Glossar

Bilderkennung

Bilderkennung bezeichnet Verfahren, mit denen Software Inhalte auf Fotos und Videos identifiziert, etwa Bauteile, Materialien oder Schäden, und daraus Angaben ableitet.

Bilderkennung ist der Oberbegriff für Verfahren, mit denen Software den Inhalt von Fotos und Videos auswertet. Sie ordnet Bilder Kategorien zu, erkennt einzelne Objekte und deren Position und kann Bereiche eines Bildes voneinander abgrenzen. Grundlage sind trainierte Modelle, die aus einer großen Zahl von Beispielbildern gelernt haben, welche Muster für welche Objekte typisch sind.

Auf der Baustelle fällt Bildmaterial ohnehin in großer Menge an. Fotos dienen als Nachweis für ausgeführte Leistungen, als Beleg für Vorleistungen anderer Gewerke, zur Dokumentation von Mängeln und als Grundlage für Aufmaße. Das Problem ist selten die Menge, sondern die Ablage: Hunderte Aufnahmen im Handyspeicher ohne Zuordnung zu Baustelle, Bauteil oder Datum sind im Streitfall wenig wert.

Zu unterscheiden ist die Bilderkennung von der Texterkennung. Letztere liest Schrift aus einem Dokument, erstere beurteilt den Bildinhalt selbst. Beim Dachdecker heißt das: Ein Lieferschein wird über die Texterkennung ausgelesen, während die Aufnahme der Dacheindeckung eine Auswertung des Bildes verlangt, etwa zur Unterscheidung von Deckungsarten oder zum Auffinden verschobener Pfannen. Beide Verfahren kommen im selben Betrieb vor und werden häufig miteinander verwechselt.

Wirtschaftlich lohnt der Einsatz vor allem dort, wo Bilder ohnehin in großer Zahl entstehen und heute niemand sie auswertet. Bei wenigen Fotos je Auftrag überwiegt der Einrichtungsaufwand. Bei mehreren parallelen Baustellen entsteht dagegen schon durch die bloße Zuordnung Nutzen, weil die Suche nach einem bestimmten Nachweis länger dauert als die Aufnahme selbst. Vor der Auswahl eines Werkzeugs lohnt daher eine Schätzung, wie viele Bilder je Woche tatsächlich anfallen und wer sie heute ablegt.

Wo KI ansetzt

Bilderkennung setzt genau dort an. Aufnahmen lassen sich automatisch verschlagworten, nach Gewerk oder Bauabschnitt sortieren und der richtigen Akte im Dokumentenmanagement zuordnen. Aus Fotos einer Wand oder eines Raums lassen sich erste Mengenansätze ableiten, die in die Mengenermittlung per KI einfließen. Bei Bestandsaufnahmen erkennen Systeme Bauteiltypen und unterstützen so die Erfassung.

Ein weiteres Einsatzfeld ist die Erkennung von Auffälligkeiten: Risse, Feuchtestellen, Korrosion oder fehlende Absturzsicherung. Solche Auswertungen liefern Hinweise für die weitere Prüfung, ersetzen aber keine fachliche Beurteilung vor Ort. Die Aussage eines Modells über einen Riss ist ein Anlass zur Begutachtung, kein Befund.

Rechtlich ist zu beachten, dass auf Baustellenaufnahmen regelmäßig Personen zu sehen sind. Vor der systematischen Auswertung sollten Zweck und Umgang mit diesen Aufnahmen geklärt sein, siehe Baustellenfoto mit Personenbezug. Auswertungen, die Rückschlüsse auf die Arbeitsweise einzelner Beschäftigter zulassen, berühren zusätzlich die Mitbestimmung.

Wer Bilderkennung nutzen will, sollte zuerst die Aufnahmegewohnheiten ordnen. Ein festes Vorgehen bei der Fotodokumentation bringt bereits ohne Auswertung Nutzen und ist die Voraussetzung dafür, dass automatische Verfahren brauchbare Ergebnisse liefern.

FAQ

Häufige Fragen zu Bilderkennung

Kann ich den Ergebnissen einer Bilderkennung ungeprüft vertrauen?
Nein. Ein Modell liefert eine Einschätzung mit einer bestimmten Trefferwahrscheinlichkeit, keine fachliche Beurteilung. Gerade bei Schadensbildern, ungewöhnlichen Konstruktionen oder schlechten Lichtverhältnissen liegt es daneben, ohne dies anzuzeigen. Für Ablage und Verschlagwortung genügt eine gelegentliche Stichprobe, bei allem, was in ein Angebot oder ein Protokoll einfließt, gehört die Prüfung durch eine fachkundige Person dazu.
Muss ich eigene Bilder zum Training liefern?
Für allgemeine Aufgaben wie das Sortieren nach Bauteilart oder das Erkennen von Text im Bild reichen vortrainierte Dienste aus. Sobald es um betriebsspezifische Merkmale geht, etwa eigene Systemaufbauten oder besondere Bauteile, verbessert eine Sammlung eigener, sauber beschrifteter Aufnahmen das Ergebnis deutlich. Diese Sammlung entsteht am einfachsten nebenbei, wenn Fotos ohnehin konsequent benannt und abgelegt werden.
Was kostet der Einsatz in einem kleinen Betrieb?
Belastbare Preise lassen sich nicht pauschal nennen, weil Abrechnung nach Bildmenge, Nutzerzahl oder Softwarepaket üblich ist und sich die Angebote laufend ändern. Der größere Posten ist ohnehin selten die Lizenz, sondern die Zeit für Einrichtung, Ablagestruktur und Einweisung der Monteure. Wer diesen Aufwand einplant, kann den Nutzen nach wenigen Wochen an der eingesparten Suchzeit ablesen.
Dürfen Baustellenfotos mit Beschäftigten ausgewertet werden?
Die Auswertung berührt Datenschutz und Mitbestimmung, sobald Personen erkennbar sind oder Rückschlüsse auf einzelne Beschäftigte möglich werden. Zweck, Aufbewahrungsdauer und Zugriffsrechte gehören vorher festgelegt, in Betrieben mit Betriebsrat kommt dessen Beteiligung hinzu. Praktisch hilft die Regel, Personen nur aufzunehmen, wenn es für den Nachweis nötig ist, und die Auswertung auf Bauteile und Bauzustände zu beschränken.

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