Materialbedarfsermittlung
Die Materialbedarfsermittlung berechnet aus Mengen und Aufbauten das benötigte Material einschließlich Verschnitt und ist Grundlage für Kalkulation, Bestellung und Disposition.
Die Materialbedarfsermittlung leitet aus den ermittelten Mengen ab, welches Material in welcher Menge benötigt wird. Aus einer Wandfläche werden Platten, Profile, Schrauben, Spachtelmasse und Bewehrungsstreifen; aus einer Rohrleitungslänge werden Rohre, Formteile, Befestigungen und Dämmung. Grundlage sind hinterlegte Aufbauten und Verbrauchswerte je Einheit sowie ein Zuschlag für Verschnitt.
Für den Betrieb hat die Ermittlung drei Funktionen. In der Kalkulation bestimmt sie den Materialkostenanteil. In der Bestellung verhindert sie sowohl Fehlmengen, die zu Baustellenstillstand und zusätzlichen Fahrten führen, als auch Überbestellungen, die als Restposten im Lager enden. In der Disposition steuert sie, was wann auf die Baustelle geliefert wird.
Die häufigste Schwachstelle sind die Verbrauchswerte. Sie stammen oft aus Herstellerangaben, die unter idealen Bedingungen ermittelt wurden, und passen nicht zu Bestandsbaustellen mit vielen Anschlüssen und Zuschnitten. Realistische Werte entstehen nur aus der eigenen Nachkalkulation.
Ein Beispiel aus dem Fliesenlegerhandwerk zeigt die Abhängigkeiten: Für dieselbe Wandfläche unterscheiden sich Kleberverbrauch, Fugenmörtelmenge und Zahl der Profile je nach Format der Fliese, Zahnung der Kelle und Untergrundbeschaffenheit erheblich. Wird nur die Fläche erfasst und ein pauschaler Verbrauch angesetzt, weicht die Bestellmenge bei großformatigen Platten regelmäßig ab.
Eine zweite Schwachstelle ist das Kleinmaterial. Befestigungen, Dichtmittel, Schleifmittel und Verbrauchsmaterial werden häufig gar nicht ermittelt, sondern aus dem Fahrzeugbestand entnommen. In der Kalkulation fehlt dieser Anteil dann vollständig, obwohl er sich über viele Aufträge summiert. Ein pauschaler, aber regelmäßig überprüfter Ansatz je Auftragsart ist hier besser als der Verzicht auf jede Erfassung.
Bezug zur Digitalisierung
Ist der Artikelstamm mit Aufbauten und Verbrauchswerten gepflegt, entsteht die Materialliste automatisch aus dem Aufmaß. Über Katalogschnittstellen laufen daraus Preisanfragen und Bestellungen, ohne dass Positionen erneut erfasst werden.
Auswertende Verfahren vergleichen den geplanten mit dem tatsächlich verbrauchten Bedarf, indem sie Lieferscheine und Materialbuchungen gegen die Ermittlung stellen. Systematische Abweichungen zeigen entweder zu knappe Ansätze oder Materialschwund. Über viele Aufträge entstehen belastbare eigene Verbrauchswerte, die Herstellerangaben ersetzen.
Für die Disposition ist zusätzlich der Zeitpunkt der Lieferung Teil der Ermittlung. Eine korrekte Menge zum falschen Termin führt entweder zu Zwischenlagerung auf einer Baustelle ohne gesicherten Lagerplatz oder zu Stillstand. Werden Liefertermine an die Positionen der Ermittlung gehängt, entsteht daraus unmittelbar ein Abrufplan für den Lieferanten.
Praktischer Hinweis: Erfassen Sie den tatsächlichen Verbrauch je Auftrag zumindest bei den umsatzstärksten Materialien. Ohne diesen Rücklauf bleiben die Verbrauchswerte Schätzungen, und die Materialkalkulation ist der Bereich, in dem sich Schätzfehler am unmittelbarsten auf das Ergebnis auswirken.
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Häufige Fragen zu Materialbedarfsermittlung
Wo liegt die häufigste Schwachstelle?
Warum reicht die Fläche allein nicht?
Was wird regelmäßig gar nicht ermittelt?
Was gehört neben der Menge noch dazu?
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