Glossar

KI-Kompetenz

KI-Kompetenz bezeichnet die Fähigkeit, KI-Werkzeuge sachgerecht einzusetzen, ihre Ergebnisse einzuordnen und die Grenzen sowie Risiken der Anwendung zu erkennen.

KI-Kompetenz meint die Fähigkeit, KI-Systeme zweckmäßig einzusetzen, ihre Ergebnisse zu bewerten und die damit verbundenen Chancen und Risiken einzuschätzen. Die Verordnung (EU) 2024/1689 verwendet den Begriff in Artikel 4 und stellt dabei auf den Kontext ab: auf die Rolle im Betrieb, die eingesetzten Systeme und die Personen, die von deren Ergebnissen betroffen sind. Gemeint ist also kein allgemeines Technikwissen, sondern anwendungsbezogenes Urteilsvermögen.

Seit der Änderung durch den Digital Omnibus, Verordnung (EU) 2026/1744, in Kraft seit dem 27. Juli 2026, geht es nicht mehr darum, ein bestimmtes Niveau sicherzustellen, sondern darum, die Entwicklung dieser Kompetenz zu fördern. Ein garantiertes Kompetenzniveau je Person wird nicht verlangt, und ein eigener Bußgeldtatbestand für fehlende Schulung besteht nicht.

Was das im Betrieb bedeutet

Im Handwerk lässt sich KI-Kompetenz auf wenige praktische Fähigkeiten herunterbrechen. Erstens: erkennen, wann man überhaupt mit einem KI-System arbeitet, denn die Funktionen stecken oft unauffällig in vorhandener Software. Zweitens: wissen, dass ein Sprachmodell Sprache fortsetzt und dabei plausible, aber falsche Angaben erzeugen kann, etwa nicht existierende Materialbezeichnungen oder erfundene Normbezüge. Drittens: einschätzen, welche Daten in ein externes Werkzeug dürfen und welche nicht. Viertens: eine Anweisung so formulieren, dass ein brauchbares Ergebnis entsteht.

Der Zuschnitt unterscheidet sich je Rolle. Die Kolonne, die auf der Baustelle ein Bautagebuch diktiert, braucht vor allem Klarheit darüber, was sie nennen darf und dass der Text nachher gelesen wird. Das Büro, das Angebote und Nachträge erzeugt, braucht ein Gefühl für Halluzinationen und einen festen Prüfschritt. Die Geschäftsführung braucht den Überblick über eingesetzte Systeme, Verträge und Zuständigkeiten.

Häufig sind zwei gegenläufige Fehlvorstellungen. Die eine hält KI-Ausgaben für gesichertes Wissen und übernimmt sie ungeprüft in Angebote und Schreiben. Die andere hält sie für grundsätzlich unbrauchbar und verzichtet deshalb auf naheliegende Entlastung bei Routinetexten. Beides lässt sich mit denselben Mitteln beheben: an echten Beispielen zeigen, wo das Werkzeug zuverlässig arbeitet und wo nicht. Diese Einordnung ist der eigentliche Kern von KI-Kompetenz und lässt sich schwer aus allgemeinen Kursunterlagen gewinnen.

Der wirksamste Aufbau ist der am eigenen Fall. Eine Stunde, in der die Beteiligten ihre echten Aufgaben mit dem Werkzeug durchspielen und die Fehler gemeinsam ansehen, bringt mehr als ein allgemeiner Onlinekurs. Wer den Stand halten will, ergänzt eine kurze Auffrischung, wenn neue Funktionen dazukommen. Formate und Inhalte vergleicht der Ratgeber KI-Kompetenz-Schulung.

FAQ

Häufige Fragen zu KI-Kompetenz

Welche Fähigkeiten sind im Handwerk konkret gemeint?
Erstens erkennen, wann überhaupt mit einem KI-System gearbeitet wird, denn die Funktionen stecken oft unauffällig in vorhandener Software. Zweitens wissen, dass ein Sprachmodell Sprache fortsetzt und dabei plausible, aber falsche Angaben erzeugen kann. Drittens wissen, welche Daten in welches Werkzeug eingegeben werden dürfen.
Brauche ich dafür ein Zertifikat?
Nein. Ein bestimmtes Kursformat oder ein Nachweis wird nicht verlangt, und für Artikel 4 besteht kein eigener Bußgeldtatbestand. Sinnvoll sind Maßnahmen, die zum tatsächlichen Einsatz im Betrieb passen, etwa eine Einweisung bei der Einführung eines Werkzeugs und ein benannter Ansprechpartner für Rückfragen.
Wie vermittle ich das im Betrieb?
Anhand der eigenen Anwendungsfälle statt allgemeiner Grundlagen. Eine halbe Stunde am konkreten Werkzeug, in der ein typischer Fehler bewusst erzeugt und besprochen wird, wirkt stärker als ein Vortrag über Technik. Ein kurzer Vermerk mit Datum und Teilnehmern genügt als Nachweis der Organisation.
Warum lohnt sich das unabhängig von der Rechtslage?
Weil fehlerhafte Ergebnisse Nacharbeit und Haftungsfragen verursachen. Wer nicht weiß, dass ein Modell Materialbezeichnungen erfinden kann, übernimmt sie in ein Angebot. Wer nicht weiß, welche Daten hineindürfen, kopiert eine vollständige Kundenakte hinein. Beides kostet den Betrieb mehr Zeit und Geld als eine kurze, auf die eigenen Anwendungsfälle zugeschnittene Unterweisung.

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