Glossar

Dachaufmaß per Drohne

Beim Dachaufmaß per Drohne werden aus überlappenden Luftbildern maßhaltige Modelle erzeugt, aus denen sich Dachflächen, Neigungen und Detailmaße ohne Besteigen ableiten lassen.

Beim Dachaufmaß per Drohne wird ein Gebäude in einem festen Flugmuster mit stark überlappenden Bildern aufgenommen. Aus diesen Bildern berechnet eine Photogrammetriesoftware eine Punktwolke und daraus ein maßhaltiges Modell des Dachs. Aus dem Modell lassen sich Flächen je Dachseite, Neigungen, Längen von Traufe, First, Grat und Kehle sowie Lage und Größe von Gauben, Fenstern und Durchdringungen ableiten.

Für Dachdecker, Zimmereien und den Gerüstbau ändert das die Angebotsphase. Bisher waren für ein belastbares Aufmaß entweder eine Hubarbeitsbühne, ein Gerüst oder eine Besteigung erforderlich – bei einem Angebot, das möglicherweise nicht zum Auftrag führt, ein hoher Vorlaufaufwand. Die Alternative war eine Schätzung aus Grundriss und angenommener Neigung, die regelmäßig danebenliegt.

Ein Flug dauert je nach Objektgröße wenige Minuten. Die Auswertung erfolgt anschließend im Büro. Für den Betrieb des Fluggeräts gelten luftrechtliche Anforderungen an Kennzeichnung, Qualifikation der steuernden Person und zulässige Betriebsbereiche; die konkreten Vorgaben ergeben sich aus den einschlägigen Regelwerken und sind vor dem Einsatz zu prüfen. Werden Nachbargrundstücke oder Personen abgebildet, sind zusätzlich die datenschutzrechtlichen Anforderungen zu beachten.

Wo KI ansetzt

Die Photogrammetrie selbst liefert zunächst nur eine Punktwolke – eine ungeordnete Menge von Messpunkten. Der aufwendige Schritt ist die Umwandlung in verwertbare Bauteile. Hier setzen Erkennungsverfahren an, die Dachflächen als Ebenen ausgleichen, Kanten zwischen ihnen bilden und Gauben, Kamine und Dachfenster als eigene Objekte ausweisen. Was früher manuelles Nachzeichnen war, entsteht weitgehend automatisch und wird nur noch korrigiert.

Aus demselben Bildmaterial fällt eine Zustandsbewertung ab: verschobene oder gebrochene Ziegel, Bewuchs, schadhafte Anschlüsse. Und für die Photovoltaik liefert das Modell mit Neigung, Ausrichtung und Verschattung durch Nachbargebäude oder Bäume die Grundlage für die Solarpotenzialanalyse und die Belegungsplanung.

Nachgelagert lassen sich aus den Flächen Materialmengen und Angebotspositionen erzeugen, sodass aus einem Flug ein weitgehend fertiges Angebot wird. Diese Kette ist der eigentliche wirtschaftliche Hebel.

Wichtig bleibt die Kontrolle: Ein photogrammetrisches Modell hat einen Maßstabsfehler, wenn die Referenz fehlt. Ein einziges eingemessenes Kontrollmaß am Objekt genügt meist, um das Modell zu prüfen, und sollte zur Routine gehören, bevor Mengen daraus abgerechnet werden.

FAQ

Häufige Fragen zu Dachaufmaß per Drohne

Ab welcher Betriebsgröße lohnt sich eine eigene Drohne?
Das hängt weniger an der Mitarbeiterzahl als an der Zahl der Aufmaße pro Jahr. Wer regelmäßig Steildächer kalkuliert und heute für jedes Angebot eine Hubarbeitsbühne bestellt, spart schon bei wenigen Objekten im Monat spürbar Vorlaufaufwand. Betriebe mit geringerem Aufkommen fahren mit einem beauftragten Dienstleister günstiger, weil Gerät, Qualifikation und Auswertesoftware sonst dauerhaft gebunden sind.
Brauche ich für den Flug eine Erlaubnis?
Für den Betrieb unbemannter Fluggeräte gelten europaweit einheitliche Regeln zu Registrierung, Kennzeichnung, Nachweis der Steuerkenntnisse und zulässigen Betriebskategorien. Welche Anforderungen für Ihr Gerät und Ihren Einsatzort gelten, steht in der jeweils geltenden Regelung und ist im Einzelfall zu prüfen, besonders in der Nähe von Flugplätzen, Bahnanlagen und Wohnbebauung. Klären Sie zusätzlich den Versicherungsschutz vor dem ersten Einsatz.
Kann ich die Flächen aus dem Modell direkt abrechnen?
Für die Abrechnung gelten die Aufmaßregeln des jeweiligen Gewerks, nicht die reine Geometrie des Modells. Übermessungen, Zuschläge und Abzüge sind nach den gewerkeweisen Regelungen der VOB/C zu behandeln, sofern deren Geltung vereinbart ist. Das Modell liefert damit die Rohflächen; die abrechnungsfähige Menge entsteht erst im zweiten Schritt. Wer das überspringt, bekommt die Rechnung in der Prüfung zurück.
Was ist der häufigste Fehler beim Befliegen?
Zu wenig Überlappung und ein zu großer Abstand zum Objekt. Die Software braucht viele gemeinsame Bildpunkte, sonst entstehen Löcher an Kehlen, Gauben und verschatteten Traufbereichen, die im fertigen Modell erst bei der Mengenauswertung auffallen. Zweithäufigster Fehler ist der Flug bei starkem Gegenlicht oder wechselnder Bewölkung, weil die Bildhelligkeit dann zwischen den Aufnahmen springt.

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