Glossar

Stammdatenqualität

Stammdatenqualität beschreibt, wie vollständig, korrekt und einheitlich die dauerhaft gültigen Daten eines Betriebs sind, etwa Kunden, Artikel, Leistungen und Preise.

Stammdaten sind die dauerhaft gültigen Grunddaten eines Betriebs, im Unterschied zu Bewegungsdaten wie einzelnen Aufträgen oder Buchungen. Dazu gehören Kunden und Lieferanten, Artikel und Materialien mit Einkaufs- und Verkaufspreisen, Leistungspositionen mit Zeitansätzen, Mitarbeiter mit Qualifikationen und Stundensätzen sowie Objekte und Anlagen. Die Qualität lässt sich über Quoten messen: Anteil der Datensätze mit vollständigen Pflichtfeldern, Anteil der Artikel mit aktuellem Preis, Anteil der Kunden ohne Dublette. Ergänzend zählt das Alter des letzten Änderungsdatums, weil ein formal vollständiger, aber veralteter Datensatz ebenso zu Fehlern führt.

Die Auswirkungen zeigen sich sofort bei Angebot und Abrechnung. Ein SHK-Betrieb mit veralteten Einkaufspreisen kalkuliert Angebote zu niedrig und merkt es erst bei der Nachkalkulation. Ein Elektriker ohne gepflegte Leistungspositionen schreibt jeden Positionstext neu und weicht dabei jedes Mal leicht ab, was Auswertungen unmöglich macht. Ein Bauunternehmen mit uneinheitlicher Artikelbezeichnung kann Materialverbräuche über Projekte hinweg nicht vergleichen. Ein Dachdecker, dessen Kundenstamm Dubletten enthält, verliert die Historie eines Objekts, weil sie auf zwei Datensätze verteilt ist. Gepflegte Stammdaten sind damit die Voraussetzung dafür, dass Angebotserstellung und Abrechnung schnell und ohne Rückfragen laufen.

Ein häufiger Auslöser für Probleme ist der Systemwechsel. Bei der Migration in eine neue Handwerkersoftware werden Altbestände oft vollständig übernommen, einschließlich Dubletten, ausgelaufener Artikel und inaktiver Kunden. Der neue Bestand startet damit bereits belastet. Sinnvoll ist, vor der Übernahme zu entscheiden, welche Datensätze tatsächlich gebraucht werden, und den Rest zu archivieren statt zu übernehmen. Ebenso gehört zur Migration die Festlegung verbindlicher Erfassungsregeln, etwa für Artikelnummern, Kundennummern und Bezeichnungen. Wer diese Regeln erst nach dem Umstieg definiert, muss den Bestand ein zweites Mal bereinigen.

Wo KI ansetzt

KI-gestützte Werkzeuge erkennen Dubletten trotz abweichender Schreibweise, schlagen Kategorisierungen für Artikel vor und markieren Datensätze, deren Preise ungewöhnlich stark von vergleichbaren abweichen. Bei der Übernahme von Lieferantenkatalogen oder Preislisten kann OCR in Verbindung mit Sprachmodellen Positionen auslesen und zuordnen. Für jede Automatisierung im Betrieb gilt: Sie skaliert die vorhandene Stammdatenqualität, im Guten wie im Schlechten. Wer Angebote automatisiert erzeugen lässt, erzeugt bei schlechten Stammdaten schneller falsche Angebote.

Praktikabel ist ein fester Turnus statt einer einmaligen Aufräumaktion: Preise nach Lieferantenrundschreiben aktualisieren, Kundendaten beim nächsten Auftrag prüfen und eine jährliche Stichprobe über die wichtigsten Stammdatenarten ziehen, um den Ausgangswert zu ermitteln und zu verfolgen.

FAQ

Häufige Fragen zu Stammdatenqualität

Wie lässt sich die Qualität messen?
Mit ein paar Quoten, die sich in Minuten ziehen lassen: Wie viele Datensätze haben alle Pflichtfelder, wie viele Artikel einen aktuellen Preis, wie viele Kunden existieren doppelt? Nehmen Sie das Datum der letzten Änderung dazu, denn ein vollständiger Satz von vorgestern ist trotzdem falsch. Einmal jährlich eine Stichprobe je Art genügt.
Wo wirken sich schlechte Stammdaten sofort aus?
Bei Angebot und Abrechnung. Veraltete Einkaufspreise führen zu zu niedrigen Angeboten, die erst in der Nachkalkulation auffallen. Ohne gepflegte Leistungspositionen wird jeder Positionstext neu geschrieben und weicht jedes Mal leicht ab, was Auswertungen unmöglich macht. Dubletten im Kundenstamm zerlegen die Historie eines Objekts auf zwei Datensätze.
Warum ist der Systemwechsel ein häufiger Auslöser?
Weil beim Umzug meist alles mitgenommen wird, auch die Dubletten, die ausgelaufenen Artikel und die Kunden von vor zwölf Jahren. Das neue System startet damit belastet, und niemand traut den ersten Auswertungen. Entscheiden Sie vorher, was tatsächlich gebraucht wird, archivieren Sie den Rest und legen Sie zugleich verbindliche Erfassungsregeln fest.
Was passiert bei Automatisierung mit schlechten Stammdaten?
Der Fehler vervielfacht sich. Wer Angebote automatisch erzeugen lässt, bekommt bei schlechten Stammdaten schneller falsche Angebote, nicht weniger. Richten Sie deshalb vor jeder Automatisierung einen festen Pflegeturnus ein: Preise nach den Rundschreiben der Lieferanten nachziehen, Kundendaten beim nächsten Auftrag bestätigen. Eine einmalige Aufräumaktion hält erfahrungsgemäß nicht lange.

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