutzen, statt sie ungeplant durchlaufen zu lassen. Bei einem Bauunternehmen mit mehreren Kolonnen wird die Reichweite je Kolonne oder Gewerk gerechnet, weil eine ausgelastete Rohbaukolonne nichts über den Innenausbau aussagt. Wichtig ist, Urlaub, Krankheitsausfall und unproduktive Zeiten aus der Kapazität herauszurechnen, sonst fällt die Reichweite zu optimistisch aus.

Zu beachten ist, dass eine hohe Reichweite nicht automatisch gut ist. Wer über viele Monate ausgebucht ist, kann kurzfristige Anfragen nicht annehmen und verliert Stammkunden an Wettbewerber, die schneller verfügbar sind. Ein SHK-Betrieb mit langer Reichweite im Anlagenbau sollte deshalb Kapazität für Kundendienst und Störungen freihalten, weil dieses Geschäft die Kundenbindung trägt. Umgekehrt ist eine sehr kurze Reichweite nicht zwangsläufig kritisch, wenn der Betrieb überwiegend kurzfristiges Servicegeschäft abwickelt und der Auftragseingang stabil ist. Die Kennzahl muss deshalb immer im Zusammenhang mit dem Geschäftsmodell gelesen werden und nicht als absolute Größe.

Bezug zur Digitalisierung

Die Kennzahl lebt von aktuellen Daten aus zwei Quellen: dem Auftragsbestand mit realistisch geschätzten Restaufwänden und der Zeiterfassung mit den tatsächlich verfügbaren Stunden. Mobile Zeiterfassung liefert die Ist-Seite tagesaktuell, ein Projektsystem die Soll-Seite. Erst wenn beide zusammenlaufen, lässt sich die Reichweite ohne manuelle Nachrechnung darstellen. Der Ratgeber mobile Zeiterfassung auf der Baustelle beschreibt die Erfassungsseite.

KI kann bei der Schätzung der Restaufwände unterstützen, indem sie aus abgeschlossenen Projekten ähnlicher Art typische Stundenverbräuche ableitet und auf laufende Aufträge überträgt. Die Prognose ist nur so gut wie die zugrunde liegende Nachkalkulation. Praktisch bewährt sich, die Reichweite monatlich zu ermitteln, den eigenen Verlauf über ein Jahr zu beobachten und daraus einen Korridor abzuleiten, ab dem der Betrieb Akquise verstärkt oder Personal aufbaut.

FAQ

Häufige Fragen zu Auftragsreichweite

Warum ist die Stundenvariante besser als die Wertvariante?
Weil ein hoher Materialanteil den Auftragswert erhöht, ohne Kapazität zu binden. Wer den offenen Auftragswert durch den durchschnittlichen Monatsumsatz teilt, erhält bei materialintensiven Aufträgen eine zu hohe Reichweite. Rechnen Sie außerdem Urlaub, Krankheitsausfall und unproduktive Zeiten aus der Kapazität heraus, sonst fällt das Ergebnis zu optimistisch aus.
Ist eine hohe Reichweite gut?
Nicht automatisch. Wer über viele Monate ausgebucht ist, kann kurzfristige Anfragen nicht annehmen und verliert Stammkunden an schneller verfügbare Wettbewerber. Halten Sie deshalb Kapazität für Kundendienst und Störungen frei, weil dieses Geschäft die Kundenbindung trägt. Umgekehrt ist eine kurze Reichweite bei stabilem Servicegeschäft nicht zwangsläufig kritisch.
Für welche Einheit rechne ich die Kennzahl?
Je Kolonne oder Gewerk, sobald mehrere Bereiche unterschiedlich ausgelastet sind. Eine ausgelastete Rohbaukolonne sagt nichts über den Innenausbau. Eine Gesamtreichweite über den Betrieb verdeckt genau die Engpässe, wegen derer die Kennzahl geführt wird. Lesen Sie das Ergebnis zudem immer im Zusammenhang mit dem Geschäftsmodell.
Welche Daten brauche ich dafür?
Den Auftragsbestand mit realistisch geschätzten Restaufwänden und die verfügbaren Stunden aus der Zeiterfassung. Erst wenn beide zusammenlaufen, lässt sich die Reichweite ohne manuelle Nachrechnung darstellen. Ermitteln Sie sie monatlich, beobachten Sie den Verlauf über ein Jahr und leiten Sie daraus einen Korridor für Akquise und Personalaufbau ab.

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