Glossar

Krankenstand

Der Krankenstand gibt an, welcher Anteil der geplanten Arbeitszeit eines Betriebs durch krankheitsbedingte Ausfälle nicht geleistet wird.

Der Krankenstand setzt die krankheitsbedingten Fehlzeiten ins Verhältnis zur geplanten Arbeitszeit. Üblich ist die Formel: krankheitsbedingte Ausfalltage geteilt durch die Soll-Arbeitstage im Zeitraum. Alternativ rechnet man mit Stunden statt Tagen, was bei Teilzeit genauer ist. Ergänzend werden zwei weitere Größen erhoben: die Zahl der Krankheitsfälle je Mitarbeiter und die durchschnittliche Falldauer. Erst diese Trennung zeigt, ob viele kurze Ausfälle oder wenige lange Ausfälle den Wert treiben, denn beides erfordert völlig unterschiedliche Reaktionen in der Einsatzplanung.

Im Handwerk wirkt ein Ausfall sofort auf die Baustelle. Fällt bei einem Fliesenlegerbetrieb mit vier Mitarbeitern einer eine Woche aus, verschieben sich Termine über mehrere Kunden hinweg. Ein Dachdecker kann bei witterungsabhängigen Arbeiten kaum umplanen, weil das Zeitfenster begrenzt ist. Ein SHK-Betrieb mit Notdienst muss die Bereitschaft trotzdem besetzen. Bei körperlich belastenden Gewerken wie Estrichleger oder Maurer treten zudem häufiger länger dauernde Ausfälle auf. Für die Planung ist deshalb weniger der Jahresdurchschnitt relevant als die Frage, wie schnell ein konkreter Ausfall in der Terminplanung sichtbar wird.

Bei der Interpretation ist Zurückhaltung angebracht. Der Krankenstand hängt stark von Altersstruktur, Gewerk und Art der Tätigkeit ab; ein Betrieb mit überwiegend körperlich schwerer Arbeit und langjährigen Mitarbeitern liegt strukturell höher als ein Büro. Ein Vergleich mit fremden Werten führt deshalb selten weiter. Aussagekräftiger ist der eigene Verlauf und die Frage, ob sich Häufungen zeitlich oder auf bestimmte Tätigkeiten konzentrieren. Daraus können konkrete Maßnahmen folgen, etwa Hebehilfen, andere Arbeitsmittel oder eine veränderte Einsatzplanung. Der Krankenstand ist damit weniger eine Steuerungsgröße als ein Hinweis darauf, wo Arbeitsbedingungen genauer betrachtet werden sollten.

Bezug zur Digitalisierung

Digitale Zeiterfassung und Einsatzplanung erfassen Abwesenheiten in demselben System, in dem auch die Termine liegen. Fällt ein Mitarbeiter aus, ist unmittelbar erkennbar, welche Aufträge betroffen sind und welche Kunden informiert werden müssen. Ohne diese Verknüpfung wird der Ausfall am Morgen telefonisch gemeldet und die Umplanung improvisiert. Für die Auswertung fließt der Krankenstand als Abzug in die verfügbare Kapazität und damit in Auslastungsgrad und Auftragsreichweite ein.

Zu beachten ist der Datenschutz: Gesundheitsdaten sind nach der DSGVO besonders geschützt. Ausgewertet werden dürfen Fehlzeiten, nicht Diagnosen; Auswertungen sollten so aggregiert sein, dass kein Rückschluss auf einzelne Personen möglich ist, siehe DSGVO im Handwerk. Praktisch ist eine monatliche Erhebung mit Jahresvergleich, um saisonale Effekte von echten Veränderungen zu unterscheiden.

FAQ

Häufige Fragen zu Krankenstand

Sollte ich mit Tagen oder mit Stunden rechnen?
Mit Stunden, sobald Teilzeitkräfte beschäftigt sind, weil Tage bei unterschiedlichen Arbeitszeiten nicht vergleichbar sind. In Betrieben mit einheitlicher Vollzeit ist die Tagesrechnung einfacher und ausreichend. Wichtig ist, den einmal gewählten Ansatz über die Jahre beizubehalten, sonst sind die Werte nicht mehr vergleichbar.
Warum ist der Jahresdurchschnitt für die Planung wenig hilfreich?
Weil ein Ausfall im Handwerk sofort auf die Termine wirkt. Fällt in einem kleinen Betrieb eine Person eine Woche aus, verschieben sich Termine über mehrere Kunden hinweg. Für die Planung zählt deshalb, wie schnell ein konkreter Ausfall sichtbar wird und wer ihn auffängt, nicht der Durchschnittswert des Vorjahres.
Was ist bei der Auswertung besonders zu beachten?
Zurückhaltung bei Rückschlüssen auf einzelne Personen. Gesundheitsdaten sind besonders geschützt, und Auswertungen dürfen nicht zur Verhaltenskontrolle führen. Bei kleinen Teams lassen sich Werte zudem schnell einer Person zuordnen, auch ohne Namensnennung. Besteht ein Betriebsrat, ist zusätzlich die Mitbestimmung zu beachten, bevor ausgewertet wird.
Welche Rolle spielt das Gewerk?
Eine erhebliche. Bei körperlich belastenden Tätigkeiten treten längere Ausfälle häufiger auf, bei witterungsabhängigen Arbeiten lässt sich schlechter umplanen, und ein Notdienst muss unabhängig von Ausfällen besetzt bleiben. Ein Vergleich mit Durchschnittswerten anderer Branchen führt deshalb regelmäßig zu falschen Schlüssen und zu unpassenden Maßnahmen.

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