Glossar

De-minimis-Beihilfe

Eine De-minimis-Beihilfe ist eine staatliche Förderung unterhalb einer EU-rechtlichen Bagatellgrenze, die deshalb ohne beihilferechtliche Genehmigung gewährt werden darf.

De-minimis-Beihilfen sind staatliche Zuwendungen, die so gering sind, dass sie den Wettbewerb im europäischen Binnenmarkt nach Einschätzung der EU nicht spürbar beeinträchtigen. Sie können deshalb ohne vorherige Genehmigung durch die Europäische Kommission gewährt werden. Grundlage ist die jeweils geltende De-minimis-Verordnung.

Der Mechanismus beruht auf einem Höchstbetrag, den ein Unternehmen innerhalb eines bestimmten rollierenden Zeitraums an De-minimis-Beihilfen erhalten darf. Alle entsprechenden Förderungen werden zusammengerechnet, unabhängig davon, von welcher Stelle sie stammen, ob Bund, Land oder Kommune. Höchstbetrag und Zeitraum stehen in der aktuell geltenden Verordnung und sollten vor Antragstellung geprüft werden, weil sie angepasst werden.

Für Handwerksbetriebe bedeutet das eine Nachweispflicht. Bei jedem Antrag ist zu erklären, welche De-minimis-Beihilfen der Betrieb im maßgeblichen Zeitraum bereits erhalten hat. Grundlage sind die De-minimis-Bescheinigungen, die mit jedem Bescheid ausgestellt werden. Wer diese Bescheinigungen nicht sammelt, kann die Erklärung nicht belastbar abgeben, und der Antrag verzögert sich.

Zu beachten ist der Unternehmensbegriff. Verbundene Unternehmen gelten beihilferechtlich als ein einziges Unternehmen. Bei Betrieben mit Besitz- und Betriebsgesellschaft oder mit mehreren Gesellschaften desselben Inhabers werden die Beihilfen deshalb zusammengerechnet.

Zu beachten ist der maßgebliche Zeitraum. Gerechnet wird über mehrere zurückliegende Jahre, wobei die Zählung fortlaufend erfolgt und nicht am Kalenderjahr endet. Eine Beihilfe aus einem früheren Vorhaben kann deshalb einen aktuellen Antrag noch begrenzen, auch wenn sie gefühlt lange zurückliegt. Für die Erklärung zählt das Datum der Bewilligung, nicht das der Auszahlung.

Praktisch wichtig ist die Aufbewahrung der Bescheinigungen. Sie sind über einen mehrjährigen Zeitraum vorzuhalten und werden bei Prüfungen verlangt. Da sie oft als Anlage zum Bescheid kommen und nicht als eigenständiges Dokument wahrgenommen werden, verschwinden sie regelmäßig in der Ablage des jeweiligen Vorhabens statt in einer gemeinsamen Übersicht.

Bezug zur Digitalisierung

Viele Programme, die für Handwerksbetriebe interessant sind, laufen als De-minimis-Beihilfe: Beratungsförderungen, Landeszuschüsse für Digitalisierungsvorhaben und Investitionszuschüsse. Wer mehrere Vorhaben in kurzer Folge fördern lassen will, etwa eine Beratung und anschließend eine Softwareanschaffung, sollte den Rahmen im Blick behalten. Ist er ausgeschöpft, wird der spätere Antrag abgelehnt, auch wenn er inhaltlich passt.

Praktisch bewährt sich eine einfache Übersicht im Betrieb: eine Liste aller erhaltenen Beihilfen mit Datum, Programm, Betrag und Ablage der Bescheinigung. Diese Liste beantwortet die Frage bei jedem neuen Antrag in wenigen Minuten.

Ein Beispiel aus einem Metallbaubetrieb: Nach einer geförderten Beratung und einem Landeszuschuss für Software soll im Folgejahr eine weitere Maßnahme gefördert werden. Erst die Zusammenstellung der bisherigen Beihilfen zeigt, welcher Rahmen noch verfügbar ist und ob sich die Reihenfolge der Vorhaben lohnt.

Nicht jede Förderung ist eine De-minimis-Beihilfe. Manche Programme stützen sich auf andere beihilferechtliche Grundlagen mit eigenen Grenzen. Welche Einordnung gilt, steht im Zuwendungsbescheid und in den Programmunterlagen.

FAQ

Häufige Fragen zu De-minimis-Beihilfe

Welche Beihilfen werden zusammengerechnet?
Alle De-minimis-Beihilfen, unabhängig davon, ob sie von Bund, Land oder Kommune stammen. Höchstbetrag und maßgeblicher Zeitraum stehen in der jeweils geltenden Verordnung und sind vor Antragstellung zu prüfen, weil sie angepasst werden. Für die Erklärung zählt das Datum der Bewilligung, nicht das der Auszahlung. Sinnvoll ist deshalb, die maßgeblichen Werte unmittelbar vor jeder Antragstellung erneut zu prüfen.
Was gilt bei mehreren Gesellschaften eines Inhabers?
Verbundene Unternehmen gelten beihilferechtlich als ein einziges Unternehmen. Bei Betrieben mit Besitz- und Betriebsgesellschaft oder mehreren Gesellschaften desselben Inhabers werden die Beihilfen deshalb zusammengerechnet. Das führt regelmäßig zu einer Überschreitung, mit der niemand gerechnet hat. Sinnvoll ist deshalb, die Gesellschaftsstruktur vor der Antragstellung offenzulegen und den Rahmen für den gesamten Verbund zu ermitteln. Eine spätere Korrektur ist deutlich aufwendiger.
Warum sind die Bescheinigungen so wichtig?
Weil bei jedem Antrag zu erklären ist, welche De-minimis-Beihilfen der Betrieb im maßgeblichen Zeitraum erhalten hat. Grundlage sind die Bescheinigungen, die mit jedem Bescheid ausgestellt werden. Sie kommen oft als Anlage und verschwinden dann in der Ablage des jeweiligen Vorhabens statt in einer gemeinsamen Übersicht. Sinnvoll ist deshalb, die Bescheinigungen unmittelbar nach Erhalt in einen gemeinsamen Ordner zu legen.
Wie behalte ich den Rahmen im Blick?
Mit einer einfachen Liste aller erhaltenen Beihilfen mit Datum, Programm, Betrag und Ablage der Bescheinigung. Sie beantwortet die Frage bei jedem neuen Antrag in Minuten. Wer mehrere Vorhaben in kurzer Folge fördern lassen will, kann daran auch die sinnvolle Reihenfolge ablesen. Sinnvoll ist außerdem, diese Liste vor jedem neuen Antrag zu aktualisieren statt sie nur einmal jährlich zu pflegen.

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