Glossar

Kalkulatorischer Stundensatz

Der kalkulatorische Stundensatz ist der Betrag, den eine produktive Arbeitsstunde erwirtschaften muss, damit alle Kosten des Betriebs gedeckt sind.

Der kalkulatorische Stundensatz gibt an, welchen Betrag eine produktive Arbeitsstunde erbringen muss, damit Lohnkosten, Gemeinkosten und der angestrebte Gewinn gedeckt sind. Er entsteht aus zwei Größen: den Gesamtkosten des Betriebs und der Zahl der tatsächlich verrechenbaren Stunden.

Der zweite Wert ist der, an dem die meisten Kalkulationen scheitern. Von den bezahlten Stunden eines Mitarbeiters sind Urlaub, Krankheit, Feiertage, Fortbildung, Rüst- und Fahrzeiten, Lagerarbeiten, Werkstattzeiten und nicht abrechenbare Nacharbeiten abzuziehen. Was übrig bleibt, ist deutlich weniger als die vertragliche Jahresarbeitszeit. Wer mit einer zu hohen Zahl produktiver Stunden rechnet, erhält einen zu niedrigen Stundensatz und arbeitet systematisch unterdeckt, ohne dass es im Einzelauftrag auffällt.

Neben dem Lohnanteil, häufig über den Mittellohn ermittelt, fließen die Lohnnebenkosten, die Baustellengemeinkosten, die allgemeinen Geschäftskosten und der Ansatz für Wagnis und Gewinn ein.

Zu unterscheiden ist der kalkulatorische Stundensatz vom Verrechnungssatz gegenüber dem Kunden. Der kalkulatorische Satz beschreibt die Kostendeckung, der Verrechnungssatz ist eine Marktentscheidung. Beide können auseinanderfallen, aber der Betrieb muss wissen, in welche Richtung und in welchem Umfang. Wer beide Größen gleichsetzt, verliert die Information darüber, ob ein niedrigerer Preis eine bewusste Entscheidung war oder ein unbemerkter Verlust.

Ebenfalls zu trennen sind Stundensätze nach Qualifikation und Einsatzart. Geselle, Meister, Auszubildender und Helfer verursachen unterschiedliche Kosten und sind unterschiedlich produktiv. Ein einziger Durchschnittssatz für den gesamten Betrieb führt dazu, dass personalintensive Arbeiten mit hohem Meisteranteil unterdeckt kalkuliert werden, während einfache Tätigkeiten zu teuer erscheinen.

Bezug zur Digitalisierung

Die benötigten Zahlen liegen im Betrieb bereits vor, meist verteilt auf Lohnabrechnung, Zeiterfassung und Buchhaltung. Sind diese Systeme verbunden, lässt sich der Anteil produktiver Stunden fortlaufend messen statt einmal jährlich geschätzt zu werden. Häufig ist genau diese Messung die wirksamste Einzelmaßnahme zur Verbesserung der Ertragslage.

Auswertungen zeigen zusätzlich Unterschiede zwischen Kolonnen, Auftragsarten und Kundengruppen. Wenn bei einer Auftragsart regelmäßig mehr unproduktive Zeit anfällt, etwa durch Anfahrten oder Wartezeiten, muss das in der Preisstellung dieser Auftragsart abgebildet werden und nicht im Durchschnitt untergehen.

Ein Beispiel aus einem Fliesenlegerbetrieb: Kleine Reparaturaufträge im Stadtgebiet binden je Auftrag Anfahrt, Materialbeschaffung und Abstimmung mit dem Kunden. Werden diese Zeiten nicht der Auftragsart zugeordnet, erscheinen Reparaturen im Durchschnitt tragfähig, obwohl sie den Ertrag der Neubauaufträge aufzehren.

Praktischer Hinweis: Rechnen Sie den Satz mit den tatsächlich verrechenbaren Stunden des Vorjahres, nicht mit den geplanten. Die Differenz zwischen beiden Werten liegt in vielen Betrieben im zweistelligen Prozentbereich und erklärt einen Großteil der Lücke zwischen kalkuliertem und tatsächlichem Ergebnis.

FAQ

Häufige Fragen zu Kalkulatorischer Stundensatz

Woran scheitern die meisten Berechnungen?
An der Zahl der produktiven Stunden. Von den bezahlten Stunden sind Urlaub, Krankheit, Feiertage, Fortbildung, Rüst- und Fahrzeiten, Lager- und Werkstattzeiten sowie nicht abrechenbare Nacharbeit abzuziehen. Wer mit einer zu hohen Zahl rechnet, erhält einen zu niedrigen Satz und arbeitet unterdeckt, ohne dass es im Einzelauftrag auffällt.
Was ist der Unterschied zum Verrechnungssatz?
Der kalkulatorische Satz beschreibt die Kostendeckung, der Verrechnungssatz gegenüber dem Kunden ist eine Marktentscheidung. Beide können auseinanderfallen, aber der Betrieb muss wissen, in welche Richtung und in welchem Umfang. Wer beides gleichsetzt, verliert die Information, ob ein niedriger Preis bewusst gewählt oder ein unbemerkter Verlust war.
Reicht ein Durchschnittssatz für den ganzen Betrieb?
Selten. Geselle, Meister, Auszubildender und Helfer verursachen unterschiedliche Kosten und sind unterschiedlich produktiv. Ein einziger Durchschnittssatz führt dazu, dass personalintensive Arbeiten mit hohem Meisteranteil unterdeckt kalkuliert werden, während einfache Tätigkeiten zu teuer erscheinen. Sinnvoll ist deshalb, mindestens zwei bis drei Sätze nach Qualifikationsgruppen zu führen und sie in der Kalkulation je Position anzusetzen. Der Mehraufwand ist gering, die Wirkung auf das Ergebnis erheblich.
Mit welchen Werten sollte ich rechnen?
Mit den tatsächlich verrechenbaren Stunden des Vorjahres, nicht mit den geplanten. Die Differenz zwischen beiden Werten liegt in vielen Betrieben im zweistelligen Prozentbereich und erklärt einen Großteil der Lücke zwischen kalkuliertem und tatsächlichem Ergebnis. Sinnvoll ist deshalb, den Satz einmal jährlich auf Basis der tatsächlichen Vorjahreswerte neu zu ermitteln und die Veränderung zu dokumentieren. Ohne diese Aktualisierung veraltet die gesamte Kalkulation still.

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