Plausibilitätsprüfung der Kalkulation
Die Plausibilitätsprüfung vergleicht eine fertige Kalkulation mit Erfahrungswerten und Kennzahlen und markiert Ansätze, die auffällig abweichen, vor der Angebotsabgabe.
Die Plausibilitätsprüfung ist die Kontrolle einer fertigen Kalkulation vor der Abgabe. Geprüft wird nicht die Rechenrichtigkeit, die das Programm ohnehin sicherstellt, sondern die Sachrichtigkeit der Ansätze: Passen Zeitansätze zur Leistung, liegen Einheitspreise im erwarteten Bereich, ist der Materialanteil stimmig, fehlen Positionen, die üblicherweise dazugehören.
Der Anlass ist die Fehlerart, die im Handwerk am teuersten ist. Rechenfehler fallen auf; vergessene Positionen und zu knappe Zeitansätze nicht. Sie führen zu einem Angebot, das gewonnen wird, gerade weil es zu niedrig ist, und der Fehler zeigt sich erst in der Nachkalkulation, wenn der Auftrag abgearbeitet ist.
Bewährt hat sich eine Prüfung auf mehreren Ebenen: der Vergleich einzelner Einheitspreise mit früheren Angeboten, der Vergleich von Kennzahlen wie Lohnanteil oder Preis je Quadratmeter mit vergleichbaren Vorhaben und eine Vollständigkeitsprüfung anhand einer Checkliste typischer Randleistungen wie Untergrundvorbereitung, Entsorgung, Gerüst, Anfahrten und Schutzmaßnahmen.
Ein Beispiel aus dem Dachdeckerhandwerk zeigt, worauf die Prüfung zielt: Die Eindeckung selbst ist gut kalkulierbar, während Gerüststandzeit, Entsorgung der Altdeckung, Anschlüsse an Durchdringungen und der Aufwand für Sicherungsmaßnahmen häufig zu knapp angesetzt werden. Diese Positionen machen einen erheblichen Teil der Kosten aus, tauchen aber im Leistungsverzeichnis oft nur am Rand auf.
Hilfreich ist deshalb eine feste Kennzahl je Auftragsart, etwa der Anteil der Lohnkosten an der Angebotssumme. Weicht dieser Anteil bei einem Angebot deutlich vom Erfahrungswert ab, liegt fast immer ein sachlicher Grund vor, der benannt werden kann. Lässt sich keiner benennen, ist die Abweichung ein Fehler.
Wo KI ansetzt
Auswertende Verfahren vergleichen die aktuelle Kalkulation automatisch mit abgeschlossenen Aufträgen des Betriebs und markieren Positionen, deren Ansatz deutlich abweicht. Sprachmodelle prüfen das Leistungsverzeichnis gegen die kalkulierten Positionen und weisen auf beschriebene Leistungsteile hin, für die kein Ansatz vorliegt.
Voraussetzung ist eine belastbare eigene Datengrundlage. Ohne Nachkalkulation fehlen die Vergleichswerte, und die Prüfung beschränkt sich auf allgemeine Annahmen, die für den einzelnen Betrieb wenig aussagen. Ein System, das ohne eigene Daten Preise bewertet, liefert eine Einschätzung ohne Grundlage.
Voraussetzung im Betrieb ist, dass die Prüfung fest im Ablauf verankert ist und nicht am Abgabetag stattfindet. Unter Zeitdruck wird sie zur Formalie. Sinnvoll ist, den internen Abgabetermin bewusst vor die Frist des Auftraggebers zu legen und diesen Puffer nicht für zusätzliche Positionen, sondern ausschließlich für die Kontrolle zu verwenden.
Praktischer Hinweis: Führen Sie die Prüfung mit Abstand durch, möglichst am Folgetag und nach Möglichkeit durch eine zweite Person. Die meisten übersehenen Positionen werden nicht durch Kennzahlen gefunden, sondern durch einen unbefangenen Blick auf das Leistungsverzeichnis.
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Häufige Fragen zu Plausibilitätsprüfung der Kalkulation
Welche Fehler findet sie, die sonst durchrutschen?
Auf welchen Ebenen prüfe ich?
Wann soll die Prüfung stattfinden?
Was brauche ich, damit automatische Prüfungen etwas taugen?
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