Glossar

Mitlaufende Kalkulation

Die mitlaufende Kalkulation vergleicht während der Ausführung laufend Soll und Ist eines Auftrags und macht Abweichungen sichtbar, solange noch gegengesteuert werden kann.

Die mitlaufende Kalkulation, auch begleitende Kalkulation genannt, vergleicht während der Ausführung fortlaufend die kalkulierten mit den tatsächlich angefallenen Kosten. Verglichen werden Stunden, Material, Fremdleistungen und Gerätekosten, jeweils bezogen auf den erreichten Leistungsstand.

Der Unterschied zur Nachkalkulation ist der Zeitpunkt und damit die Handlungsmöglichkeit. Die Nachkalkulation erklärt nach Abschluss, warum ein Auftrag das Ergebnis hatte, das er hatte. Die mitlaufende Kalkulation zeigt in der vierten von zwölf Wochen, dass der Stundenverbrauch nicht zum Baufortschritt passt, und lässt Zeit für Konsequenzen: Umdisposition, Nachtragsanmeldung, Gespräch mit dem Auftraggeber oder Anpassung der Ausführungsart.

Voraussetzung ist, dass beide Seiten des Vergleichs vorhanden sind. Die Ist-Seite entsteht aus Zeiterfassung und Materialbuchung, die Soll-Seite aus der Kalkulation und dem dokumentierten Baufortschritt. Fehlt der Fortschrittswert, ist der Stundenverbrauch allein nicht aussagekräftig, weil unklar bleibt, wie viel dafür geleistet wurde.

Ein Beispiel aus dem Rohbau macht den Nutzen deutlich: Sind nach der Hälfte der geplanten Bauzeit siebzig Prozent der kalkulierten Stunden verbraucht, aber erst vierzig Prozent der Leistung erbracht, ist das Ergebnis des Auftrags bereits absehbar. Wird das erst mit der Schlussrechnung sichtbar, bleibt nur noch die Feststellung des Verlusts.

Die häufigste Fehlerquelle ist ein zu grober Leistungsstand. Wird der Fortschritt pauschal für den gesamten Auftrag geschätzt, liegt die Einschätzung erfahrungsgemäß zu hoch, weil Restarbeiten und Nacharbeiten unterschätzt werden. Belastbarer sind Fortschrittswerte je Bauabschnitt oder je Position, verbunden mit einem einfachen, immer gleichen Bewertungsmaßstab.

Bezug zur Digitalisierung

Sind Zeiterfassung, Materialwirtschaft und Kalkulation im selben System verbunden, entsteht der Vergleich ohne Zusatzaufwand. Auswertungen zeigen je Position oder Bauabschnitt, wo der Verbrauch über dem Ansatz liegt.

KI-gestützte Verfahren ergänzen Frühwarnungen. Aus dem Verlauf vergleichbarer abgeschlossener Aufträge lässt sich hochrechnen, wohin ein laufender Auftrag steuert, wenn sich der bisherige Verbrauch fortsetzt. Ebenso lassen sich Muster erkennen, etwa dass Mehrstunden regelmäßig in bestimmten Bauphasen entstehen. Solche Auswertungen sind Hinweise für die Bauleitung, keine Bewertung einzelner Mitarbeiter, und sollten auch so kommuniziert werden.

Voraussetzung im Betrieb ist eine zeitnahe Erfassung. Werden Stunden erst am Monatsende gesammelt eingereicht und Lieferscheine erst mit der Rechnung gebucht, hinkt die Auswertung dem Baugeschehen so weit hinterher, dass sie ihre Steuerungswirkung verliert. Tägliche oder wöchentliche Erfassung ist deshalb weniger eine Kontrollfrage als die technische Bedingung dafür, dass die mitlaufende Kalkulation überhaupt funktioniert.

Praktischer Hinweis: Legen Sie eine Schwelle fest, ab der die Bauleitung informiert wird, etwa eine bestimmte Abweichung zwischen Stundenverbrauch und Leistungsstand. Ohne feste Schwelle werden Auswertungen zwar erzeugt, aber nicht gelesen.

FAQ

Häufige Fragen zu Mitlaufende Kalkulation

Wie oft sollte ich den Soll-Ist-Vergleich anschauen?
Bei Aufträgen über mehrere Wochen genügt ein wöchentlicher Blick, bei kurzen und personalintensiven Aufträgen eher zweimal pro Woche. Wichtiger als die Frequenz ist, dass der Termin fest im Kalender steht und dass eine Person benannt ist, die daraufhin entscheidet. Ein Bericht, den niemand liest, kostet Erfassungsaufwand und bringt nichts. Halten Sie die Entscheidungen aus dem Termin kurz schriftlich fest.
Was ist der Unterschied zur Vorkalkulation?
Die Vorkalkulation entsteht vor dem Auftrag und bildet die Grundlage des Angebotspreises. Die mitlaufende Kalkulation nimmt diese Werte als Sollgröße und misst den laufenden Verbrauch daran. Sie ersetzt die Vorkalkulation nicht, sondern prüft deren Annahmen unter realen Bedingungen. Erst die Nachkalkulation schließt den Kreis und liefert korrigierte Ansätze für die nächste Vorkalkulation.
Wie schätze ich den Leistungsstand realistisch ein?
Arbeiten Sie mit einem immer gleichen, groben Maßstab je Position oder Bauabschnitt, etwa in Viertelschritten, und lassen Sie die Einschätzung von der Person vornehmen, die vor Ort war. Prüfen Sie sie regelmäßig gegen Mengen, die sich zählen lassen: verlegte Quadratmeter, gesetzte Stück, eingebrachte Kubikmeter. Wo eine Menge messbar ist, sollte sie die Schätzung ersetzen.
Was mache ich, wenn die Auswertung eine Überschreitung zeigt?
Zuerst die Ursache klären, nicht den Wert diskutieren. Häufige Gründe sind falsch gebuchte Stunden, ein anderer Bauablauf als geplant, zusätzlich ausgeführte Leistungen oder eine zu knappe Vorkalkulation. Je nach Ursache folgt eine Umdisposition, eine Nachtragsanmeldung oder ein Gespräch mit dem Auftraggeber. Die Reihenfolge ist entscheidend: Erst mit der Ursache steht fest, welche Maßnahme passt.

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