Modellbasierte Mengenermittlung
Bei der modellbasierten Mengenermittlung werden Mengen direkt aus den Bauteilen eines Gebäudemodells abgeleitet statt aus Plänen abgegriffen.
Bei der modellbasierten Mengenermittlung stammen die Mengen aus einem digitalen Gebäudemodell. Jedes Bauteil trägt seine Geometrie und seine Eigenschaften; daraus lassen sich Flächen, Volumen, Längen und Stückzahlen filtern und zusammenfassen. Statt Flächen im Plan abzugreifen, wird abgefragt, etwa alle Innenwände eines Geschosses mit einem bestimmten Aufbau.
Der Vorteil gegenüber der Mengenermittlung aus Plänen liegt in Geschwindigkeit und Nachführbarkeit. Ändert sich das Modell, lässt sich die Abfrage wiederholen, und die neuen Mengen liegen in Minuten vor. Bei Projekten mit häufigen Planänderungen ist das der eigentliche Gewinn, weil die Neuermittlung sonst jedes Mal von vorn beginnt.
Die Verlässlichkeit hängt vollständig von der Modellqualität ab. Falsch klassifizierte Bauteile, fehlende Eigenschaften und nicht modellierte Details führen zu Mengen, die vollständig aussehen und es nicht sind. Der vereinbarte Detaillierungsgrad bestimmt, wofür ein Modell überhaupt taugt: Aus einem Vorplanungsmodell lässt sich keine verbindliche Kalkulation ableiten.
Ein Beispiel aus dem Trockenbau zeigt die Abhängigkeit von der Modellierung: Sind Wände geschossweise durchgehend modelliert, während sie tatsächlich an einer abgehängten Decke enden, liefert die Abfrage zu große Flächen. Umgekehrt fehlen Flächen, wenn Vorsatzschalen als Teil der Wand und nicht als eigenes Bauteil geführt werden. Beide Fehler sind im Ergebnis nicht erkennbar, weil die Summe stimmig aussieht.
Daraus folgt eine praktische Regel: Vor der ersten Auswertung sollte an wenigen Bauteilen stichprobenartig geprüft werden, ob die Modellierung der eigenen Ausführungslogik entspricht. Diese Prüfung dauert eine knappe Stunde und entscheidet darüber, ob die gesamte Auswertung verwendbar ist.
Bezug zur Digitalisierung
Der Austausch erfolgt in der Regel über die IFC-Datei, sodass der Betrieb nicht dieselbe Software wie der Planer benötigt. Auswerteprogramme filtern Bauteile nach Eigenschaften und ordnen sie Positionen des Leistungsverzeichnisses zu.
KI-gestützte Verfahren ergänzen fehlende Klassifizierungen, erkennen Inkonsistenzen zwischen Modell und Plan und schlagen die Zuordnung von Bauteilen zu Leistungspositionen vor. Ebenso lassen sich Modelle auf Vollständigkeit prüfen, bevor kalkuliert wird.
Entscheidend bleibt der letzte Schritt: Modellmengen sind geometrische Mengen. Für die Abrechnung sind sie nach den gewerkespezifischen Regeln der VOB/C umzurechnen, die Abzüge und Übermessungen unterschiedlich regeln. Wer Modellmengen unverändert abrechnet, erhält Beanstandungen im Prüfverfahren.
Zu klären ist außerdem, wer das Modell liefert und in welcher Fassung. Ohne eindeutige Angabe von Modellstand und Ausgabedatum lässt sich später nicht feststellen, auf welcher Grundlage kalkuliert wurde. Bei Projekten mit häufigen Änderungen sollte die verwendete Modelldatei deshalb zusammen mit der Auswertung archiviert werden.
Praktischer Hinweis: Dokumentieren Sie, aus welchem Modellstand Ihre Mengen stammen, und nehmen Sie diesen Vorbehalt ins Angebot auf. Ohne ihn tragen Sie das Risiko späterer Modelländerungen, obwohl Sie das Modell weder erstellt noch verantwortet haben.
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Häufige Fragen zu Modellbasierte Mengenermittlung
Kann ich Modellmengen für die Nachtragsbegründung verwenden?
Welche Software brauche ich als ausführender Betrieb?
Wie gehe ich mit Bauteilen um, die im Modell fehlen?
Lohnt sich das auch bei kleinen Umbauprojekten?
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