Glossar

Nevaris

Nevaris ist eine Bausoftware für Kalkulation, Ausschreibung und Bauabrechnung. Funktionsumfang und Konditionen sind beim Anbieter zu prüfen.

Nevaris gehört zur Kategorie der Bausoftware für Kalkulation, Ausschreibung und Bauabrechnung. Für Handwerks- und Bauunternehmen ist weniger der einzelne Anbietername entscheidend als die Frage, welche Aufgaben eine Lösung dieser Kategorie im eigenen Betrieb übernehmen soll und wie sie sich in die vorhandene Systemlandschaft einfügt.

Lösungen dieser Kategorie decken typischerweise ab: Import und Bearbeitung von Leistungsverzeichnissen im GAEB-Format, Kalkulation nach Einheitspreisen, Aufmaß und Abrechnung nach den Regeln der Bauabrechnung, Nachtragsbearbeitung sowie Auswertungen zum Projektstand. Der Schwerpunkt liegt auf Bauunternehmen und größeren Handwerksbetrieben mit Ausschreibungsgeschäft.

Für Betriebe, die regelmäßig an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen, ist die Unterstützung der GAEB-Datenarten das zentrale Kriterium: Sie entscheidet darüber, ob ein Angebot in der geforderten Form zurückgeliefert werden kann. Wer stattdessen über Excel geht, zerstört die Struktur des Leistungsverzeichnisses und riskiert bei öffentlichen Vergaben den Ausschluss.

Wie das in der Praxis abläuft, zeigt ein Metallbaubetrieb mit Fassaden- und Geländerbau. Die Vergabestelle stellt das Leistungsverzeichnis als D81-Datei bereit, der Betrieb kalkuliert die Positionen und liefert die Preise als D84 zurück. Positionen ohne eigene Fertigung werden vorher an Zulieferer angefragt, deren Preise fließen in dieselbe Struktur ein. Die häufigste Fehlerquelle liegt bei den Bedarfs- und Eventualpositionen: Werden sie wie normale Positionen bepreist und in die Angebotssumme eingerechnet, weicht das Angebot rechnerisch von den Vorgaben ab. Bei öffentlichen Vergaben kann bereits eine formale Abweichung zum Ausschluss führen, ohne dass der Preis überhaupt gewertet wird.

Auswahlkriterien für diese Kategorie

Fünf Punkte entscheiden bei Lösungen dieser Art über die Eignung, unabhängig vom Anbieter:

Schnittstellen. Lässt sich die Lösung mit der vorhandenen Branchensoftware, der Buchhaltung und dem Großhandel verbinden? Eine fehlende Anbindung erzeugt genau dort eine Doppelerfassung, die eigentlich beseitigt werden sollte.

Datenexport beim Anbieterwechsel. In welchem Format bekommen Sie Ihre Daten heraus, wenn Sie kündigen, und was kostet das? Wer darauf keine klare schriftliche Antwort gibt, verkauft eine Abhängigkeit.

Offline-Fähigkeit. Auf Baustellen in Rohbau, Keller oder ländlicher Umgebung besteht regelmäßig kein Empfang. Eine Lösung, die ohne Verbindung nicht speichert, fällt dort aus, wo sie gebraucht wird.

Gesamtkosten. Die Lizenz ist der kleinere Teil. Hinzu kommen Einrichtung, Datenübernahme, Schulung und die interne Zeit für Stammdatenpflege — im ersten Jahr häufig ein Mehrfaches der Lizenzkosten.

Datenschutz. Werden personenbezogene Daten verarbeitet, sind ein Auftragsverarbeitungsvertrag und Klarheit über den Serverstandort erforderlich.

Abzugrenzen ist Bausoftware dieser Art von der klassischen Handwerkersoftware: Diese ist auf das eigene Angebot mit eigenen Leistungsbausteinen ausgelegt, während Bausoftware das fremde Leistungsverzeichnis verarbeitet und die Abrechnung nach den Regeln des Aufmaßes nach VOB unterstützt. Betriebe mit gemischtem Geschäft aus Privatkunden und Ausschreibungen betreiben deshalb häufig beides und sollten vorab festlegen, welches System die Stammdaten führt.

Prüfen Sie den tatsächlichen Funktionsumfang und die Konditionen beim Anbieter und testen Sie mit einem echten Vorgang aus Ihrem Betrieb, nicht mit dem Demobeispiel.

FAQ

Häufige Fragen zu Nevaris

Was unterscheidet Bausoftware von Handwerkersoftware?
Handwerkersoftware ist auf das eigene Angebot mit eigenen Leistungsbausteinen ausgelegt. Bausoftware verarbeitet das fremde Leistungsverzeichnis und unterstützt die Abrechnung nach den Regeln des Aufmaßes am Bau. Betriebe mit gemischtem Geschäft betreiben häufig beides und sollten vorab festlegen, welches System die Stammdaten führt. Sinnvoll ist deshalb, vor der Auswahl festzulegen, welches System die Stammdaten führt und wie Daten zwischen beiden fließen.
Welches Kriterium ist bei Ausschreibungsgeschäft entscheidend?
Die Unterstützung der GAEB-Datenarten. Sie entscheidet darüber, ob ein Angebot in der geforderten Form zurückgeliefert werden kann. Wer stattdessen über eine Tabellenkalkulation geht, zerstört die Struktur des Leistungsverzeichnisses und riskiert bei öffentlichen Vergaben den Ausschluss. Sinnvoll ist deshalb, sich die unterstützten Datenarten vom Anbieter schriftlich bestätigen zu lassen und die Rückgabe einmal an einem echten Verzeichnis zu erproben.
Wo passieren die teuersten Fehler?
Bei Bedarfs- und Eventualpositionen. Werden sie wie normale Positionen bepreist und in die Angebotssumme eingerechnet, weicht das Angebot rechnerisch von den Vorgaben ab. Bei öffentlichen Vergaben kann bereits eine formale Abweichung zum Ausschluss führen, ohne dass der Preis überhaupt gewertet wird. Sinnvoll ist deshalb, nach jedem Import zu prüfen, wie die Software diese Positionsarten ausweist und ob sie aus der Summe herausgenommen werden.
Welche Prüfpunkte gelten in dieser Kategorie allgemein?
Schnittstellen zu Branchensoftware, Buchhaltung und Großhandel, ein schriftlich zugesagter Datenexport beim Anbieterwechsel, Offline-Fähigkeit für die Baustelle, die Gesamtkosten einschließlich Einführung und Schulung sowie Auftragsverarbeitungsvertrag und Verarbeitungsort bei personenbezogenen Daten. Sinnvoll ist deshalb, diese Punkte vor der ersten Vorführung schriftlich festzuhalten und bei jedem Anbieter identisch abzufragen. Erst damit werden Angebote vergleichbar, und der Betrieb behält die Entscheidungsgrundlage in der Hand.

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