Glossar

Mittellohn

Der Mittellohn ist der durchschnittliche Lohnaufwand je Stunde einer Kolonne und dient als Rechengröße für die Lohnkosten in der Kalkulation.

Der Mittellohn ist der gewichtete durchschnittliche Lohn je Arbeitsstunde einer Kolonne oder eines Betriebs. Gebildet wird er aus den Löhnen der beteiligten Beschäftigten, gewichtet nach ihrem Anteil an den geleisteten Stunden. Ein Team aus Meister, Geselle und Auszubildendem hat einen anderen Mittellohn als eine Kolonne aus drei Gesellen.

Er ist eine Rechengröße der Kalkulation und nicht mit dem Verrechnungssatz gegenüber dem Kunden zu verwechseln. Der Mittellohn erfasst zunächst nur den Lohnaufwand; hinzu kommen Lohnnebenkosten, Zuschläge, Gemeinkosten sowie Wagnis und Gewinn, bis daraus der kalkulatorische Stundensatz wird.

Praktisch bedeutsam ist die Kolonnenzusammensetzung. Wird mit einem Mittellohn kalkuliert, der einen hohen Anteil günstiger Kräfte unterstellt, die Arbeit dann aber von zwei Meistern ausgeführt, entsteht eine Unterdeckung, die im Auftrag nicht sichtbar wird. Umgekehrt führt ein zu hoher Ansatz zu nicht wettbewerbsfähigen Preisen. Betriebe mit stark unterschiedlichen Auftragsarten sollten deshalb mit mehreren Mittellöhnen arbeiten statt mit einem Betriebsdurchschnitt.

Ein Beispiel aus dem Elektrohandwerk zeigt die Wirkung: Werden Installationsarbeiten mit einer Kolonne aus Geselle und Auszubildendem kalkuliert, tatsächlich aber wegen Terminenge von zwei Gesellen ausgeführt, liegt der Lohnaufwand über dem Ansatz, obwohl niemand länger gearbeitet hat als geplant. Der Auftrag erscheint in der Auswertung als Zeitüberschreitung, obwohl die Ursache in der Besetzung liegt.

Eine zweite Fehlerquelle sind Zuschläge, die im Mittellohn untergehen. Überstunden-, Erschwernis- und Auslösezuschläge fallen bei Montagebaustellen mit Übernachtung regelmäßig an, werden aber selten im Ansatz berücksichtigt. Sinnvoll ist ein eigener Ansatz für auswärtige Baustellen, statt den Betriebsdurchschnitt pauschal anzuheben.

Bezug zur Digitalisierung

Die Datengrundlage liefert die Verbindung von Lohnabrechnung und Zeiterfassung. Ist erfasst, welcher Mitarbeiter wie viele Stunden auf welchen Auftrag gebucht hat, lässt sich der tatsächliche Mittellohn je Auftrag ermitteln und mit dem kalkulierten vergleichen.

Auswertungen zeigen dann, bei welchen Auftragsarten die tatsächliche Kolonnenzusammensetzung regelmäßig von der kalkulierten abweicht. Diese Abweichung ist in vielen Betrieben eine stille Ergebnisbelastung, weil sie sich über viele Aufträge verteilt und im Einzelfall nie auffällt. Die Nachkalkulation macht sie sichtbar.

Voraussetzung für die Ermittlung ist eine mitarbeiterbezogene Zuordnung der Stunden. Werden Stunden nur als Kolonnensumme gebucht, lässt sich der tatsächliche Mittellohn nicht bestimmen. Bei der Auswertung solcher Daten sind zugleich die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats und der Grundsatz der Datenminimierung zu beachten: Ziel ist die Bewertung des Auftrags, nicht die Leistungskontrolle einzelner Beschäftigter.

Praktischer Hinweis: Kalkulieren Sie den Mittellohn für die Kolonne, die den Auftrag tatsächlich ausführen wird, nicht für den Betriebsdurchschnitt. Gerade bei kleinen Betrieben mit wenigen Beschäftigten ist der Unterschied zwischen beiden Werten erheblich.

FAQ

Häufige Fragen zu Mittellohn

Wie viele Mittellöhne sollte ein Betrieb führen?
So viele, wie es deutlich unterschiedliche Auftragsarten gibt. Ein Betrieb mit Service, Neubau und auswärtiger Montage fährt mit drei Ansätzen besser als mit einem Gesamtdurchschnitt. Mehr als eine Handvoll wird unübersichtlich und dann nicht mehr gepflegt. Prüfen Sie die Aufteilung an der Frage, ob sich die typische Kolonnenbesetzung zwischen den Bereichen wirklich unterscheidet.
Gehören die Lohnnebenkosten in den Mittellohn?
Das hängt von der gewählten Systematik ab, und genau hier entstehen Rechenfehler. Üblich ist, den Mittellohn zunächst als reinen Lohnaufwand zu bilden und die Nebenkosten anschließend als Zuschlag zu rechnen. Entscheidend ist, dass die Systematik im Betrieb einheitlich bleibt und nicht in einer Kalkulation enthalten und in der nächsten zusätzlich aufgeschlagen wird.
Wie oft muss der Mittellohn angepasst werden?
Mindestens dann, wenn Tariferhöhungen wirksam werden, sich die Belegschaft verändert oder Auszubildende in ein anderes Lehrjahr wechseln. Ein fester jährlicher Termin verhindert, dass die Anpassung liegen bleibt. Rechnen Sie zusätzlich nach, wenn eine Kolonne dauerhaft anders besetzt ist als kalkuliert, denn dann stimmt der Ansatz unabhängig von jeder Tarifrunde nicht mehr.
Wie behandle ich Auslösen und Zuschläge bei Montagebaustellen?
Besser als ein pauschaler Aufschlag auf den Betriebsdurchschnitt ist ein eigener Ansatz für auswärtige Baustellen, in dem Übernachtung, Verpflegungsmehraufwand und die typischen Zuschläge enthalten sind. Sonst tragen die Baustellen vor der Haustür die Kosten der Montage mit, ohne dass es jemand bemerkt. Die konkreten Sätze ergeben sich aus Tarifvertrag und betrieblicher Regelung.

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