Glossar

Produktivitätskennzahl

Eine Produktivitätskennzahl setzt das erzielte Ergebnis eines Betriebs ins Verhältnis zum dafür eingesetzten Aufwand, meist Arbeitszeit oder Personalkosten.

Produktivität ist allgemein das Verhältnis von Ausbringung zu Einsatz. Im Handwerksbetrieb werden mehrere Ausprägungen verwendet. Die Arbeitsproduktivität teilt die Leistung, etwa Umsatz oder Rohertrag, durch die eingesetzten Arbeitsstunden. Die Mitarbeiterproduktivität bezieht die Leistung auf die Zahl der Beschäftigten. Mengenbezogene Varianten teilen die erbrachte Menge durch die Stunden, etwa Quadratmeter je Stunde. Jede Variante beantwortet eine andere Frage, deshalb muss die gewählte Definition festgehalten werden. Wichtig ist außerdem, ob die Leistung mit oder ohne Material gerechnet wird: Ein hoher Materialanteil erhöht den Umsatz, ohne dass mehr geleistet wurde.

Mengenbezogene Kennzahlen eignen sich für wiederkehrende, gleichartige Arbeiten. Ein Fliesenleger kann Quadratmeter je Stunde je Formatgröße auswerten, ein Estrichleger Quadratmeter je Einbautag, ein Trockenbauer laufende Meter Ständerwand je Stunde. Bei stark wechselnden Leistungen, etwa im Kundendienst eines SHK-Betriebs oder bei einem Elektriker mit gemischtem Auftragsspektrum, ist die wertbezogene Variante praktikabler. Ein Bauunternehmen rechnet zusätzlich mit Geräteproduktivität, weil Maschinenstunden einen wesentlichen Kostenblock bilden. Sinnvoll ist immer eine Betrachtung im Verbund: Eine hohe Produktivität bei gleichzeitig steigender Nacharbeitsquote ist kein Fortschritt.

Bei der Auswertung sind Einflüsse zu berücksichtigen, die nicht in der Arbeitsleistung liegen. Baustellengröße, Erreichbarkeit, Witterung, Untergrund und die Qualität der Vorleistung wirken erheblich auf mengenbezogene Werte. Ein Trockenbauer erreicht in großen Hallen andere Werte als in verwinkelten Altbauwohnungen, ohne dass die Arbeitsweise sich unterscheidet. Deshalb sind Vergleiche nur innerhalb vergleichbarer Auftragsarten sinnvoll. Ebenso wenig eignen sich Produktivitätswerte zur Bewertung einzelner Mitarbeiter, weil die Einsatzzuteilung das Ergebnis stärker beeinflusst als die Leistung. Ihr Nutzen liegt darin, Kalkulationsansätze zu überprüfen und Arbeitsverfahren oder Ausrüstung sachlich zu vergleichen.

Bezug zur Digitalisierung

Die Kennzahl entsteht aus zwei Datenquellen, die verknüpft sein müssen: der Zeiterfassung mit Auftragsbezug und der Leistungsseite aus Aufmaß oder Abrechnung. Erst wenn Stunden und Mengen auf denselben Auftrag laufen, lässt sich die Produktivität ohne Nachrechnen bilden. Digitales Aufmaß liefert die Mengenseite, mobile Zeiterfassung die Aufwandsseite.

Bei der Erfassung ist auf einheitliche Mengeneinheiten zu achten. Werden Flächen einmal als Rohbaumaß und einmal als Fertigmaß erfasst, sind die daraus gebildeten Werte nicht vergleichbar, ohne dass der Unterschied im Ergebnis sichtbar würde.

KI kann aus vielen abgeschlossenen Aufträgen typische Werte je Leistungsart ableiten, die als Grundlage für die Vorkalkulation dienen. Diese Werte sind betriebseigen und nicht übertragbar. Empfehlenswert ist deshalb, die eigenen Ausgangswerte je Leistungsart über mehrere Projekte zu erheben, bevor Ziele formuliert werden.

FAQ

Häufige Fragen zu Produktivitätskennzahl

Welche Kennzahl sollte ein kleiner Betrieb zuerst einführen?
Eine einzige, und zwar die, für die schon Daten vorliegen. In den meisten Betrieben ist das der Rohertrag je produktiver Stunde, weil Stunden aus der Zeiterfassung und Erlöse aus der Buchhaltung kommen. Mengenbezogene Werte je Quadratmeter folgen später, wenn das Aufmaß auftragsbezogen erfasst wird. Drei Kennzahlen gleichzeitig einzuführen führt meist dazu, dass keine gepflegt wird.
Was zählt als produktive Stunde?
Üblicherweise die Stunden, die einem Auftrag zugeordnet und damit grundsätzlich verrechenbar sind. Fahrzeiten, Werkstattarbeit, Lagerpflege, Urlaub und Krankheit gehören nicht dazu, sind aber gesondert zu erfassen, weil ihr Anteil die Kalkulation beeinflusst. Entscheidend ist, die Abgrenzung einmal schriftlich festzulegen und über die Jahre nicht zu ändern, sonst sind spätere Vergleiche wertlos.
Darf ich Produktivitätswerte im Team offenlegen?
Aggregierte Werte je Auftragsart oder je Kolonne lassen sich gut besprechen und werden meist als sachlich empfunden. Personenbezogene Auswertungen sind heikel: Sie erfordern eine datenschutzrechtliche Grundlage, bei bestehendem Betriebsrat die Mitbestimmung und führen erfahrungsgemäß dazu, dass unangenehme Aufträge gemieden werden. Nutzen Sie die Zahlen als Gesprächsgrundlage über Verfahren und Ausrüstung, nicht als Bewertungsinstrument.
Über welchen Zeitraum sollte ausgewertet werden?
Einzelne Aufträge schwanken zu stark, um daraus Schlüsse zu ziehen. Aussagekräftig wird das Bild erst über mehrere vergleichbare Aufträge oder über ein Quartal. Sinnvoll ist eine gleitende Betrachtung über zwölf Monate, weil sie Saisoneffekte wie Winterpausen und Urlaubszeiten glättet. Zusätzlich lohnt der Blick auf einzelne Ausreißer, weil deren Ursachen oft mehr erklären als der Durchschnitt.

Bereit, KI in Ihrem Betrieb arbeiten zu lassen?

In einer kostenlosen KI-Potenzialanalyse zeigen wir konkret, wo in Ihrem Betrieb Zeit und Geld liegen – unverbindlich und ohne Technik-Kauderwelsch.

Kostenlose KI-Analyse