Glossar

Soll-Ist-Abweichung

Die Soll-Ist-Abweichung beziffert den Unterschied zwischen geplanten und tatsächlichen Werten eines Auftrags, etwa bei Stunden, Materialkosten oder Terminen.

Die Soll-Ist-Abweichung ist die Differenz zwischen einem geplanten und einem tatsächlich eingetretenen Wert. Sie wird absolut in Stunden, Euro oder Tagen angegeben und zusätzlich relativ als Anteil am Sollwert. Die Formel lautet: Ist-Wert minus Soll-Wert, geteilt durch Soll-Wert. Betrachtet werden üblicherweise Lohnstunden, Materialkosten, Fremdleistungen und Fertigstellungstermine. Anders als das Nachkalkulationsergebnis, das nach Auftragsende gebildet wird, ist die Soll-Ist-Abweichung eine mitlaufende Größe: Sie wird während der Ausführung gebildet und dient der Steuerung im laufenden Projekt.

Damit sie im laufenden Projekt aussagekräftig ist, muss der Sollwert auf den Fertigstellungsgrad bezogen werden. Ein Dachdecker, der nach der Hälfte der kalkulierten Stunden erst ein Drittel der Fläche gedeckt hat, weiß, dass eine Überschreitung bevorsteht, und kann noch reagieren. Ohne diesen Bezug lässt sich lediglich feststellen, dass Stunden verbraucht wurden. Ein Elektriker im Neubau vergleicht die gebuchten Stunden je Bauabschnitt mit der Kalkulation und erkennt, ob die Rohinstallation im Rahmen liegt. Ein Bauunternehmen prüft wöchentlich je Baustelle Stunden, Material und Baufortschritt. Ein Malerbetrieb sieht bei mehreren gleichartigen Wohneinheiten schon nach der ersten, ob der Zeitansatz für alle weiteren stimmt.

Wichtig ist der Umgang mit dem Ergebnis. Eine Abweichung ist zunächst nur eine Information; sie kann auf zu knappe Kalkulation, geänderten Leistungsumfang, schlechte Vorleistung oder tatsächliche Ausführungsprobleme zurückgehen. Ohne Klärung der Ursache führt sie zu falschen Schlüssen. Bei geändertem Leistungsumfang muss zuerst geprüft werden, ob ein Nachtrag zu stellen ist; erst danach ist die verbleibende Abweichung aussagekräftig. Ebenso gehört festgelegt, wer die Abweichung bewertet. In einem kleinen Betrieb ist das die Betriebsleitung, in einem größeren die Bauleitung mit einer Meldeschwelle nach oben. Ohne diese Zuständigkeit werden Abweichungen zwar erzeugt, aber nicht bearbeitet.

Bezug zur Digitalisierung

Voraussetzung ist, dass Sollwerte aus der Kalkulation im System hinterlegt sind und Ist-Werte laufend auf denselben Auftrag gebucht werden. Bei Erfassung auf Papier mit wöchentlicher Übertragung ist die Abweichung immer veraltet, wenn sie sichtbar wird. Mobile Zeiterfassung und die direkte Zuordnung von Materialbelegen liefern die Ist-Seite tagesaktuell. Der Fertigstellungsgrad muss dagegen eingeschätzt und gemeldet werden, was am zuverlässigsten über eine kurze regelmäßige Rückmeldung der Bauleitung funktioniert.

KI kann Abweichungen automatisch erkennen und melden, sobald definierte Schwellen überschritten werden, statt sie in einer Liste abzulegen, die niemand liest. Praktisch bewährt sich, für die laufenden Projekte einen wöchentlichen Blick auf die Abweichung festzulegen und Schwellen zu definieren, ab denen eine Rückmeldung an die Betriebsleitung erfolgt.

FAQ

Häufige Fragen zu Soll-Ist-Abweichung

Warum muss der Sollwert auf den Fertigstellungsgrad bezogen werden?
Sonst lässt sich nur feststellen, dass Stunden verbraucht wurden. Wer nach der Hälfte der kalkulierten Stunden erst ein Drittel der Fläche fertig hat, weiß dagegen, dass eine Überschreitung bevorsteht, und kann noch reagieren. Der Fertigstellungsgrad muss dafür eingeschätzt und gemeldet werden, am zuverlässigsten über eine kurze Rückmeldung der Bauleitung.
Was ist der Unterschied zum Nachkalkulationsergebnis?
Das Nachkalkulationsergebnis wird nach Auftragsende gebildet und erklärt im Rückblick, woran es lag. Die Soll-Ist-Abweichung läuft während der Ausführung mit und ermöglicht ein Eingreifen, solange der Auftrag noch nicht abgearbeitet ist. Beide brauchen dieselbe Datengrundlage, unterscheiden sich aber im Zeitpunkt und im Zweck.
Was sagt eine Abweichung noch nicht?
Ihre Ursache. Dieselbe Zahl entsteht bei zu knapper Kalkulation, bei geändertem Umfang, bei mangelhafter Vorleistung anderer und bei Problemen in der eigenen Ausführung. Klären Sie zuerst, ob ein Nachtrag zu stellen ist; was danach übrig bleibt, ist die eigentliche Abweichung. Wer diesen Schritt auslässt, zieht aus der Kennzahl die falschen Schlüsse.
Wer bewertet die Abweichung im Betrieb?
Das muss festgelegt sein. In einem kleinen Betrieb ist es die Betriebsleitung, in einem größeren die Bauleitung mit einer Meldeschwelle nach oben. Ohne benannte Zuständigkeit werden Abweichungen zwar erzeugt, aber nicht bearbeitet. Sinnvoll ist ein wöchentlicher Blick auf die laufenden Projekte und eine Schwelle, ab der eine Rückmeldung erfolgt.

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