Glossar

Aufwand je Rechnung

Der Aufwand je Rechnung beziffert die durchschnittliche Zeit und die Kosten, die im Betrieb für Erstellung, Prüfung, Versand und Ablage einer Ausgangsrechnung anfallen.

Der Aufwand je Rechnung ergibt sich aus der gesamten Bearbeitungszeit für Ausgangsrechnungen in einem Zeitraum geteilt durch die Anzahl der gestellten Rechnungen. Zur Bearbeitungszeit gehören das Zusammentragen von Stunden, Material und Aufmaß, die Prüfung gegen den Auftrag, das Schreiben und Freigeben, der Versand sowie die Ablage. Bewertet man die Zeit mit dem internen Stundensatz, erhält man Kosten je Rechnung. Getrennt betrachtet werden sollten Schlussrechnungen und Abschlagsrechnungen, weil sich der Aufwand deutlich unterscheidet.

Im Handwerk entsteht der Aufwand selten beim Schreiben selbst, sondern beim Zusammensuchen der Grundlagen. Ein Malerbetrieb muss Stundenzettel aus mehreren Baustellen sortieren, ein Dachdecker Lieferscheine dem richtigen Objekt zuordnen, ein Elektriker geänderte Leistungen aus WhatsApp-Nachrichten und Notizen rekonstruieren. Bei einem Bauunternehmen kommt die Aufmaßprüfung nach REB hinzu, ebenso die Abstimmung mit Bauleitung oder Architekt. Je später die zugrunde liegenden Daten erfasst werden, desto höher der Aufwand, weil Rückfragen an Monteure nötig werden, die längst auf der nächsten Baustelle sind.

Zu beachten ist, dass der Aufwand je Rechnung weitgehend unabhängig von der Rechnungshöhe ist. Eine Rechnung über zweihundert Euro verursacht ähnlichen Bearbeitungsaufwand wie eine über zwanzigtausend Euro. Setzt man den ermittelten Kostensatz ins Verhältnis zur durchschnittlichen Auftragssumme, wird sichtbar, ab welcher Auftragsgröße die Abwicklung wirtschaftlich ist. Für einen Elektriker mit vielen Kleinstaufträgen kann daraus die Entscheidung folgen, Kleinbeträge zu bündeln, eine Mindestpauschale einzuführen oder Kleinaufträge über eine vereinfachte Abwicklung zu führen. Die Kennzahl liefert damit nicht nur ein Argument für Digitalisierung, sondern auch eine Grundlage für die Preisgestaltung im Kleinauftragsgeschäft.

Bezug zur Digitalisierung

Wenn Stunden, Material und Aufmaß direkt auf der Baustelle dem Auftrag zugeordnet erfasst werden, entsteht die Rechnung weitgehend aus vorhandenen Daten. Die E-Rechnung verlagert den Versand in ein strukturiertes Format und ersetzt Druck, Kuvertierung und Porto. Eine DATEV-Schnittstelle übernimmt die Buchung, sodass keine zweite Erfassung in der Buchhaltung nötig ist. KI kann Belege per OCR auslesen, Lieferscheine dem Projekt zuordnen und aus Sprachnotizen Nachtragspositionen vorschlagen; freigegeben wird weiterhin durch den Betrieb.

Für die eigene Messung reicht es, die Rechnungsläufe eines Monats mit Zeitaufwand zu protokollieren und durch die Rechnungsanzahl zu teilen. Dieser Startwert zeigt, ob sich eine Umstellung auf durchgängige Erfassung lohnt, und lässt sich später mit derselben Methode erneut erheben, siehe Zeitersparnis messen.

FAQ

Häufige Fragen zu Aufwand je Rechnung

Was ist der Unterschied zum Aufwand je Angebot?
Der Aufwand je Angebot fällt auch dann an, wenn kein Auftrag zustande kommt, und wird deshalb zusammen mit der Abschlussquote betrachtet. Der Aufwand je Rechnung fällt nur bei erbrachter Leistung an, ist dafür aber unvermeidbar. Beide Kennzahlen zusammen zeigen, wie viel Verwaltung an einem durchschnittlichen Auftrag hängt.
Senkt die Umstellung auf E-Rechnung den Aufwand automatisch?
Sie senkt vor allem Versandkosten und Erfassungsaufwand auf der Empfängerseite. Der größere Teil des betrieblichen Aufwands entsteht davor, beim Zusammentragen von Stunden, Material und Aufmaß. Wer nur das Ausgabeformat wechselt, ohne die Datenerfassung auf der Baustelle zu ändern, wird die Kennzahl kaum verbessert sehen. Sinnvoll ist deshalb, die Umstellung des Formats und die Änderung der Erfassung als zwei getrennte Schritte zu planen und einzeln zu bewerten.
Gehören Mahnwesen und Zahlungsverfolgung in die Kennzahl?
Sinnvollerweise nicht, weil sie nur bei einem Teil der Rechnungen anfallen und die Vergleichbarkeit über Zeiträume stören. Sie gehören in eine eigene Betrachtung zusammen mit der Zahlungseingangsdauer. Wird beides vermischt, lässt sich später nicht mehr unterscheiden, ob die Erstellung günstiger wurde oder schlicht weniger gemahnt werden musste.
Ab wann lohnt sich die Umstellung auf durchgängige Erfassung?
Die Rechnung ergibt sich aus Kosten je Rechnung mal Anzahl der Rechnungen im Jahr, gegengerechnet mit den Kosten der Umstellung samt Schulung. Entscheidend ist dabei nicht nur die eingesparte Bürozeit, sondern die frühere Rechnungsstellung: Sie wirkt unmittelbar auf die Liquidität und wird in solchen Rechnungen regelmäßig vergessen.

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