Erfundene Materialpreise
Erfundene Materialpreise sind Preisangaben, die ein Sprachmodell plausibel formuliert, ohne sie aus einer Preisliste oder Kalkulation zu kennen, und die deshalb falsch sein können.
Erfundene Materialpreise sind ein Sonderfall der Halluzination: Ein Sprachmodell gibt Preise für Baustoffe, Bauteile oder Geräte an, die es nicht aus einer Datenquelle bezieht, sondern aus Sprachmustern erzeugt. Die Angaben wirken glaubwürdig, weil Größenordnung, Einheit und Formulierung stimmen. Sie beruhen jedoch weder auf aktuellen Listenpreisen noch auf den Einkaufskonditionen des Betriebs und können deutlich danebenliegen.
Für Handwerksbetriebe ist das unmittelbar wirtschaftlich relevant. Materialpreise schwanken, Konditionen sind je Betrieb und Lieferant verschieden, Rabattstaffeln und Projektpreise gelten nur befristet. Ein Angebot, das auf frei erzeugten Werten beruht, kalkuliert entweder zu hoch, wodurch der Auftrag verloren geht, oder zu niedrig, wodurch die Marge im Bauablauf aufgezehrt wird. Da der Betrieb an sein Angebot gebunden ist, trägt er diesen Fehler, nicht der Anbieter des Werkzeugs.
Ähnlich anfällig sind Angaben, die wie Preise wirken, tatsächlich aber Rechengrößen sind: Stundenverrechnungssätze, Zuschläge für die Baustelleneinrichtung, Aufwandswerte je Quadratmeter oder Ansätze für Verschnitt. Auch sie erzeugt ein Modell bereitwillig, obwohl sie zum Kern der betrieblichen Kalkulation gehören und von Betriebsgröße, Region und Auslastung abhängen. Wer solche Werte aus einem Chatfenster übernimmt, kalkuliert mit fremden Annahmen. Die eigenen Ansätze gehören deshalb in die Software, und dem Werkzeug wird nur die fertige Zahl übergeben.
Wo KI ansetzt
Vermeiden lässt sich das Problem weniger durch bessere Formulierungen als durch die Aufgabenteilung. Preise, Mengen und Zuschläge liefert die Kalkulation des Betriebs, das Sprachmodell übernimmt die Beschreibung der Leistung. In der Anweisung sollte ausdrücklich stehen, dass für Preise ein Platzhalter zu setzen ist, wenn kein Wert übergeben wurde. Ein festes Ausgabeformat mit eigener Spalte für den Preis macht Lücken sichtbar, statt sie im Fließtext zu verstecken.
Wo ein Werkzeug tatsächlich mit Preisen arbeiten soll, braucht es angebundene Daten, etwa aus dem Artikelstamm der Handwerkersoftware oder aus Lieferantenlisten über eine Schnittstelle. Dann stammen die Werte aus einer prüfbaren Quelle, und das Modell formuliert nur noch darum herum. Ein Modell ohne solche Anbindung hat außerdem einen veralteten Wissensstand, was bei Preisen besonders ins Gewicht fällt.
In der Praxis hilft eine schlichte Regel im Betrieb: Kein Zahlenwert geht aus einem KI-Ergebnis ungeprüft in ein Kundendokument. Diese Regel gehört in die KI-Nutzungsrichtlinie und in die Unterweisung, weil sie sich sonst gerade bei Zeitdruck verliert. Sinnvoll ist zusätzlich, Angebotsentwürfe vor der Freigabe gegen die Kalkulation zu stellen, statt sie nur zu lesen.
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Häufige Fragen zu Erfundene Materialpreise
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