Glossar

KI-Mengenermittlung

Bei der KI-Mengenermittlung leiten Bild- und Sprachmodelle Mengen aus Plänen, Fotos, Scans oder Modellen ab und erzeugen daraus Ansätze für Kalkulation und Abrechnung.

KI-Mengenermittlung bezeichnet den Einsatz maschineller Verfahren, um Mengen aus vorhandenen Unterlagen zu gewinnen: aus PDF-Plänen, Fotos, Raumscans oder Gebäudemodellen. Bildmodelle erkennen Wände, Öffnungen, Bauteile und Symbole, Sprachmodelle werten Leistungstexte und Legenden aus, und aus beidem entstehen Mengenansätze mit Zuordnung zu Positionen.

Der Anlass ist der Aufwand. Mengenermittlung ist im Handwerk eine der zeitaufwendigsten Bürotätigkeiten und findet häufig unbezahlt statt, weil ein erheblicher Teil der Angebote nicht zum Auftrag führt. Verfahren, die aus einem Plan in Minuten eine erste Mengenaufstellung erzeugen, verändern damit die Wirtschaftlichkeit der Angebotsbearbeitung.

Die Grenzen sind klar zu benennen. Die Erkennung ist gut, aber nicht fehlerfrei; Symbole, Maßstäbe und Legenden variieren zwischen Planern, und schlecht gescannte Pläne verschlechtern das Ergebnis deutlich. Modelle liefern zudem plausibel wirkende Ergebnisse auch dort, wo sie falsch liegen, was der Kern des Problems der Halluzination ist. Eine Mengenaufstellung, die ungeprüft in ein Angebot übernommen wird, ist ein kalkulatorisches Risiko.

Voraussetzung für brauchbare Ergebnisse ist die Qualität der Unterlage. Ein maßstäblicher Plan als Vektordatei liefert deutlich bessere Resultate als ein Scan eines verkleinerten Ausdrucks. Fehlt die Maßstabsangabe oder ist der Plan gedreht eingescannt, entstehen systematische Abweichungen über alle Mengen hinweg, die im Einzelwert nicht auffallen.

Zu unterscheiden ist die Erkennung von der Bewertung. Ein System kann zuverlässig erkennen, dass eine Wand vorhanden ist, ohne zu wissen, ob sie zum eigenen Gewerk gehört, ob sie im Bestand verbleibt oder ob sie vom Auftrag umfasst ist. Genau diese Zuordnung entscheidet über die Menge, und sie ergibt sich aus dem Vertrag, nicht aus dem Plan.

Wo KI ansetzt

Praktikabel ist der Einsatz als Zuarbeit mit Prüfung. Das System liefert Ansätze mit Herkunftsangabe, also mit Verweis auf die Stelle im Plan oder das Bauteil im Modell, und der Kalkulator prüft und korrigiert. Systeme, die nur eine Zahl ausgeben, ohne den Weg dorthin zu zeigen, sind für die Abrechnung unbrauchbar.

Für die Abrechnung ist zusätzlich zu beachten, dass geometrisch ermittelte Werte nicht den abrechenbaren Mengen entsprechen. Welche Öffnungen abgezogen und welche Flächen übermessen werden, regelt die VOB/C je Gewerk unterschiedlich; die Umrechnung nach diesen Regeln ist ein eigener Schritt.

Ein Beispiel aus dem Trockenbau: Aus einem Grundriss werden Wandlängen je Aufbau erkannt und zu Flächen hochgerechnet. Ob Vorsatzschalen im Sanitärbereich mit erfasst sind und ob abgehängte Decken zum Auftrag gehören, ergibt sich aus dem Leistungsverzeichnis. Ohne diesen Abgleich entsteht eine plausible Aufstellung mit falschem Umfang.

Praktischer Hinweis: Verwenden Sie KI-Mengen zunächst für die Vorkalkulation und vergleichen Sie über einige Projekte hinweg mit dem manuell erstellten Aufmaß. Erst wenn Sie die typische Abweichung Ihres Gewerks kennen, ist eine Nutzung im Angebot vertretbar.

FAQ

Häufige Fragen zu KI-Mengenermittlung

Wie gut muss die Unterlage sein?
Besser, als die meisten annehmen. Eine maßstäbliche Vektordatei liefert brauchbare Werte, der abfotografierte Ausdruck einer verkleinerten Kopie nicht. Fehlt der Maßstab oder liegt das Blatt schief im Scanner, verschiebt sich jede Länge um denselben Faktor. Prüfen Sie deshalb zuerst eine bekannte Strecke, etwa ein Türmaß, bevor Sie das Ergebnis übernehmen.
Kann ich die Mengen direkt ins Angebot übernehmen?
Nicht ungeprüft. Modelle liefern plausibel wirkende Ergebnisse auch dort, wo sie falsch liegen, und eine ungeprüft übernommene Aufstellung ist ein kalkulatorisches Risiko. Verwenden Sie die Werte zunächst für die Vorkalkulation und vergleichen Sie über einige Projekte hinweg mit dem manuellen Aufmaß. Erst wenn die typische Abweichung bekannt ist, ist mehr vertretbar.
Was kann die Erkennung grundsätzlich nicht?
Die Zuordnung. Ein System erkennt zuverlässig, dass eine Wand vorhanden ist, weiß aber nicht, ob sie zum eigenen Gewerk gehört, im Bestand verbleibt oder vom Auftrag umfasst ist. Genau diese Frage entscheidet über die Menge, und sie ergibt sich aus dem Vertrag und dem Leistungsverzeichnis, nicht aus dem Plan.
Worauf achte ich bei der Auswahl eines Werkzeugs?
Darauf, dass es die Herkunft jedes Ansatzes zeigt, also den Verweis auf die Stelle im Plan oder das Bauteil im Modell. Systeme, die nur eine Zahl ausgeben, ohne den Weg dorthin offenzulegen, sind für Prüfung und Abrechnung unbrauchbar. Beachten Sie zudem, dass geometrische Werte nach den Abrechnungsregeln des Gewerks umzurechnen sind.

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