Glossar

Vier-Augen-Prinzip bei KI-Texten

Das Vier-Augen-Prinzip bei KI-Texten bedeutet, dass eine zweite Person maschinell erzeugte Entwürfe mit rechtlicher oder wirtschaftlicher Tragweite vor der Verwendung gegenliest.

Das Vier-Augen-Prinzip verlangt, dass ein Vorgang von einer zweiten Person geprüft wird, bevor er wirksam wird. Im Zusammenhang mit KI-Texten bedeutet das: Ein maschinell erzeugter Entwurf wird nicht nur von seinem Verfasser gelesen, sondern zusätzlich von jemandem, der ihn nicht selbst erzeugt hat.

Der Grund liegt in einem Effekt, der aus dem Korrekturlesen bekannt ist. Wer einen Text selbst veranlasst hat, liest häufig das, was er erwartet, und überliest Abweichungen. Bei KI-Entwürfen verstärkt sich das, weil der Text flüssig und selbstsicher formuliert ist. Ein Preis, der nicht aus der Kalkulation stammt, oder ein Ausführungstermin, den niemand zugesagt hat, fällt der zweiten Person eher auf.

Es hilft, den Zweck offen zu benennen. Die zweite Prüfung ist keine Kontrolle der Person, die den Entwurf erstellt hat, sondern eine Kontrolle des Werkzeugs. Wo dieser Unterschied nicht klar ist, wird die Regel als Misstrauen empfunden und stillschweigend umgangen. Sinnvoll ist deshalb, sie ausdrücklich an die Nutzung von KI-Werkzeugen zu knüpfen und in der KI-Nutzungsrichtlinie so zu formulieren, dass sie für alle gilt, von der Auszubildenden bis zur Geschäftsführung.

Wo KI ansetzt

Sinnvoll ist die Beschränkung auf Schreiben mit Tragweite. Im Handwerks- und Bauumfeld sind das Angebote ab einer festzulegenden Größe, Nachtragsangebote, Mängelrügen mit Fristsetzung, Behinderungsanzeigen, Kündigungen und alle Schreiben, die Fristen in Gang setzen. Für Baustellenprotokolle, interne Notizen und einfache Terminbestätigungen wäre der Aufwand unverhältnismäßig.

In kleinen Betrieben ist die zweite Person oft der Inhaber selbst. Wo das nicht praktikabel ist, hilft eine zeitliche Trennung: Der Entwurf wird nicht sofort, sondern am nächsten Morgen nochmals gelesen. Das ist schwächer als eine zweite Person, aber deutlich besser als die unmittelbare Freigabe.

Vom Vier-Augen-Prinzip zu unterscheiden ist die Gegenprüfung durch ein zweites Werkzeug. Ein zweites Modell kann Widersprüche aufzeigen, ersetzt aber keine menschliche Beurteilung, weil es dieselben Fehlerarten produzieren kann.

Zu klären ist, wer im Betrieb überhaupt als zweite Person in Frage kommt. Bei fachlichen Inhalten braucht es jemanden, der das Gewerk beurteilen kann; bei vertraglichen Fragen ist das eher der kaufmännisch Verantwortliche. In größeren Betrieben lässt sich das nach Schreibtyp zuordnen, in kleineren übernimmt der Inhaber beides. Wichtig ist, dass die Zuständigkeit benannt ist, weil sonst jeder davon ausgeht, der andere habe bereits gelesen.

Praktisch gehört die Festlegung, welche Schreiben gegengelesen werden, in dieselbe Übersicht wie der übrige Freigabeprozess. Wichtiger als der Umfang der Regel ist, dass sie im Alltag eingehalten wird. Eine kurze Liste mit vier Schreibtypen wirkt besser als eine ausführliche Verfahrensbeschreibung, die niemand liest.

FAQ

Häufige Fragen zu Vier-Augen-Prinzip bei KI-Texten

Für welche Schreiben lohnt sich der Aufwand?
Für alles, was Geld oder Fristen bewegt: größere Angebote, Nachträge, Mängelrügen mit Fristsetzung, Behinderungsanzeigen, Kündigungen. Ab welchem Betrag das gilt, legt der Betrieb selbst fest. Protokolle, interne Vermerke und Terminbestätigungen bleiben außen vor; eine Regel, die alles erfasst, wird binnen weniger Wochen umgangen und schützt dann gar nichts mehr.
Warum reicht das eigene Gegenlesen nicht?
Weil das Auge bei eigenen Texten das Erwartete sieht statt das Geschriebene. Bei maschinellen Entwürfen kommt hinzu, dass sie souverän klingen und deshalb wenig Widerstand erzeugen. Ein Preis ohne Grundlage in der Kalkulation oder ein Termin, den niemand zugesagt hat, springt jemandem an, der den Vorgang nicht selbst angestoßen hat.
Wie vermeide ich, dass die Regel als Misstrauen ankommt?
Indem Sie den Zweck offen benennen: Die zweite Prüfung kontrolliert das Werkzeug, nicht die Person, die den Entwurf erstellt hat. Wo dieser Unterschied nicht klar ist, wird die Regel stillschweigend umgangen. Formulieren Sie sie ausdrücklich für den Einsatz von KI-Werkzeugen und so, dass sie für alle gilt, von der Auszubildenden bis zur Geschäftsführung.
Was tue ich, wenn keine zweite Person verfügbar ist?
Lassen Sie die Nacht dazwischen. Wer den Entwurf am nächsten Morgen noch einmal liest, findet erstaunlich viel, was am Vorabend durchgegangen wäre. Ersatz für eine zweite Person ist das nicht, aber es ist besser als die Freigabe im Anschluss ans Schreiben. Ein zweites Programm hilft hier wenig, weil es dieselben Fehlerarten produziert.

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