Glossar

Kalkulation

Kalkulation ist die Ermittlung des Preises einer Bauleistung aus Lohn, Material, Geräten, Fremdleistungen, Gemeinkosten sowie Wagnis und Gewinn.

Kalkulation ist die rechnerische Ermittlung des Preises einer Leistung. Im Bau- und Handwerksbetrieb setzt sie sich zusammen aus den Einzelkosten der Teilleistungen, also Lohn, Material, Geräte und Fremdleistungen, den Baustellengemeinkosten, den allgemeinen Geschäftskosten sowie einem Ansatz für Wagnis und Gewinn. Das Ergebnis ist der Angebotspreis, bei Einheitspreisverträgen aufgeteilt auf die Positionen des Leistungsverzeichnisses.

Der kritische Wert ist selten der Materialpreis, sondern der Zeitansatz. Wie lange eine Leistung dauert, entscheidet über die Auskömmlichkeit, und dieser Wert ist betriebsindividuell. Er hängt von Ausstattung, Erfahrung, Baustellenbedingungen und Arbeitsorganisation ab. Betriebe, die mit übernommenen Richtwerten kalkulieren, kalkulieren an ihrer eigenen Realität vorbei, mal zu hoch und damit nicht wettbewerbsfähig, mal zu niedrig und damit unwirtschaftlich.

Der zweite kritische Punkt ist der kalkulatorische Stundensatz. Er muss aus den tatsächlichen Kosten und den tatsächlich verrechenbaren Stunden abgeleitet sein, nicht aus dem Bruttolohn zuzüglich eines Aufschlags nach Gefühl.

Zu unterscheiden sind die Vertragsarten, weil sie das Risiko unterschiedlich verteilen. Beim Einheitspreisvertrag trägt der Auftraggeber das Mengenrisiko, der Betrieb das Risiko des Aufwands je Einheit. Beim Pauschalvertrag trägt der Betrieb beides. Dieselbe Kalkulation führt deshalb je nach Vertragsart zu unterschiedlichen Zuschlägen, und wer diesen Unterschied nicht abbildet, bietet pauschal zu günstig an.

Eine häufige Fehlerquelle sind die nicht produktiven Anteile eines Auftrags. Anfahrt, Materialbeschaffung, Rüstzeiten, Abstimmung mit anderen Gewerken und Nacharbeiten fallen an, ohne dass sie einer Position zugeordnet erscheinen. Werden sie nicht kalkuliert, entsteht die Unterdeckung nicht an einer einzelnen Stelle, sondern gleichmäßig über den gesamten Auftrag.

Bezug zur Digitalisierung

Kalkulationssoftware rechnet zuverlässig, aber sie prüft die Ansätze nicht. Ihr Nutzen entsteht erst im Zusammenspiel mit der Nachkalkulation: Werden Stunden und Material auf den Auftrag gebucht, lässt sich der kalkulierte mit dem tatsächlichen Aufwand vergleichen und der Zeitansatz korrigieren. Über viele Aufträge entsteht so ein belastbarer eigener Erfahrungsschatz.

KI setzt an zwei Stellen an: bei der Erstellung, indem aus Aufmaß, Beschreibung oder Leistungsverzeichnis ein Kalkulationsvorschlag entsteht, und bei der Kontrolle, indem eine Plausibilitätsprüfung Ansätze markiert, die von Erfahrungswerten abweichen. Beide Anwendungen setzen voraus, dass eigene Daten vorliegen; ohne sie bleibt jeder Vorschlag eine allgemeine Schätzung.

Ein Beispiel aus dem Fliesenlegerhandwerk: Der Zeitansatz je Quadratmeter unterscheidet sich zwischen großformatigen Platten in einem leeren Neubau und Kleinformaten in einem bewohnten Bad erheblich. Wird für beide derselbe Ansatz verwendet, ist der eine Auftrag zu teuer und der andere nicht auskömmlich.

Praktischer Hinweis: Kalkulieren Sie mindestens einmal jährlich Ihren Stundensatz neu und vergleichen Sie ihn mit den tatsächlich abgerechneten Stunden. Die Differenz zwischen geplanten und verrechenbaren Stunden ist in den meisten Betrieben der größte einzelne Kalkulationsfehler.

FAQ

Häufige Fragen zu Kalkulation

Warum sind übernommene Richtwerte gefährlich?
Weil der Zeitbedarf von Ausstattung, Erfahrung, Baustellenbedingungen und Arbeitsorganisation abhängt. Wer mit fremden Richtwerten kalkuliert, kalkuliert an der eigenen Realität vorbei: mal zu hoch und damit nicht wettbewerbsfähig, mal zu niedrig und damit unwirtschaftlich. Belastbar werden die Ansätze erst über die Nachkalkulation eigener Aufträge.
Wie leite ich den Stundensatz richtig ab?
Aus den tatsächlichen Kosten und den tatsächlich verrechenbaren Stunden, nicht aus dem Bruttolohn zuzüglich eines Aufschlags nach Gefühl. Entscheidend ist die realistische Zahl der produktiven Stunden je Person und Jahr, nach Abzug von Urlaub, Krankheit, Rüst- und Wegezeiten sowie unproduktiven Anteilen.
Wie unterscheiden sich die Vertragsarten im Risiko?
Beim Einheitspreisvertrag wird nach tatsächlicher Menge abgerechnet, das Mengenrisiko liegt damit beim Auftraggeber und das Preisrisiko beim Auftragnehmer. Beim Pauschalvertrag trägt der Auftragnehmer zusätzlich das Mengenrisiko. Diese Unterscheidung muss sich im Wagnisansatz niederschlagen, sonst ist derselbe Preis in beiden Fällen unterschiedlich riskant.
Was wird beim Kalkulieren am häufigsten vergessen?
Baustellengemeinkosten wie Einrichtung, Vorhaltung, Bauleitung, Transporte und Entsorgung sowie unproduktive Zeiten für Abstimmung und Wege. Sie tauchen in keiner Position des Leistungsverzeichnisses auf und werden deshalb übersehen, obwohl sie gerade bei kleineren Baustellen einen erheblichen Anteil der Gesamtkosten ausmachen und die Marge unbemerkt aufzehren.

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