Glossar

Modellbasierte Abrechnung

Modellbasierte Abrechnung ermittelt die abzurechnenden Mengen einer erbrachten Bauleistung direkt aus dem Bauwerksdatenmodell statt aus einem separaten Aufmaß.

Modellbasierte Abrechnung bezeichnet das Vorgehen, die Mengen einer erbrachten Bauleistung direkt aus dem Bauwerksdatenmodell zu ermitteln, statt sie über ein separates Aufmaß vor Ort zu erfassen. Ist im Modell hinterlegt, welche Bauteile in welchem Umfang ausgeführt wurden, lassen sich die entsprechenden Mengen für die Rechnungsstellung direkt daraus ableiten, ohne eine zusätzliche manuelle Mengenermittlung auf der Baustelle.

In der Praxis setzt das voraus, dass der tatsächlich erreichte Baufortschritt im Modell nachvollziehbar abgebildet ist, etwa welche Wandabschnitte fertiggestellt oder welche Leitungslängen verlegt wurden. Für Handwerksbetriebe, die an entsprechend organisierten Projekten beteiligt sind, kann das den Aufwand für klassische Aufmaße reduzieren, setzt aber eine sorgfältige und zeitnahe Pflege der Modelldaten voraus.

Ein Estrichleger, der große zusammenhängende Flächen ausführt, kann bei entsprechend gepflegtem Modell auf ein zusätzliches Vor-Ort-Aufmaß für die Abrechnung verzichten, wenn die fertiggestellten Flächen im Modell verlässlich dokumentiert sind. Voraussetzung bleibt aber, dass beide Seiten sich auf diese Datenbasis als Abrechnungsgrundlage verständigt haben.

Voraussetzung ist eine vertragliche Grundlage. Ob Mengen aus dem Modell für die Abrechnung maßgeblich sind oder ob weiterhin ein örtliches Aufmaß gilt, muss vor Ausführungsbeginn geklärt sein. Fehlt diese Festlegung, entstehen Streitigkeiten darüber, welcher Wert im Zweifel gilt. Ebenso zu regeln ist, wie mit Abweichungen zwischen Modell und Ausführung umgegangen wird, weil solche Abweichungen bei Bauvorhaben regelmäßig auftreten.

Bezug zur Digitalisierung

Modellbasierte Abrechnung baut häufig auf denselben Daten auf, die auch für den Baufortschritt aus Modelldaten genutzt werden: Ist der Ist-Zustand einer Baustelle im Modell dokumentiert, lässt sich daraus sowohl der zeitliche Fortschritt als auch die abzurechnende Menge ableiten. Für die laufende Rechnungsstellung während der Bauphase fließen diese Mengen üblicherweise in eine Abschlagsrechnung ein, die den bis dahin erreichten Leistungsstand vergütet.

Von der Kalkulationsseite abzugrenzen ist die Modellbasierte Ausschreibung, bei der Mengen bereits vor Baubeginn aus dem Modell für die Vergabe ermittelt werden. Modellbasierte Abrechnung betrifft dagegen die Phase nach Ausführung, wenn die tatsächlich erbrachte Leistung vergütet wird, wobei beide Ansätze auf einer konsistenten, gepflegten Modelldatenbasis beruhen.

Handwerksbetriebe, die modellbasiert abrechnen, sollten ihre erbrachten Leistungen zeitnah rückmelden, damit die im Modell hinterlegten Mengen mit dem tatsächlichen Baufortschritt übereinstimmen. Andernfalls drohen Verzögerungen bei der Rechnungsstellung oder Diskussionen über die korrekte Höhe der abzurechnenden Mengen.

Vor der ersten modellbasierten Abschlagsrechnung empfiehlt sich zudem, mit dem Auftraggeber schriftlich zu klären, welche Mengenquelle im Streitfall maßgeblich ist. Diese Klarheit vermeidet spätere Auseinandersetzungen darüber, ob Modelldaten oder ein ergänzendes Aufmaß den Ausschlag geben.

FAQ

Häufige Fragen zu Modellbasierte Abrechnung

Was muss vor Ausführungsbeginn vertraglich geklärt sein?
Ob Mengen aus dem Modell für die Abrechnung maßgeblich sind oder ob weiterhin ein örtliches Aufmaß gilt. Fehlt diese Festlegung, entsteht Streit darüber, welcher Wert im Zweifel zählt. Regeln Sie zugleich, wie mit Abweichungen zwischen Modell und Ausführung umgegangen wird, denn solche Abweichungen treten bei Bauvorhaben regelmäßig auf.
Für welche Gewerke lohnt sich das am ehesten?
Für Leistungen mit großen, zusammenhängenden und gut im Modell abbildbaren Mengen, etwa Estrich-, Boden- oder Fassadenflächen. Dort spart der Verzicht auf ein zusätzliches Vor-Ort-Aufmaß spürbar Zeit. Bei kleinteiligen Leistungen mit vielen Anschlüssen bleibt der Prüfaufwand hoch. Entscheidend ist in beiden Fällen die Pflege der Modelldaten.
Was ist der Unterschied zur modellbasierten Ausschreibung?
Die Ausschreibung ermittelt Mengen vor Baubeginn für die Vergabe, die Abrechnung betrifft die Phase danach, in der die tatsächlich erbrachte Leistung vergütet wird. Beide beruhen auf derselben gepflegten Datenbasis, verfolgen aber unterschiedliche Zwecke und haben unterschiedliche Folgen, wenn die Daten nicht stimmen. Eine falsche Ausschreibungsmenge kostet den Zuschlag, eine falsche Abrechnungsmenge unmittelbar Geld.
Worauf muss ich als ausführender Betrieb achten?
Auf die zeitnahe Rückmeldung der erbrachten Leistungen, damit die im Modell hinterlegten Mengen mit dem tatsächlichen Baufortschritt übereinstimmen. Andernfalls verzögert sich die Rechnungsstellung oder es wird über die Höhe der abzurechnenden Mengen diskutiert. Klären Sie vor der ersten Abschlagsrechnung schriftlich, welche Mengenquelle im Streitfall maßgeblich ist.

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