Glossar

Katalogschnittstelle zum Großhandel

Katalogschnittstellen übertragen Artikel-, Preis- und Verfügbarkeitsdaten aus dem Großhandel in die Betriebssoftware und halten den Artikelstamm ohne manuelle Pflege aktuell.

Eine Katalogschnittstelle verbindet die Software eines Handwerksbetriebs mit den Artikeldaten seiner Lieferanten. Übertragen werden Artikelnummern, Bezeichnungen, Langtexte, Einheiten, Preise, Rabattgruppen und zunehmend auch Verfügbarkeiten, technische Dokumente und Bilder. Ziel ist ein Artikelstamm, der ohne manuelle Pflege aktuell bleibt.

Im Handwerk sind mehrere Verfahren nebeneinander im Einsatz. Datanorm liefert periodisch Datenbestände zur Einspielung. OpenMasterdata ruft Artikel- und Preisdaten online und tagesaktuell ab. Die IDS-Schnittstelle verbindet die eigene Software mit dem Shop des Händlers, sodass Warenkörbe übernommen werden. Die UGL-Schnittstelle überträgt Bestell- und Auftragsdaten strukturiert.

Der wirtschaftliche Hintergrund ist die Preisentwicklung. In Phasen mit häufigen Preisänderungen ist ein Katalogstand von vor sechs Wochen keine belastbare Kalkulationsgrundlage. Wer auf dieser Basis anbietet, trägt die Differenz selbst, sofern keine Regelung wie eine Stoffpreisgleitklausel vereinbart ist.

Ein typischer Fehler ist die vollständige Übernahme des Lieferantenkatalogs in den eigenen Stamm. Ein Großhandelskatalog kann Hunderttausende Artikel umfassen, von denen ein Betrieb einen kleinen Teil tatsächlich verbaut. Der aufgeblähte Stamm verlangsamt die Suche und führt dazu, dass bei der Angebotserstellung Varianten gewählt werden, die der Betrieb nie lagert. Sinnvoller ist ein gepflegter Favoritenbestand, ergänzt um den Onlinezugriff auf den vollständigen Katalog bei Bedarf.

Zu unterscheiden ist zwischen Listenpreis und dem individuellen Einkaufspreis. Manche Übertragungswege liefern nur Bruttopreise und Rabattgruppen, andere den tatsächlich vereinbarten Nettopreis. Wer mit Rabattgruppen kalkuliert, muss deren Pflege organisieren, denn eine geänderte Konditionsvereinbarung schlägt sonst nicht auf die Angebote durch. Im Metallbau mit hohem Materialanteil entscheidet dieser Unterschied spürbar über die Marge.

Bezug zur Digitalisierung

Sinnvoll ist die Kombination der Verfahren: Katalogdaten als Grundbestand, Onlineabfrage für kalkulationsrelevante Artikel, strukturierte Bestellung mit Rückmeldung. Wichtig ist eine betriebliche Regel, welcher Preisstand in Angebote übernommen wird und welche Bindefrist gilt.

Auswertende Verfahren ordnen Artikel unterschiedlicher Lieferanten einander zu, auch wenn Bezeichnungen abweichen, erkennen Dubletten im eigenen Bestand und schlagen bei Lieferengpässen gleichwertige Alternativen vor. Preisverläufe über die Zeit machen sichtbar, welche Materialgruppen besonders schwanken und deshalb in der Kalkulation gesondert behandelt werden sollten.

Ein Beispiel aus dem SHK-Bereich: Ein Betrieb kalkuliert eine Badsanierung mit Armaturen, die zwischen Angebot und Auftragserteilung neu bepreist wurden. Bei Onlineabfrage fällt die Abweichung beim Erstellen der Bestellung auf und kann noch angesprochen werden. Bei Katalogpflege im Sechs-Wochen-Rhythmus zeigt sich die Differenz erst auf der Eingangsrechnung, also nach Verbindlichkeit des eigenen Angebots.

Praktischer Hinweis: Klären Sie vor der Softwareauswahl, welche Schnittstellen Ihre Hauptlieferanten tatsächlich unterstützen. Ein Verfahren, das der Händler nicht anbietet, bleibt trotz Unterstützung in der Software ungenutzt.

FAQ

Häufige Fragen zu Katalogschnittstelle zum Großhandel

Welches Verfahren brauche ich, wenn ich mich für eines entscheiden muss?
Das hängt vom Engpass ab. Wer vor allem kalkuliert und aktuelle Preise braucht, ist mit einem Onlineabruf besser bedient als mit periodischen Katalogdaten. Wer hauptsächlich bestellt, gewinnt mehr durch eine Warenkorbübernahme aus dem Händlershop. In der Praxis kombinieren die meisten Betriebe zwei Wege. Vor der Entscheidung sollte geklärt sein, was die Hauptlieferanten tatsächlich anbieten.
Warum wird die Suche im Artikelstamm mit der Zeit langsamer?
Meist wurde der komplette Lieferantenkatalog eingespielt. Bestände mit Hunderttausenden Artikeln verlangsamen nicht nur die Suche, sie führen auch dazu, dass Varianten ins Angebot geraten, die der Betrieb nie verbaut. Wirksam ist ein gepflegter Favoritenbestand mit den tatsächlich verwendeten Artikeln, ergänzt um den Onlinezugriff auf den vollständigen Katalog, wenn ein Sonderartikel gebraucht wird.
Kommen über die Schnittstelle meine eigenen Einkaufspreise?
Das ist verfahrens- und händlerabhängig. Manche Wege liefern nur Bruttolistenpreise und Rabattgruppen, aus denen die Software den Nettopreis rechnet, andere übertragen den individuell vereinbarten Preis direkt. Wer mit Rabattgruppen arbeitet, muss deren Pflege organisieren, weil eine neu verhandelte Kondition sonst nicht in den Angeboten ankommt. Dieser Unterschied gehört vor dem Einrichten geklärt.
Was tue ich, wenn ein wichtiger Lieferant gar keine Schnittstelle anbietet?
Dann bleibt die manuelle Pflege, allerdings begrenzt auf die wirklich genutzten Artikel. Sinnvoll ist eine kleine Positionsliste mit den regelmäßig verbauten Teilen, die in festem Rhythmus gegen die aktuelle Preisliste geprüft wird. Zusätzlich lohnt die Nachfrage beim Händler, weil viele Großhändler ihre Datenbereitstellung ausbauen. Ein zweiter Bezugsweg für dieselben Artikel schafft ebenfalls Spielraum.

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