Glossar

Zielwert festlegen

Einen Zielwert festlegen bedeutet, für eine Kennzahl einen konkreten Sollwert mit Zeitbezug zu bestimmen, abgeleitet aus dem eigenen gemessenen Ausgangswert.

Ein Zielwert ist der Sollwert einer Kennzahl zu einem bestimmten Zeitpunkt. Er besteht aus vier Bestandteilen: der Kennzahl mit ihrer Berechnungsvorschrift, dem gemessenen Ausgangswert, dem angestrebten Wert und dem Zeitpunkt, zu dem dieser erreicht sein soll. Hinzu kommt die Zuständigkeit, also wer für die Erreichung verantwortlich ist. Die richtige Reihenfolge lautet: erst messen, dann Ziel setzen. Ein Zielwert ohne bekannten Ausgangswert ist eine Behauptung, deren Erreichung sich nicht überprüfen lässt. Ebenso wenig taugen fremde Durchschnittswerte als Ziel, weil Betriebsgröße, Gewerkemix, Kundenstruktur und Kalkulationsmodell zu stark abweichen.

Praktisch heißt das für einen Handwerksbetrieb: Zuerst wird die Kennzahl über einen ausreichend langen Zeitraum erhoben, um saisonale Schwankungen einzuschließen. Ein Dachdecker sollte die Termintreue über mindestens ein Jahr messen, weil Witterung und Auftragslage stark schwanken. Ein Elektriker kann die Angebotsdurchlaufzeit bereits nach wenigen Wochen einschätzen. Aus dem Ausgangswert wird dann eine Verbesserung abgeleitet, die begründbar ist, weil eine konkrete Maßnahme dahintersteht. Ein Ziel ohne zugeordnete Maßnahme bleibt folgenlos. Sinnvoll sind wenige Ziele gleichzeitig; wer acht Kennzahlen parallel verbessern will, verbessert keine davon.

Zu unterscheiden ist zwischen Zielwerten, die der Betrieb selbst beeinflussen kann, und solchen, die von Dritten abhängen. Die Zeit bis zur Rechnungsstellung liegt vollständig im eigenen Einflussbereich, die Zahlungseingangsdauer nur teilweise. Ziele für die zweite Gruppe sollten deshalb auf den steuerbaren Anteil bezogen werden, etwa auf die Zahl der Tage bis zur ersten Zahlungserinnerung. Ebenso wichtig ist die Größenordnung: Ein Ziel, das eine Halbierung des Ausgangswerts verlangt, wird meist nicht ernst genommen und nach kurzer Zeit stillschweigend fallen gelassen. Realistische Schritte in mehreren Etappen führen weiter.

Bezug zur Digitalisierung

Zielwerte lassen sich nur verfolgen, wenn die Kennzahl ohne großen Aufwand regelmäßig verfügbar ist. Wird sie jedes Mal von Hand zusammengesucht, bleibt die Kontrolle aus. Eine automatische Aufbereitung in einem Dashboard für die Geschäftsführung oder über Berichtsautomatisierung hält den Aufwand gering und macht die Abweichung zum festen Bestandteil der Betriebsbesprechung.

Zu beachten ist die Wechselwirkung zwischen Kennzahlen. Ein Ziel für die Angebotsdurchlaufzeit kann die Angebotsqualität beeinträchtigen, ein Ziel für die Produktivität die Nacharbeitsquote erhöhen. Deshalb wird zu jedem Zielwert eine Gegenkennzahl festgelegt, die nicht schlechter werden darf. Überprüft wird der Zielwert zum vereinbarten Termin, mit einer schriftlichen Feststellung, ob er erreicht wurde und was daraus folgt.

FAQ

Häufige Fragen zu Zielwert festlegen

Wie oft sollte ich einen Zielwert überprüfen?
Der Prüfrhythmus richtet sich nach der Schwankungsbreite der Kennzahl. Werte, die sich täglich ändern, etwa die Angebotsdurchlaufzeit, lassen sich monatlich betrachten. Saisonabhängige Größen wie die Termintreue brauchen einen längeren Betrachtungszeitraum, sonst wird Wetter als Verbesserung gedeutet. Fest steht in jedem Fall der Endtermin, an dem schriftlich festgehalten wird, ob das Ziel erreicht wurde.
Was passiert, wenn ein Zielwert verfehlt wird?
Wichtig ist, die Ursache zu trennen: Wurde die Maßnahme nicht umgesetzt, oder war die Maßnahme wirkungslos? Im ersten Fall ist die Umsetzung das Thema, im zweiten die Annahme dahinter. Ein stillschweigendes Fallenlassen ist die schlechteste Variante, weil dann auch die nächsten Ziele im Betrieb nicht mehr ernst genommen werden. Eine kurze schriftliche Feststellung genügt.
Wie beziehe ich die Mitarbeiter ein?
Ein Zielwert wirkt nur, wenn die Beteiligten den Wert beeinflussen können und die Berechnung verstehen. Sinnvoll ist, die Kennzahl gemeinsam zu definieren und den Ausgangswert offen zu zeigen, bevor über das Ziel gesprochen wird. Werden Zielwerte an Vergütung gekoppelt, ist mit Ausweichverhalten zu rechnen, etwa schnelleren Angeboten mit schlechterer Qualität. Die Gegenkennzahl gehört deshalb dazu.
Brauche ich dafür eine eigene Software?
Für den Anfang nicht. Zwei bis drei Kennzahlen lassen sich in einer Tabelle führen, solange die Rohdaten aus der Branchensoftware exportierbar sind. Software lohnt sich, sobald das Zusammensuchen der Werte länger dauert als die Auswertung selbst, oder wenn mehrere Personen dieselben Zahlen brauchen. Entscheidend ist nicht die Darstellung, sondern dass die Zahl ohne Zusatzaufwand entsteht.

Bereit, KI in Ihrem Betrieb arbeiten zu lassen?

In einer kostenlosen KI-Potenzialanalyse zeigen wir konkret, wo in Ihrem Betrieb Zeit und Geld liegen – unverbindlich und ohne Technik-Kauderwelsch.

Kostenlose KI-Analyse