Glossar

D86 Nachtrag

Die GAEB-Phase D86 überträgt Nachtragsangebote strukturiert und ermöglicht deren Prüfung und Einordnung in das bestehende Leistungsverzeichnis.

D86 ist im GAEB-Datenaustausch die Phase für Nachtragsangebote. Sie überträgt zusätzliche oder geänderte Positionen in derselben strukturierten Form wie das ursprüngliche Leistungsverzeichnis, mit Ordnungszahlen, Leistungstexten, Mengen, Einheiten und Preisen. Auf Seiten des Auftraggebers lassen sich die Nachträge damit maschinell prüfen und in das bestehende Verzeichnis einordnen, statt als separates Dokument geführt zu werden.

Für ausführende Betriebe ist das mehr als eine Formfrage. Nachträge werden häufig als freies Angebot geschrieben, ohne Bezug zur Struktur des Hauptauftrags. Die Prüfung dauert dann länger, Rückfragen häufen sich, und die Zahlung verzögert sich. Ein strukturierter Nachtrag mit Bezug zu den betroffenen Positionen des Hauptvertrags ist schneller prüfbar und schwerer pauschal zurückzuweisen.

Inhaltlich entscheidet allerdings nicht das Format, sondern die Begründung. Erforderlich sind der Nachweis, dass die Leistung angeordnet oder erforderlich war, die Abgrenzung zum vertraglich Geschuldeten und eine nachvollziehbare Nachtragskalkulation. Die dafür nötigen Belege entstehen während der Ausführung, siehe Dokumentation für den Nachtrag.

Zu unterscheiden sind geänderte und zusätzliche Leistungen. Eine geänderte Leistung knüpft an eine vorhandene Position an, deren Ausführung der Auftraggeber abweichend verlangt; eine zusätzliche Leistung war im Vertrag gar nicht vorgesehen. Die Preisbildung folgt jeweils anderen Regeln, und aus der Zuordnung ergibt sich, ob der Nachtrag aus der Urkalkulation abzuleiten ist oder neu zu kalkulieren.

Eine verbreitete Schwäche ist die Vermischung mehrerer Sachverhalte in einem Nachtrag. Werden Bauzeitverzögerung, geänderte Ausführung und zusätzliche Leistung in einem Schreiben zusammengefasst, führt die Ablehnung eines Punkts häufig dazu, dass der gesamte Vorgang liegen bleibt. Getrennte Nachträge je Sachverhalt sind schneller prüfbar und lassen sich einzeln durchsetzen.

Bezug zur Digitalisierung

Kalkulationsprogramme erzeugen Nachtragsdateien aus dem bestehenden Auftrag, sodass Struktur und Nummernkreis erhalten bleiben. Damit ist erkennbar, welche Position geändert wurde und welche neu ist.

Sprachmodelle unterstützen bei der Zusammenstellung der Begründung: Sie durchsuchen Tagesberichte, Protokolle und Schriftverkehr nach den Vorgängen zum Nachtragssachverhalt und stellen sie chronologisch mit Fundstellen zusammen. Die rechtliche Bewertung, ob ein Anspruch besteht, bleibt Sache des Betriebs oder seiner Beratung.

Ein Beispiel aus dem Estrichbau: Wird die Dämmschicht wegen abweichender Rohdeckenhöhe stärker ausgeführt, betrifft das Materialmenge, Trocknungszeit und den Folgetermin des Bodenlegers. Der Nachtrag umfasst deshalb nicht nur die Mehrmenge, sondern auch die Auswirkung auf den Ablauf, sofern sie belegt ist.

Praktischer Hinweis: Reichen Sie Nachträge während der Bauzeit ein, nicht gesammelt mit der Schlussrechnung. Ein Nachtrag, der Monate nach dem Vorgang eingeht, wird regelmäßig bestritten, und die Beweisführung wird mit jeder Woche schwieriger.

FAQ

Häufige Fragen zu D86 Nachtrag

Was bringt das Format gegenüber einem freien Nachtragsangebot?
Schnellere Prüfung und weniger Rückfragen. Nachträge werden häufig ohne Bezug zur Struktur des Hauptauftrags geschrieben; die Prüfung dauert dann länger und die Zahlung verzögert sich. Ein strukturierter Nachtrag mit Bezug zu den betroffenen Positionen ist schneller prüfbar und schwerer pauschal zurückzuweisen. Über den Anspruch selbst entscheidet allerdings die Begründung.
Was ist der Unterschied zwischen geänderter und zusätzlicher Leistung?
Bei der Änderung gibt es die Position schon, der Auftraggeber will sie nur anders ausgeführt haben. Bei der zusätzlichen Leistung stand sie nie im Vertrag. Aus dieser Einordnung folgt, ob der Preis aus der ursprünglichen Kalkulation fortzuschreiben oder frisch zu bilden ist. Wer sie überspringt, begründet den Nachtrag auf der falschen Grundlage.
Was ist der häufigste Fehler beim Aufbau?
Mehrere Sachverhalte in einem Schreiben. Stehen Bauzeitverzögerung, geänderte Ausführung und Zusatzleistung nebeneinander, genügt ein strittiger Punkt, und der ganze Vorgang bleibt liegen. Machen Sie stattdessen aus jedem Sachverhalt einen eigenen Nachtrag: Jeder ist für sich prüfbar, und was unstrittig ist, wird bezahlt, während der Rest geklärt wird.
Wann reiche ich einen Nachtrag ein?
Zeitnah zum Vorgang, während gebaut wird. Was erst mit der Schlussrechnung kommt, wird bestritten, und der Nachweis wird mit jeder Woche dünner, weil sich niemand mehr erinnert. Die Unterlagen dafür entstehen ohnehin während der Ausführung: die Anordnung, die Abgrenzung zum Geschuldeten, die Kalkulation. Es geht nur darum, sie sofort zusammenzuführen.

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